Schorndorf

Angespannte Corona-Lage: Mehrere Impfdurchbrüche in Schorndorfer Pflegeheimen

Pflege
Besuchseinschränkungen belasten Pflegeheim-Bewohner sehr. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Corona-Lage ist ernst. Wie immer, wenn die Infektionszahlen in die Höhe schießen, häufen sich gleichzeitig die Berichte über Ausbrüche in Pflegeheimen. So zum Beispiel in Thüringen, wo in einer Jenaer Einrichtung jüngst mindestens fünf Heimbewohner an Covid-19 gestorben sind. Die Pflegeheime in Schorndorf sind von solchen Horrorszenarien bislang glücklicherweise verschont geblieben. Trotzdem ist die Situation teilweise angespannt. Immerhin gab es in drei Pflegeheimen Impfdurchbrüche.

Spittler-Stift-Leitung fordert 2G

Claudia Oberländer, Direktorin des Spittler-Stifts im Ebersbacher Weg berichtet von zwei Impfdurchbrüchen in diesem Jahr. Eine Bewohnerin und eine Mitarbeiterin des Hauses seien davon betroffen gewesen. „Beide Infektionen sind leicht verlaufen und wir konnten vermeiden, dass sich das Virus im Haus ausbreitet“, sagt Claudia Oberländer. Auf die Frage, wie angespannt die Lage im Spittler-Stift konkret sei, reagiert sie etwas ausweichend. Die Hygienemaßnahmen seien erprobt und die Pflegerinnen und Pfleger auf den Notfall vorbereitet. Außerdem gebe es genügend Schutzausrüstung, Tests und Impfungen. „Insofern nutzen wir alle Möglichkeiten, um das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren - auch wenn es die hundertprozentige Sicherheit nicht gibt.“

Die Impfquote im Spittler-Stift liegt bei der Belegschaft bei 75 Prozent. Unter den Bewohnern sind 90 Prozent doppelt geimpft, teilt Claudia Oberländer mit. 25 Prozent der Pflegebedürftigen haben die Booster-Impfung erhalten. Genauso wie 13 Prozent der Angestellten. Nach und nach seien bei immer mehr Bewohnern die sechs Monate nach der zweiten Impfung vorbei. Ende November oder Anfang Dezember findet deshalb der nächste großangelegte Booster-Termin statt. „Die Angestellten kommen fast alle erst im Dezember auf ihre sechs Monate“, erklärt die Spittler-Stift-Direktorin. 2G gilt für die Pflegerinnen und Pfleger im Spittler-Stift nicht. Deshalb werden nicht immunisierte Mitarbeiter jeden Tag getestet. Eine FFP2-Maske müssen in Pflegeheimen einer Anordnung der Landesregierung nach ohnehin alle tragen.

Die Evangelische Heimstiftung, zu der das Spittler-Stift gehört, fordert allerdings eine Impfpflicht für alle Pflegekräfte und 2G für Besucher, wie Claudia Oberländer erklärt. „Wer möglichst hohen Schutz und Freiheit für alte, kranke und vulnerable Menschen möchte, muss angesichts der sich auftürmenden vierten Welle nun über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen entscheiden. Deshalb unterstützt die Evangelische Heimstiftung die Forderung von Gesundheitsminister Manne Lucha, eine Impfpflicht für Pflegekräfte einzuführen, mit Nachdruck“, schreibt die Evangelische Heimstiftung in einer Pressemitteilung.

Die steigenden Zahlen und damit einhergehenden Beschränkungen sorgen bei den Bewohnern nicht gerade für gute Stimmung, wie Claudia Oberländer erzählt. „Es steigen die Ängste und Bedenken, dass Besuchseinschränkungen kommen könnten.“ Diese Ängste wolle man aber mit viel Aufklärung und Impfungen auf ein Minimum reduzieren.

Große Unterschiede bei der Impfquote

Im Marienstift in der Johann-Philipp-Palm-Straße herrscht aktuell „keine angespannte Situation“, wie Nicola Philipp, Kommunikationsmanagerin der Zieglerschen, mitteilt. Die Bewohner würden das Geschehen deshalb „hinnehmen.“ Im Karlsstift, das ebenfalls zu den Zieglerschen gehört, sei die Lage aufgrund zweier aktuell positiv getesteter Bewohner aber ernster. Es gelten relativ harte Besuchseinschränkungen. Nur in speziellen Fällen, wie beispielsweise der Sterbebegleitung, sei ein Besuch mit Anmeldung erlaubt.

In beiden Einrichtungen werde, wie vorgeschrieben, ausschließlich mit FFP2-Masken gearbeitet. Außerdem werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unabhängig vom Impfstatus, vor Dienstbeginn getestet.

Das hängt mit Sicherheit auch mit den Impfdurchbrüchen zusammen, die es in beiden Einrichtungen seit Beginn der Pandemie gegeben hat. Im Marienstift waren es bislang zwei, im Karlsstift sogar drei, sagt Nicola Philipp. Die Impfquote unter den Bewohnern ist in beiden Heimen hoch: Im Karlsstift sind 94 Prozent doppelt geimpft, 79 Prozent haben bereits die dritte Impfung erhalten. 96 Prozent der Marienstift-Bewohner sind zweimal geimpft, die Hälfte davon geboostert. „Die anderen 50 Prozent sind im Dezember an der Reihe“, erklärt Nicola Philipp.

Bewohner fühlen sich eingeschränkt

Vergleicht man allerdings die Impfquote unter den Angestellten beider Pflegeheime, fallen große Unterschiede auf. Während im Marienstift immerhin 90 Prozent zweifach geimpft sind, sind es im Karlsstift nur magere 68 Prozent. Zu den Booster-Impfungen liegen für die Pflegerinnen und Pfleger noch keine Zahlen vor.

Besucherinnen und Besucher müssen in beiden Heimen ebenfalls FFP2-Masken tragen. Außerdem bieten die Zieglerschen allen, auch Geimpften, einen Schnelltest an. „Dieses Angebot wird auch gut angenommen“, sagt Nicola Philipp. Gerade im Karlsstift sei die Stimmung unter den Bewohnern schlecht. Neben der Besuchsbeschränkung gilt nämlich auch eine Ausgangbeschränkung für die alten Menschen. Dadurch fühlen sie sich eingeschränkt, da sie nicht in den Garten oder die Stadt können, erklärt Nicola Philipp. „Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dadurch verstärkt belastet.“

Die Corona-Lage ist ernst. Wie immer, wenn die Infektionszahlen in die Höhe schießen, häufen sich gleichzeitig die Berichte über Ausbrüche in Pflegeheimen. So zum Beispiel in Thüringen, wo in einer Jenaer Einrichtung jüngst mindestens fünf Heimbewohner an Covid-19 gestorben sind. Die Pflegeheime in Schorndorf sind von solchen Horrorszenarien bislang glücklicherweise verschont geblieben. Trotzdem ist die Situation teilweise angespannt. Immerhin gab es in drei Pflegeheimen

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