Schorndorf

Auf Streife nach dem WM-Sieg

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Eine der wenigen Begegnungen während der ersten zwei Einsatzstunden der City-Streife in der Nacht von Samstag auf Sonntag: Zwei Jugendliche weiblichen Geschlechts werden höflich aufgefordert, das Schulgelände der Künkelinschule zu verlassen. „Sorry“, sagen sie und gehen ohne Widerrede. © Schneider/ZVW
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Die Menschen im Bahnhofsbereich waren – unter kritischer Beobachtung durch die Polizei – noch in WM-Feierlaune und die Mannen von den Zentralen Diensten mit der Straßen- und Gehwegreinigung beschäftigt, als die Bunk-Sicherheitsstreife pünktlich um Mitternacht ihre erste Kontrollrunde startete. © Gaby Schneider

Schorndorf. Als die beiden Sicherheitskräfte der Firma Bunk in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen Mitternacht zu ihrer ersten Kontrollrunde durch die Innenstadt aufbrechen, herrscht vor den Gaststätten und Imbissen im Bahnhofsbereich noch ausgelassene WM-Feierstimmung. Die Innenstadt dagegen ist in dieser Nacht so gut wie ausgestorben. „Wenn’s so bleibt, ist’s gut“, sagen die beiden Sicherheitsleute, nachdem sie etwa zwei Stunden später ihre zweite Pflichtrunde gedreht haben.

Denn so ist der von der Stadt vorgegebene Plan: Zunächst einmal muss die aus zwei Personen bestehende Nachtstreife, die 2014 zur Eindämmung von Lärmbelästigungen und Ruhestörungen in der West- und in der Altstadt eingeführt worden, zweimal eine genau vorgeschriebene Runde gehen, während der vor allem die diversen Schulhöfe kontrolliert werden. Den zweiten Teil ihrer Vier-Stunden-Schicht können die Sicherheitsleute relativ frei gestalten. Das heißt, sie konzentrieren sich auf die Bereiche, wo’s zu weit vorgerückter Stunde erfahrungsgemäß noch einmal lauter werden könnte – vor allem vor Bars und Gaststätten, die ihre Gäste irgendwann an die frische Luft setzen – oder sie reagieren einfach nach Gehör. Oder aber sie bekommen einen Hinweis von der Polizei, weil bei der mal wieder eine Beschwerde wegen nächtlicher Ruhestörung eingegangen ist.

Die Zahl der „Vorkommnisse“ ist deutlich zurückgegangen

So ruhig wie in dieser nicht ganz so lauen Nacht nach dem deutschen WM-Sieg gegen Schweden ist’s in der West- und Innenstadt am Wochenende nicht immer, wiewohl die Anzahl der „Vorkommnisse“, die von den Citystreifen, die im Zeitraum von April bis November an rund 40 Wochenendtagen unterwegs sind, registriert wurden, im Lauf der Jahre deutlich zurückgegangen ist. Das Spektrum dieser „Vorkommnisse“, die nicht nur registriert, sondern auch sauber dokumentiert und jeden Montag in Form eines Einsatzberichtes an die Stadt weitergeben werden, reicht von Lärmbelästigung bis Falschparken und vom unerlaubten Aufenthalt auf einem Schulgelände bis zum gleichfalls nicht gern gesehenen Urinieren im öffentlichen Bereich. Wobei’s, sagen die beiden 35 und 41 Jahren alten Bunk-Sicherheitsleute, die in dieser Nacht unterwegs sind, nicht in allen Fällen zwingend zu einer Anzeige kommen muss. Wenn jemand einsichtig ist wie die beiden weiblichen Jugendlichen, die friedlich und still auf einem Bänkle bei der Künkelinschule sitzen und dem Hinweis, dass der Aufenthalt auf dem Schulgelände verboten ist, umgehend Folge leisten und sich mit einem entschuldigenden „Sorry“ verabschieden, dann sieht die Sache anders aus, als wenn aus einer Gruppe von Jugendlichen heraus einer oder mehrere aggressiv werden.

„Dann kann ich auch stur werden“, sagt der 45-Jährige, der aber auch in einer solchen Situation nicht viel mehr tun kann, als deeskalierend zu wirken und, wenn’s ernst wird, die Polizei zu holen. Zwar dürfen die Sicherheitsleute Platzverweise von Schulhöfen aussprechen, aber an Personalien kommen sie nur bei freiwilligem Entgegenkommen. „Wir sind ganz normale zivile Bürger und handeln nach den Jedermannsrechten“, sagte der 45-Jährige, der genauso wie sein Kollege seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Jedermannsrechte, das heißt auch, dass Unruhestifter oder in anderen Weise auffällige Personen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden können. Allerdings nicht um jeden Preis. „Wir wollen schließlich gesund wieder heimkommen“, sagt der 41-Jährige, der’s bislang nur einmal nicht vermeiden konnte, in eine körperliche Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen hineingezogen zu werden.

