Schorndorf

Anwohner fühlen sich extrem belästigt

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Der Eindruck täuscht: Regina und Peter Laschczok sind alles andere als entspannt. © Habermann/ZVW
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Nur die Zufahrt zum Autoschalter und die Gartenhecke trennen den Burger King vom Wohnhaus der Laschczoks. Zu den Lärmbelästigungen durch den Verkehr kommen tagsüber die permanente Beschallung durch die Außenbewirtschaftung inklusive Kinderspielplatz und nachts die grelle Beleuchtung. Regina und Peter Laschczok kommen sich teilweise vor wie neben einem Rummelplatz.

Schorndorf. Seit der wenige Meter entfernt wohnenden Regina und Peter Laschczok, dass die Realität noch viel schlimmer ist als die Befürchtungen, die sie mit Blick auf das geplante Bauvorhaben ohnehin schon hatten. Innerhalb weniger Wochen sind ihnen die Lebensqualität und die Lebensfreude abhandengekommen.

Nur eine Hecke trennt das Grundstück der Laschczoks von der Zufahrt zum Autoschalter des Schnellrestaurants. Entsprechend laut ist es vor allem in den Abend- und Nachstunden, wenn mehrere Kunden mit laufendem Motor auf die Abfertigung warten. An Schlaf, sagen die Laschczoks, deren Schlafzimmer zum Burger King orientiert ist, ist nicht zu denken, an ein geöffnetes Fenster erst recht nicht. „Wir liegen im Bett und hören, was die bestellen“, sagt Regina Laschczok, die manchmal nicht anders kann, als ein lautes „Motor aus“ auf das Nachbargrundstück hinüberzurufen. Wenn sie gehört wird und Glück hat, stößt sie nur auf Erstaunen, im besten Fall sogar auf Verständnis, wenn sie Pech hat, wird sie unflätig beleidigt. Dabei unterstellt sie den Autofahrern nicht einmal böse Absicht, sondern nur Gedankenlosigkeit, weil sie sich der Problematik dieser – zumindest aus Sicht der Laschczoks – unfreiwilligen Nachbarschaft von Wohnen und Gastronomie gar nicht bewusst sind.

Lauter Außenbereich, Düfte vom Grill und grelle Beleuchtung

„Mit Motor aus wäre schon viel gewonnen“, meinen die Laschczoks – und mit einer Schließung oder Verlegung des Autoschalters natürlich noch viel mehr. Wobei sie mit dem Wunsch, das ganze Projekt zu drehen und es ein Stück von ihrem Wohnhaus abzurücken, schon während der Genehmigungsphase auf taube Ohren gestoßen sind. Bei ihrem langjährigen Nachbarn, der den Bauantrag gestellt hat, genauso wie bei der Stadt, die sich darauf berufen hatte, dass das Baurecht eingehalten worden sei – zumal es sich um ein eingeschränktes Gewerbegebiet handle. „Zugelassen in so einem Gebiet ist Gewerbe, das Wohnen nicht wesentlich stört“, halten die Laschczoks dagegen, und davon könne nun wirklich nicht die Rede sein. Zumal der vor dem Autoschalter entstehende Verkehrslärm bei weitem nicht die einzige Belästigung und Beeinträchtigung ist. Schließlich ist da auch noch der offiziell nur bis 22 Uhr, tatsächlich aber viel länger geöffnete Außenbereich mit dem kleinen Kinderspielplatz und der viel Geschrei auslösenden Röhrenrutsche. Und wenn nachts die grelle Leuchtreklame erstrahlt, dann kommen sich die Laschczoks vor wie neben einem Rummelplatz – oder noch schlimmer: wie in Las Vegas. „Wir leben im neuen Schorndorfer Rotlichtviertel“, scherzt – ohne, dass ihr zum Scherzen zumute ist – Regina Laschczok mit Blick darauf, dass außer dem Burger King auch die ebenfalls in Sichtweite liegende Ran-Tankstelle ganz in Rot erstrahlt. „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir unsere Fensterläden nicht auch noch rot gestrichen“, stellt Regina Laschczok fest und nennt noch eine Form der Belästigung: Bei Ostwind ziehen Essens- und Grilldüfte in den Garten des Nachbargrundstücks.

Ein Haus, das schwer zu bewohnen und schwer zu verkaufen ist

„So wie’s jetzt ist, ist das keine Gaststätte, sondern ein Vergnügungstempel“, sind sich Peter Laschczok und seine Frau einig. Und einig sind sie sich auch in dem Punkt, dass sie von der Stadt nicht geschützt, sondern im Gegenteil alleingelassen werden. Mehr noch: Hinter vorgehaltener Hand müssen sie sich sogar noch vorwerfen beziehungsweise unterstellen lassen, dass seinerzeit beim Bau des Wohnhauses, das Regina Laschczok von ihren Eltern geerbt hat, geschummelt worden sei. Als das Haus 1959 gebaut worden sei, habe es für diesen Bereich gar keinen Bebauungsplan gegeben, später sei dann eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen worden, sagt Regina Laschczok, die das Haus gemeinsam mit ihrem Mann 1989 übernommen hat. „Wir sind in einer beschissenen Lage“, sagt Regina Laschczok mit Blick darauf, dass das Haus in den letzten Jahren einerseits aufwendig renoviert worden ist und dass es andererseits mit dem neuen Nachbarn Burger King weder dauerhaft angenehm zu bewohnen noch zu einem anständigen Preis zu verkaufen ist. „Wissen Sie, wie ohnmächtig wir sind und wie alleingelassen wir uns fühlen?“, ist deshalb auch nur eine rhetorische Frage.

Die letzte Hoffnung der Laschczoks ist der Petitionsausschuss

„Unsere Situation ist wahrscheinlich deutschlandweit einmalig“, vermuten die Laschczoks, deren letzte Hoffnung – nachdem sie das Angebot ihres Nachbarn, auf der gemeinsamen Grenze eine Lärmschutzmauer zu bauen und dafür alle ihre Einsprüche zurückzuziehen, abgelehnt haben – der Petitionsausschuss ist, an den sie sich gewandt haben. Von ihm erwarten sie sich vor allem die Überprüfung des Lärmschutzgutachtens, das aus Sicht der Laschczoks ausschließlich auf theoretischen und praktisch nicht haltbaren Annahmen beruht. Von der Stadt, sagen die Laschczoks, seien sie mit dem zynischen Verweis auf den ohnehin schon vorhandenen Lärm auf der vielbefahrenen Gmünder Straße abgespeist worden.

Stellungnahmen

Die Stadt ist laut Manfred Beier, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung und Baurecht, vorläufig nur insofern gefordert, als sie zum beim Regierungspräsidium eingereichten Widerspruch der Laschczoks und zum Petitionsantrag Stellung nehmen muss.

Ob die Stadt darüber hinaus tätig werden müsse, hänge vom Ausgang des Petitionsverfahrens ab, sagt Beier, der darauf verweist, dass die Stadt objektiv keine andere Möglichkeit gehabt habe, den Bauantrag für die Burger King-Filiale zu genehmigen. Wohl wissend, so Beier, dass es subjektiv zu Beeinträchtigungen für die Nachbarn kommen werde.