Schorndorf

Arbeitgeber und Jobcenter betrogen

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf/Remshalden. Wegen Untreue in 14 Fällen und Betrug in sieben Fällen hat das Amtsgericht Schorndorf einen 33-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, ausgesetzt auf Bewährung. Der Mann verursachte einen Schaden von mehr als 33 000 Euro, den er nun zurückzahlen muss. Zunächst verweigerte der Angeklagte die Aussage, legte dann aber nach abgeschlossener Beweisaufnahme ein Teilgeständnis ab.

Der 33-Jährige war mehrere Jahre als freier Mitarbeiter für ein Remshaldener Unternehmen tätig und hat der Firma in den Jahren 2014 und 2015 erheblichen finanziellen Schaden zugefügt. Der Zwei-Mann-Betrieb vertrieb Leuchtmittel und befindet sich inzwischen - aus diversen Gründen, die der Geschäftsführer vor Gericht nicht nennen wollte - in der Auflösung.

Der Angeklagte war nicht direkt bei der Firma angestellt. Er arbeitete auf freier Basis dort und war für allerlei Bürotätigkeiten zuständig. Da er eine gewisse Affinität für Computer besitzt, verwaltete er diese auch hauptsächlich. Gleichzeitig betreute er die Amazon-, Ebay- und PayPal-Konten des Unternehmens.

Smartphones und Tablets statt Büromaterial bestellt

Statt Büromaterial bestellte der Angeklagte im Auftrag der Firma jedoch Smartphones, Kopfhörer oder Tablet-PCs. Anschließend fälschte er dann die Rechnungen, damit die falschen Bestellungen nicht auffallen konnten. Einige der Gegenstände verkaufte er dann wohl weiter, auch an einen Mann, der einen Arbeitsplatz im gleichen Haus angemietet hatte. Zusätzlich überwies er mehrere Tausend Euro auf sein eigenes Konto.

Mit einem Trick sorgte er schließlich dafür, dass die Internet-Seiten der Anbieter, die die Firma benutzte, von den Firmen-PCs aus nicht mehr aufgerufen werden konnten. So war die Überziehung beziehungsweise Sperrung der Internet-Konten nicht sofort offensichtlich.

Der Geschäftsführer schöpfte keinerlei Verdacht

Der Geschäftsführer der Firma war hauptberuflich im Außendienst einer Reinigungsfirma tätig und schöpfte nach eigener Aussage keinerlei Verdacht, dass der Angeklagte die Firma regelmäßig um so viel Geld betrog. „Ich habe mich gut mit ihm verstanden“, erinnert er sich. „Als ich von den Taten erfuhr, bin ich aus allen Wolken gefallen.“ Erst als der Geschäftsinhaber stutzig wurde und einen IT-Fachmann hinzuzog, der die Computersysteme überprüfte, flog der Betrug auf.

Während seiner Zeit als freier Mitarbeiter bezog der Angeklagte teilweise Arbeitslosengeld II. Da er seine Einnahmen aus der freien Tätigkeit nicht angab, betrog er das Jobcenter nach einer vorläufigen Berechnung um circa 10 000 Euro. Im Moment ist der Mann in Schorndorf als Staplerfahrer beschäftigt. Während der Verhandlung machte der Angeklagte von seinem Recht Gebrauch, zu schweigen. Außer den persönlichen Angaben zu seiner Person verweigerte er zunächst die Aussage. Als die Richterin ihn erneut darauf hinwies, wie schwer seine Strafe ausfallen könnte, entschloss er sich nach Beratung mit seinem Verteidiger, 17 der Anklagepunkte zu gestehen.

Eine nicht unerhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt

Der Staatsanwalt kommentierte, dass es wohl auch ohne Geständnis zu einer Verurteilung hätte kommen können. Es habe sich um einen langen Tatzeitraum gehandelt, in dem der Angeklagte eine nicht unerhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt habe. Da er keine Vorstrafen hatte, forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgelegt auf drei Jahre zur Bewährung, sowie die Rückzahlung des finanziellen Schadens in Höhe von insgesamt rund 33 000 Euro.

Der Verteidiger des Angeklagten hingegen stellte die Glaubwürdigkeit des Geschäftsführers infrage, der vieles nur vom „Hörensagen“ gewusst habe, plädierte für eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren und forderte Freispruch für seinen Mandanten in den Fällen, für die er kein Geständnis abgelegt hatte.

Dem schloss sich Richterin Petra Freier nicht an und verurteilte den Angeklagten, wie vom Staatsanwalt gefordert, zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Aufgrund des Geständnisses ließ sie eine Aussetzung zur Bewährung zu. Besonders die Aussagen des IT-Fachmannes hätten sie davon überzeugt, dass sich die Vorfälle genau so zugetragen haben wie in der Anklage beschrieben.