Eine ruhige Nacht

In dieser Nacht bleibt alles ruhig: Die Schulhöfe sind genauso verwaist wie der Finanzamtsparkplatz, auf dem manchmal nächtliche Kofferraumpartys stattfinden, nur hie und da zeugen Müllreste und leere Flaschen davon, dass es irgendwann im Lauf des Abends doch zu kleineren Gelagen gekommen sein muss. Das mit den leeren Flaschen überlassen die beiden Sicherheitsleute dem Flaschensammler, der seine nächtliche Runde dreht und dem sie einen entsprechenden Hinweis geben, der dankend angenommen wird. In der Neuen Straße begegnen die Bunk-Leute einer Gruppe Jugendlicher, die auf die Aufforderung, sich etwas leiser zu verhalten, ein freundliches Gespräch mit den Sicherheitskräften anfangen – über deren Beruf („Stimmt es, dass man da vor allem nachts arbeiten muss?“) und über die Fußball-WM, wobei am Schluss die Vermutung steht, dass die ersten Spiele der russischen Mannschaft der guten Stimmung wegen „von Putin gekauft“ worden seien. Im Weggehen ruft einer noch ein lautes „Deutschland“, die Bunk-Leute reagieren mit dem freundlichen Appell „Macht keinen Blödsinn“, und damit hat es sich.

Nicht einmal Schnarchtöne zu hören

Und auch der Wirt einer einschlägig bekannten Bar kommt mit der freundlichen Ermahnung davon, weiterhin jeden Lärm außerhalb der Gaststätte zu vermeiden. Und so entspannt geht es weiter: Da wird mal in eine dunkle Ecke geleuchtet und die Eingangstür zu einer Schule kontrolliert, dort wird ein Blick in den Vorraum einer Bank-Filiale geworfen, in dem manchmal ein Obdachloser nächtig und mitunter auch sein Geschäft verrichtet, an anderer Stelle wird ein Parksünder aufgeschrieben und wieder ein Stück weiter schwanken zwei Betrunkene heim, die aber den Eindruck machen, als würden sie es alleine schaffen und als würde es nicht viel Sinn machen, sie jetzt anzusprechen. Und auch der Schnarcher, den der 45-Jährige, der in diesem Jahr schon mindestens zehnmal als Teil einer City-Streife unterwegs war, beim Vorbeigehen an einem bestimmten Haus regelmäßig hört, gibt in dieser Nacht (noch) keinen Laut von sich.

„Wenn’s so bleibt, ist’s gut“, sind sich die beiden Bunk-Leute zur Halbzeit ihrer Schicht, an deren Ende sie elf bis 13 Kilometer in den Beinen haben dürften, einig. Aber noch, warnt der Ältere der beiden, ist nicht aller Tage Abend. Es wäre nicht das erste Mal, dass es gegen Schichtende noch einmal kritisch wird: „Der Alkoholpegel steigt, man weiß es nicht.“

Sicherheitsbranche

Es gebe manchmal gute Jobs und manchmal welche, „die man halt machen muss, sagen die beiden Bunk-Angestellten und bejahen grundsätzlich die Frage, ob sie ihren Job gern machen.

Und was ist so schön dran: „Man kommt viel rum, hat viel mit Menschen zu tun, macht nicht jeden Tag das Gleiche – das ist nicht so wie am Fließband“, sagt der Jüngere der beiden, der weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er, bevor er vor viereinhalb Jahren bei der Firma Bunk angefangen hat, ein paar Wochen lang in der Backstube eines Bäckereibetriebs gearbeitet.

Zwar erst zwei Jahre bei der Firma Bunk, aber insgesamt schon rund 20 Jahre im Sicherheitsgewerbe beschäftigt ist der 45-Jährige, der auch schon als Türsteher gearbeitet und als Security-Mann bei Konzerten renommierter Künstler im Einsatz war.

Typisch für die Sicherheitsbranche ist die City-Streife in Schorndorf auf jeden Fall, da sie nachts stattfindet. Denn etwa zu 90 Prozent, sagen die beiden Sicherheitsleute, die vor allem auch im Werkschutz eingesetzt sind, spiele sich ihre Arbeit in der Nacht ab. Was natürlich ein Familienleben nicht ganz einfach mache.