Schorndorf

Auf dem Friedhof Schorndorf Hüseyin Altins Brunnen der Besinnung eingeweiht

AltinBrunnenFriedhof
Hüseyin Altins Marmor-Brunnen: Ein neuer Ort der Kommunikation, Begegnung und Besinnung im Neuen Friedhof. © Gaby Schneider

Was für ein wunderbar stiller, offener und einladender Ort! Und was für eine seltsame 25-jährige Wandergeschichte dieses dort nun still sprudelnden Marmor-Brunnens des großen Urbacher Bildhauers Hüseyin Altin. Ein Werk, das von Rottenburg über Urbach schließlich seine ideale Bestimmung gegenüber der Aussegnungshalle im Neuen Friedhof Schorndorf gefunden hat.

Der Marmorstein zieht alle Blicke auf sich

„Der quadratische, 2,20 Meter hohe Marmorquader mit den hart geschliffenen Kanten und Flächen zieht auf dem freien Platz sofort alle Blicke auf sich“, beschrieb Eberhard Abele vom Kulturforum die Wirkung des Werkes und fuhr fort: „Erhabenheit, Stärke, Macht, aber auch Ruhe, Klarheit und Konzentration strahlt er auf den ersten Blick aus. Auf den zweiten Blick öffnet sich der Marmorblock. Die feinen Torformen geben Tiefe, schaffen Raum für Flächen, die sich durch rechteckige Fenster und raue Sägelinien öffnen. Aus diesen Öffnungen fließt Wasser, das den monolithischen Block mit Leben und Energie füllt.“

Der Marmor-Brunnen als freundlich hochgestülptes Tor zur Unterwelt

Auf zwei davor angebrachten Bänken kann man dem zusehen, versinken und wach werden. Der Marmorblock erscheint als freundlich hochgestülptes Tor zur Unterwelt, in dem das immerwährende Werden und Vergehen, der Todesfluss Lethe, aber auch die sprudelnde Erneuerung des Lebens tröstend und damit ermutigend zu erfahren ist.

Und dieser Gedenkstein ohne spezifisch religiöse Hoheitszeichen hat genau dadurch noch eine weitere Qualität, die Eberhard Abele mit Recht ganz besonders hervorhob: „Er ist ein Partner, eine Partnerin für Menschen ohne oder mit Glauben, gleich welcher Konfession.“

Allemal ein Glücksfall für Schorndorf, dieses Werk, das den ersten Preis bei einer Ausschreibung für den Eugen-Bolz-Platz in Rottenburg gewann und dort seit 1995 zu sehen war. Als der Platz 2005 umgestaltet wurde, verlor das Werk seine erste Bestimmung und wurde zurück nach Urbach gebracht. Der Brunnen suchte eine neue Heimat und fand sie durch die beharrliche Vermittlung von Eberhard Abele schließlich auf dem Neuen Friedhof.

Dabei war OB Matthias Klopfer die unbürokratisch ermöglichende Instanz. Und seine Rede bei der Einweihung des Werkes wurde zum bewegenden Kultur-Statement eines scheidenden OBs. Durch direkte Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern, sei’s während der Kunstnacht oder anderen Gelegenheiten. Und der in der Szene eher als sportaffin verschriene Klopfer ließ sich bei Kunstereignissen wirklich oft sehen und suchte den Kontakt zu den Kulturschaffenden. „Ich komme jeden Tag an Ihrer Skulptur am Oberen Marktplatz vorbei“, wandte sich Klopfer an Hüseyin Altin, „ich habe hier in Schorndorf viel gelernt über Kunst und Kultur.“ Die Ansprache Klopfers war eine gewinnende, ja auch etwas wehmütige Abschiedsrede über die kulturelle Vielfalt in Schorndorf und ihre Protagonisten im Kulturforum, der Q-Galerie und vielen anderen Ehrenamtlichen.

Schorndorf ist eine Skulpturenstadt

Eberhard Abele, der unermüdliche Kulturermöglicher, erinnerte an die Geschichte von Schorndorf als Skulpturenstadt seit dem ersten Bildhauersymposium, einem „Kunstüberfall im Jahre 1987“, und die darauffolgende kontinuierliche Auseinandersetzung des Kulturforums mit dem Thema Kunst im öffentlichen Raum. An dieser Entwicklung habe Hüseyin Altin maßgeblich mitgearbeitet. Abele über Altin: „Die Daimler- und Fachwerkstadt ist auch die Skulpturenstadt Schorndorf, daran hattest du einen großen Anteil.“ „Friedhöfe“, so die Beobachtung von OB Matthias Klopfer, „werden mehr und mehr Begegnungs- und Kommunikationsstätten, ein Ort, wo die Menschen zur Ruhe kommen.“

Na ja, und dann kann man fragen: Was soll das ganze Kunstbrimborium? Hüseyin Altin sagt: „Ohne diese Arbeit kann man leben, mit diesem Brunnen kann man besser leben.“ Aufs Schönste thematisiert aber der Brunnen die Erkenntnis, dass das Leben schlicht dahinplätschert, mehr geht wohl nicht.

Was für ein wunderbar stiller, offener und einladender Ort! Und was für eine seltsame 25-jährige Wandergeschichte dieses dort nun still sprudelnden Marmor-Brunnens des großen Urbacher Bildhauers Hüseyin Altin. Ein Werk, das von Rottenburg über Urbach schließlich seine ideale Bestimmung gegenüber der Aussegnungshalle im Neuen Friedhof Schorndorf gefunden hat.

Der Marmorstein zieht alle Blicke auf sich

„Der quadratische, 2,20 Meter hohe Marmorquader mit den hart geschliffenen

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