Schorndorf

Auf Zeitreise in die Weihnachtsgeschichte: Adventskalender der Miedelsbacher Kirchengemeinde

Adventskalender Miedelsbach
Religionspädagogin Christiane Fauth liest bei den Treffen im Rahmen des Adventskalenders jeden Abend einen Teil einer selbst geschriebenen Geschichte vor. © Joachim Mogck

Sogar ein kleines Feuer brennt: Auch die Krippe in der Miedelsbacher Kirche ist im Detail liebevoll ausgestaltet. Wenn auch das Feuerchen nur die Abwärme von winzigen Glühbirnen spendet, warm ums Herz wird’s einem in der Christuskirche derzeit allabendlich allemal. Viele Kerzen, eine ruhige Atmosphäre und eine heimelig-weihnachtliche Dekoration viel Selbstgemachtem im Altarraum sorgen für Gemütlichkeit. Und den richtigen Rahmen für ein kleines „Familienunternehmen“. Denn bei den adventsabendlichen Treffen in der Kirche ist fast die ganze Familie von Pfarrer Raphael Fauth im Einsatz. So laden etwa die Töchter Paula und Tabea mutig vorn das Publikum zu Liedern und Bewegung ein. Dann nimmt Christiane Fauth, die Frau des Pfarrers, auf dem Holzsessel mit Fell und Kissen Platz, blättert ein großes rotes Buch auf und beginnt zu lesen. Die Kerzen brennen, Kinder und Erwachsene lauschen, ein fast zeitloser Moment. Und wenn doch ein paar kleine Zuhörer ihre Gedanken kundtun, stört das niemanden.

Säckchen mit Figur für die Krippe

Und es gibt einen Adventskalender. Stoffsäckchen, hübsch genäht und mit Zahlen versehen, harren an einer Leiter kreativ dekoriert ihrer Verwendung. Unter gespannten Blicken der Kinder zieht Christiane Fauth eine Figur für die Krippe aus dem Beutel, platziert sie an Ort und Stelle, für die Kleinen steckt noch Süßes im Säckchen.

Eine Viertelstunde dauert das Beisammensein inklusive kurzem Gebet, bevor man die fast wohnzimmerartige gemeinsame Runde verlässt. Eine wohltuende Auszeit: Es gibt in diesem Dezember wohl doch noch etwas anderes als Virus und Lockdown.

Wenngleich Corona auch aus der Kirche nicht wegzudenken ist. Für die Abstandswahrung sorgen Markierungen auf dem Boden, Listen erfassen die Gäste, Masken schützen vor möglicher Ansteckung. „Weihnachten ist dieses Jahr alles anders“, sagt Christiane Fauth. Ob etwa das große Krippenspiel hätte stattfinden können, das sei unsicher gewesen. Was also tun?

Lieber ein bisschen Zeit schenken

Im Advent gemeinsam singen, eine Geschichte vorlesen und täglich eine Figur für die Krippe im gemeinsamen Adventskalender finden, das gehört zu den Traditionen im Hause Fauth. „Man schenkt sich lieber ein bisschen Zeit als lauter Spielsachen“, meint Christiane Fauth. Das floss in die Überlegung, was man in diesem Jahr für die Gemeinde machen könnte, ein.

Ebenso die Tatsache, dass es in der Miedelsbacher Kirche bis dato keine Krippe gab, nur ein Feld mit Hirten. Aus beidem entstand die Idee, einen Adventskalender für die Kirchengemeinde zu machen, mit der Geschichte von Weihnachten, mit „ein bisschen Weihnachtsgefühl“, als „eine Auszeit für die Leute“, sagt Christiane Fauth.

Sie legte los. Zu tun war einiges, Helfer packten an. So wurde ein Flipchart, weihnachtlich ausstaffiert, zum Kalender, der die Tage bis zum Fest anzeigt, die Säckchen für den Adventskalender wurden genäht und geplottet, biblische Erzählfiguren angeschafft. Letztere mit Glück. „Wir haben jemanden gefunden, der sich von seiner Sammlung trennt“, freut sich der Pfarrer.

Zeitreise in die Weihnachtsgeschichte

Doch damit war es nicht getan. Es brauchte noch eine inhaltliche Klammer, eine Art „roten Faden“ für den Adventskalender. Christiane Fauth sichtete Geschichten aus Büchern, fand aber keine, „die für den Rahmen hier gut passt“. Gewünscht war etwas Geeignetes für die große Altersspanne der Besucher, dazu „so nah wie möglich an der echten Geschichte“, erklärt sie. Schließlich griff die Religionspädagogin selbst zur Feder. An den freien Montagen ihres Mannes schrieb sie eine Fortsetzungsgeschichte mit Teilen für jeden Adventsabend. Im Mittelpunkt steht Julius, ein Junge, der sich das ganze Jahr auf die Weihnachtszeit gefreut hat, die in diesem Jahr aber ohne viele liebgewonnene Traditionen bleiben muss. Aktueller geht’s kaum. In einer Zeitreise gelangt Julius in die Weihnachtsgeschichte und erlebt das Weihnachtswunder.

Kinder wollen wiederkommen

„Am ersten Dezember war alles fertig“, sagt Christiane Fauth. Und die Spannung groß. Die Reaktionen der Besucher? „Ganz arg große Dankbarkeit“, stellte Raphael Fauth fest und freut sich, dass Kinder von den Eltern einfordern, wieder herzukommen. Nachdem es an zwei der ersten drei Adventsabende voll war in der Kirche und die Platzzahl coronabedingt ohnehin reduziert ist, wird allabendlich noch ein zweiter Termin angeboten.

So haben die Besucher der Christuskirche einen Fixpunkt der Besinnung in unruhigen Tagen. Doch Christiane Fauth verbindet noch ein weiteres Ansinnen mit der kleinen Veranstaltungsreihe: „Eines der Hauptanliegen ist es, den Menschen die Weihnachtsgeschichte ganz nahe zu bringen. Das hat mit dem eigenen Leben zu tun, gerade jetzt“, meint Christiane Fauth. Gott sehe das Leid der Menschen und komme zu ihnen. „Das finde ich sehr tröstlich in der heutigen Zeit.“

Info

Wer mal reinschauen möchte: Die kleinen Treffen im Rahmen des Adventskalenders der Miedelsbacher Kirchengemeinde werden gefilmt und können bei Youtube angeschaut werden. Hier der Link: https://www.youtube.com/channel/UCmSTOQJfGujf4BFNgeA3SUw. Man kann sich auch über die Homepage der Kirchengemeinde www.kirchengemeinde-miedelsbach.de weiterleiten lassen. Die Treffen des Adventskalenders beginnen jeweils um 16.45 Uhr sowie um 17.30 Uhr in der Christuskirche in Miedelsbach.

Sogar ein kleines Feuer brennt: Auch die Krippe in der Miedelsbacher Kirche ist im Detail liebevoll ausgestaltet. Wenn auch das Feuerchen nur die Abwärme von winzigen Glühbirnen spendet, warm ums Herz wird’s einem in der Christuskirche derzeit allabendlich allemal. Viele Kerzen, eine ruhige Atmosphäre und eine heimelig-weihnachtliche Dekoration viel Selbstgemachtem im Altarraum sorgen für Gemütlichkeit. Und den richtigen Rahmen für ein kleines „Familienunternehmen“. Denn bei den

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