Schorndorf

Anhaltender Fernunterricht für viele schwierig: Eltern zur Maskenpflicht an den Grundschulen

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Viele Kinder sind seit einem Jahr immer wieder im Fernunterricht. Eltern stellt das teils vor große Herausforderungen. Symbolfoto. © Büttner

Fernunterricht, Wechselunterricht, Kindergartenöffnungen und Schulschließungen – momentan ist es gar nicht so einfach, den Überblick darüber zu behalten, welche Kinder betreut werden und welche zu Hause bleiben müssen. Eltern sind seit einem Jahr dazu gezwungen, zu improvisieren und immer wieder kurzfristig auf die Entscheidungen der Politik zu reagieren. Nun steigen die Infektionszahlen wieder und in den Grundschulen wurde eine Maskenpflicht eingeführt. Zudem sollen Kinder regelmäßig Schnelltests machen. Wie geht es den Eltern rund um Schorndorf damit?

Nach einem Jahr Pandemie tritt Erschöpfung ein

„Ganz ehrlich, ich bin komplett erschöpft“, sagt Tamara Kar, Gesamtelternbeiratsvorsitzende der kommunalen Kindergärten in Urbach. Ihre Kinder sind drei und sieben Jahre alt, das heißt: Aktuell dürfen sie den Kindergarten beziehungsweise die Grundschule besuchen. „Von Grund auf bin ich froh darüber“, sagt Tamara Kar. „Das sind ja die einzigen sozialen Kontakte, die sie momentan haben.“ Zudem möchte sie ihren Kindern die Bildung nicht verweigern. Trotzdem wisse sie oft nicht mehr, was richtig oder falsch sei. „Ich gebe die Kinder morgens ab und hoffe einfach nur, dass sie gesund zurückkommen“, so die Mutter.

Auch bei der jüngsten Sitzung des Gesamtelternbeirats seien die unterschiedlichsten Meinungen aufeinandergetroffen. „Jeder hat gerade seine eigene Baustelle“, sagt Tamara Kar. Dazu kämen komplett verschiedene Empfehlungen von den unterschiedlichen Stellen. Es gebe Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder die erste Klasse mit Masken besuchen. Die Hoffnung, dass durch die Masken verhindert werden könnte, dass im Ernstfall gleich alle Schüler einer Klasse in Quarantäne müssen, habe viele Eltern aber überzeugt. Das lässt sich so pauschal aber nicht sagen. Die aktuelle Corona-Verordnung besagt, dass Kinder auch beim Tragen einer Maske eventuell in Quarantäne müssen, wenn ein Klassenkamerad positiv getestet wird. Entscheidend ist laut einer Sprecherin des Landratsamtes, ob zusätzlich zum Tragen der Maske auch wirklich alle Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten wurden. Aufgrund der Virusvarianten entfalle weitestgehend auch die Möglichkeit, sich im Absonderungsfall nach fünf Tagen "freizutesten", die zuvor für Kontaktpersonen der Kategorie "Cluster Schüler" bestand.

Tamara Kar betont, dass die Lehrer im Umgang mit der Maskenpflicht bei den kleinen Kindern in der Schule Feingefühl zeigen. „Wenn es zu streng ist, erschreckt man Kinder“, ist sie überzeugt. „Wir sind Menschen, keine Maschinen.“

Emotionale Diskussion um Maskenpflicht

Als eine „sehr emotionale Diskussion“ bezeichnet auch Patricia Kilian, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats an der Grundschule Grunbach, die Maskenpflicht an der Grundschule. „Ich versuche immer, den Nutzen zu sehen, den ich habe“, sagt die Mutter.  „Aber es ist ein schwieriges Thema. Mir fällt es schwer, mich zu positionieren.“ In der Diskussion zwischen den Eltern scheiden sich die Geister nach ihrer Erfahrung. „Viele sind kritisch und können es nicht nachvollziehen, warum Grundschüler jetzt Masken tragen müssen.“ Generell falle ihr auf, dass viele Menschen momentan angespannt seien, vielleicht auch schneller und heftiger auf Kleinigkeiten reagieren als in normalen Zeiten.

