Schorndorf

Auf dem Schorndorfer Wochenmarkt spaltet die Maske nach wie vor

Markt
Auf dem Wochenmarkt in Schorndorf tragen die meisten keine Maske mehr vor dem Gesicht, nachdem die Stadt die Pflicht dazu vor wenigen Tagen aufgehoben hat. © Büttner

Die einen verbinden den Schutz der Gesundheit mit ihr, andere sehen in ihr gar ein Symbol der Unterdrückung und eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Die Mund-Nasen-Maske ist auf dem Schorndorfer Wochenmarkt ein Diskussionsthema, auch wenn das Rathaus die Pflicht zum Tragen einer Maske vor wenigen Tagen aufgehoben hat. Am Samstagvormittag äußerten sich Anhänger und scharfe Kritiker der Maskenpflicht.

„Da haben sich einzelne Personen durchgesetzt“, sagt Karin Hustler aus Waldhausen, die am Brunnen am Oberen Marktplatz steht. Sie trägt trotz Aufhebung der Pflicht ihre Maske. „Mir wäre es lieber, wenn wir sie weiterhin alle tragen würden, besonders in Menschenmengen“, meint Hustler. In ihrem Umfeld habe sie Menschen, die zur Hochrisikogruppe gehören, sie müssten auch weiterhin geschützt werden. Hustler ist nicht die Einzige, die auf dem Markt ihre Maske noch trägt, auch wenn die Mehrheit inzwischen darauf verzichtet.

Peter Heunisch aus Schorndorf, der nur wenige Schritte von Hustler gerade am Würstchen-Stand auf seine Currywurst wartet, ist ganz anderer Meinung. „Endlich ist die Plicht weg, das war lästig“, sagt er.

Eine „Querdenkerin“ freut sich besonders über die Aufhebung

Auch eine sogenannte „Querdenkerin“ war auf dem Markt unterwegs und zeigte die Erkennungsmerkmale ihrer Mitstreiter, zu denen etwa ein sogenannter Querdenkerbommel gehört. Ihren Namen will die Frau lieber nicht öffentlich lesen. Sie erzählt selbstbewusst, sich mit ihrem Mann auf den Demos in Stuttgart und Schorndorf gegen die Corona-Regeln beteiligt zu haben. Mit der Maskenpflicht unterdrücke die Politik die Menschen. „Das macht uns unterwürfig“, sagt sie.


Unter der Maske bekomme sie kaum Luft. Wenn es im Supermarkt gerade keiner sehe, dann nehme sie deshalb ihr Tuch wieder von Mund und Nase. Doch dabei habe sie schon Denunziantentum erlebt, ein anderer Kunde habe die Verkäuferinnen vor Ort auf sie aufmerksam gemacht. „Das ist Irrsinn, wir müssen endlich aufwachen“, sagt sie.

Neben dem Button hat sich die Frau auch einen sogenannten Querdenkerbommel aus einem rosa Band und einer Kugel aus Aluminium an die Hose gebunden. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bodo Schiffmann, der in seinen Youtube-Videos die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mit den Verhältnissen in der ehemaligen DDR vergleicht, hatte zum Basteln und Tragen solcher Kugeln aufgerufen.

Auch die Antifa ist auf dem Markt unterwegs

Politisch wird es nicht nur im Gespräch mit der Schorndorferin. Auf dem Marktplatz verteilt fast zeitgleich die Antifa Flyer mit dem Aufruf zu einer Demo „gegen Rassismus und Verschwörungsideologien“. Die Gräben scheinen sich zunehmend zu verhärten und die Debatte wird teils äußerst emotional geführt. Wohl auch deshalb wollen sich viele Passanten zu dem Thema in der Öffentlichkeit lieber nicht äußern, vor allem nicht mit ihrem ganzen Namen.


Die Verkäuferinnen und Verkäufer auf dem Markt sprechen derweil meist offener. Sonja Wagner etwa verkauft Rosen und seit der Krise auch Masken aus Stoff. „Ich bin eher der vorsichtige Typ“, sagt sie über sich selbst. Sie ist hin- und hergerissen von der Abkehr zur Maskenpflicht, erklärt sie diplomatisch.

Nicole Heß, die Obst und Gemüse verkauft, begrüßt die Lockerung, auch wenn sie Verständnis für die Regelung gehabt habe. „Die Menschen kommen wieder gerne auf den Markt“, sagt sie. Doch die Stammkundschaft habe auch zu ihr gehalten als die Pflicht noch bestand. Sie trägt wie die meisten Verkäuferinnen und Verkäufer keine Maske mehr.

Eine Ausnahme bildet Gaetano Pellegrino, der seine italienischen Brote nach wie vor mit Maske verkauft. Er findet das Ende der Maskenpflicht zu voreilig. „Es ist noch nicht vorbei, wir sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, mahnt er.


Es gab wohl doch keine Unterschriftenliste

Einzelne Marktverkäufer hatten Mitte Mai angekündigt, eine Unterschriftenaktion gegen die Maskenpflicht der Stadt zu starten. Denn die Regelung wurde nicht auf Landes- oder Bundesebene getroffen, sondern von der lokalen Verwaltung. Doch einige der Verkäufer erklären, noch nie etwas von einer Unterschriftenliste gehört zu haben. Auch bei Stefan Altenberger, dem Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung, seien keine solchen Listen eingegangen, erklärt er. Er habe lediglich einige Beschwerde-Mails erhalten.

Am vergangenen Dienstag, 9. Juni, kündigte die Stadt an, die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt fallenzulassen. Die Begründung: Nur zehn Personen befänden sich in Schorndorf wegen des Coronavirus in Quarantäne. Altenberger sieht das Virus in Schorndorf weitestgehend eingedämmt. Außerdem sei die Marktfläche in Schorndorf recht groß. Die Bürgerinnen und Bürger könnten sich leicht aus dem Weg gehen und Abstand halten. Eine Maskenpflicht ist aus seiner Sicht daher vorerst nicht mehr notwendig.

Sollten die Infiziertenzahlen steigen, wird über das Thema nochmals beraten

Doch sollten die Zahlen wieder dramatisch ansteigen, werde man im Rathaus über die Regelung nochmals beraten. „Viele Bürgerinnen und Bürger freuen sich, jetzt wieder ohne Maske auf den Markt gehen zu dürfen“, berichtet Stefan Altenberger aus Gesprächen.

In Waiblingen und Winnenden gilt die Pflicht auch weiterhin

Zu Beginn der Krise entschlossen sich die Städte im Rems-Murr-Kreis gemeinsam für die Maskenpflicht auf den Wochenmärkten. Nun scheint Schorndorf eigene Wege zu gehen. In Winnenden und Waiblingen gilt die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt auch weiterhin.

Für Waiblingen argumentierte der Oberbürgermeister Andreas Hesky: „Auf dem Wochenmarkt kann der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht immer eingehalten werden, und es werden offene Lebensmittel angeboten.“ Der Rückgang der Corona-Infektionszahlen sei auch auf solche Maßnahmen zurückzuführen, so das Stadtoberhaupt.

Die einen verbinden den Schutz der Gesundheit mit ihr, andere sehen in ihr gar ein Symbol der Unterdrückung und eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Die Mund-Nasen-Maske ist auf dem Schorndorfer Wochenmarkt ein Diskussionsthema, auch wenn das Rathaus die Pflicht zum Tragen einer Maske vor wenigen Tagen aufgehoben hat. Am Samstagvormittag äußerten sich Anhänger und scharfe Kritiker der Maskenpflicht.

„Da haben sich einzelne Personen durchgesetzt“, sagt Karin Hustler aus

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