Als weniger strittig empfindet sie das Anwenden von Schnelltests bei den Schülern. „In der Grundschule wird momentan einmal in der Woche ein Test organisiert“, berichtet sie. Als Mutter bringe ihr das Erleichterung, weil sie sich nicht selbst darum kümmern müsse, ihren Kindern mache der Test nichts aus. „Sie sind ganz offen und wollen einfach wieder ins normale Leben“, sagt Patricia Kilian. Sie selbst habe die ersten zwei, drei Tage ein mulmiges Gefühl gehabt, als sie ihre Kinder wieder in die Schule schickte. „Aber dann habe ich gesehen, wie sie wieder aufgeblüht sind. Man hat schon einen Riesenunterschied gemerkt.“

Kein richtig oder falsch

Nach dem Eindruck der Mutter empfinden die meisten Eltern es als genauso wichtig, dass ihre Kinder in der Schule und im Kindergarten wieder soziale Kontakte haben können. Es gebe aber auch solche, die Bedenken haben und den Besuch der Einrichtungen als zu riskant empfinden. „Das sind Entscheidungen, die jede Familie für sich treffen muss“, so Patricia Kilian. „Da gibt es kein richtig oder falsch.“

„Für die Grundschüler ist es immer eine Abwägung zwischen Sicherheit und der Notwendigkeit der sozialen Kontakte“, sagt die Plüderhäuserin Alexandra Nick. Sie ist Elternbeirätin im Waldkindergarten der Gemeinde, hat aber auch ein Kind in der zweiten Klasse. Ein kompletter Fernunterricht sei schwierig für die Kinder. Noch dazu ginge die Schere beim Lernfortschritt immer weiter auseinander. „Jeder tut, was er kann, aber die Voraussetzungen sind nicht bei allen gleich“, so Nick.

Wunsch nach längerfristiger Planung

Im Waldkindergarten sei die Lage unkomplizierter. Alle Eltern sind wirklich glücklich, wie es da oben abläuft“, sagt die Plüderhäuserin. Während die Kinder dort an der frischen Luft tobten, spürten sie kaum etwas von Corona. Die Mutter hat viel Lob für die Erzieherinnen. Und auch Tamara Kar und Patricia Kilian sind zufrieden mit dem Krisenmanagement der Schulen und Kindergärten, mit denen sie zu tun haben. Nur von der Politik wünschen sie sich manchmal bessere Entscheidungen.

„Ich habe den Wunsch an die Politik, dass sie sich die Corona-Welt einmal mit Kinderaugen anschauen. Dann sieht alles ganz anders aus“, sagt zum Beispiel Tamara Kar. Sie hofft, dass die Impfkampagne bald besser vorankommt. Alexandra Nick wünscht sich von den Entscheidungsträgern eine klare Strategie für die Zukunft. „Jetzt nach einem Jahr müsste man schon so weit sein, dass man zumindest für die Schüler längerfristig planen kann“, sagt sie.

*Eine vorherige Version des Artikels vermittelte den Eindruck, dass die Schülerinnen und Schüler bei einem Corona-Fall in ihrer Klasse nicht in Quarantäne müssen, wenn sie einen Mund-Nasen-Schutz aufhatten. Das stimmt so nicht. Entscheidend ist laut Landratsamt die Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln, die Fälle werden einzeln betrachtet. Mit der Änderung der entsprechenden Verordnung vom 30. März entfällt außerdem weitestgehend die Möglichkeit, sich mit einem negativen Test nach fünf Tagen aus der Quarantäne freizutesten. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Fernunterricht, Wechselunterricht, Kindergartenöffnungen und Schulschließungen – momentan ist es gar nicht so einfach, den Überblick darüber zu behalten, welche Kinder betreut werden und welche zu Hause bleiben müssen. Eltern sind seit einem Jahr dazu gezwungen, zu improvisieren und immer wieder kurzfristig auf die Entscheidungen der Politik zu reagieren. Nun steigen die Infektionszahlen wieder und in den Grundschulen wurde eine Maskenpflicht eingeführt. Zudem sollen Kinder regelmäßig

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