Schorndorf

Aus dem Café Mack wird das „Ama Deli“

1/4
Mack Ama Deli Restaurant Café Schorndorf Marktplatz_0
Der Schriftzug am Fenster ist bereits angebracht, drinnen im „Ama Deli“ aber wird noch kräftig umgebaut. © ZVW/Gabriel Habermann
2/4
_1
Die Theke im Erdgeschoss ist bereits gekürzt und die leistungsstarke Ablufthaube angebracht. © Gabriel Habermann
3/4
_2
Baustellenbesuch: Mathias Simon mit seinem Architekten Edward Fasshauer (von links). © Gabriel Habermann
4/4
_3
Kräftig umgebaut wird auch im ersten Stock. © Gabriel Habermann

Schorndorf.
Coming soon – bald ist’s soweit: Im März, das kündigen Fensterfolien schon an, wird das „Ama Deli“ eröffnen. Zum Jahresende hat das Café Mack am Marktplatz seine Türen geschlossen, am 2. Januar haben Mathias Simon und seine Frau Elke Simon-Rommel mit den Umbauarbeiten begonnen. Die Wartezeit sollen Äpfel versüßen, die auf einem Stehtisch vor der geschlossenen Eingangstür in einem Korb bereitliegen. Getränke und Speisen gibt’s drinnen noch nicht, dafür jede Menge Baustaub.

Doch hier ist der Umbau ja auch in vollem Gange: Aus dem Tagescafé mit Bäckereitheke, das die Weinstädter Traditionsbäckerei Mack sieben Jahre lang in bester Schorndorfer Lage betrieben hat, soll ein Feinkost-Tagesrestaurant, neudeutsch Deli, werden. Dafür wurde bereits die Theke im Eingangsbereich deutlich gekürzt. Rechts unter der Treppe, die ins erste Obergeschoss führt, entsteht eine Delikatessen-Ecke. Zum Gastraum hin ist ein flexibler Thermik-Bereich geplant, an dem vor Publikum gekocht werden soll – unter einer leistungsstarken Ablufthaube im Wok, auf der Grillplatte oder am Herd. „Die Technik“, erklärt Simon den geplanten Front-Cooking-Bereich, „folgt dem Angebot, das zügig wechseln soll“. Die Küche im zweiten Stock, die über einen wenig leistungsstarken Aufzug an den Gastraum angebunden ist, soll nur Vorbereitungsarbeiten dienen.

Im Erdgeschoss ist gegenüber der Theke – mit bestem Blick auch aufs Marktplatz-Geschehen – ein sechs Meter langes Barbrett geplant für den schnellen Kaffee im Stehen oder die gemütlichere Barhocker-Pause. Für den gesamten Gastraum hat der Ebersbacher Architekt Edward Fasshauer einen Mix aus Messing und Grautönen entwickelt – auch in Anlehnung an das Traditionscafé Weiler, das Petra Weiler-Trölsch bis 2012 betrieben hat. Den Charme des alten Gebäudes, bekannt als das ehemalige Wohnhaus der Barbara Künkelin, soll sich im neuen „Ama Deli“ wiederfinden. Fasshauer, der zuletzt am Stuttgarter Feuersee das Trollinger Steak- und Brauhaus umgebaut und den Entwurf für den fürs kommende Jahr geplanten Umbau des Stuttgarter Ratskellers geliefert hat, geht gerne mit dem um, was vorhanden ist: „Mein Steckenpferd ist der Denkmalschutz.“

Zu Messing und Grautönen: Bunte Möbel als Farbkleckse

Altbacken soll das „Ama Deli“ dennoch nicht daherkommen: Für Farbkleckse in Rot und Orange werden die Möbel sorgen. Aufgewertet wird auch der erste Stock, der beim Umbau vor sieben Jahren ausgespart blieb und immer noch einen 80er-Jahre-Glanz verströmte: Um den Zugang deutlicher zu machen, wurde die Wand vor der Treppe entfernt. Auch oben gibt es weniger Wände, die Naturstein-Fliesen werden einem Boden in Holzoptik weichen und hier sind große Tische geplant.

Insgesamt 80 Sitzplätze im „Ama Deli“ und bis zu 70 auf der Außenterrasse wollen Mathias Simon und seine Frau bieten. In Stuttgart betreibt das Ehepaar seit 2004 das „Amadeus“ im ehemaligen Waisenhaus am Charlottenplatz. Freundschaftlich mit Andreas Mack verbunden, war Simon, der als gelernter Koch und Hotel-Betriebswirt Gastro-Profi ist, bereits beim Umbau zum Café Mack unterstützend tätig – und hat jetzt die Chance ergriffen, selbst in Schorndorf aktiv zu werden. Die tolle Lage und das historische Gebäude haben ihn gereizt. An seinem Stuttgarter Engagement wird das Standbein in Schorndorf nichts ändern: Das Amadeus wird es auch weiterhin geben.

Und von dort kommt auch Cem Tosun, neuer Betriebsleiter für Schorndorf. Mit Tassilo Härtel hat Simon auch schon einen Küchenchef gefunden. Zum Teil wurden die Mitarbeiter im Service übernommen, weitere Bedienungen und Küchenkräfte sind noch gesucht. Auf guten Service legen Simon und seine Frau großen Wert: Unter den 45 Mitarbeitern im Amadeus gibt es aktuell fünf Auszubildende, die auch über besonders attraktive Konditionen bei der Stange gehalten werden sollen. Und so hofft Simon auch in Schorndorf „gute Mitarbeiter zu finden und so lange wie möglich zu halten“.

Als Tagesgastronomie soll das „Ama Deli“ dann auch tatsächlich nur tagsüber geöffnet sein, werktags von sieben bis 19 Uhr, sonntags von acht bis 19 Uhr – mit einer Speisekarte, die von Frühstücksangeboten, wenigen, aber häufig wechselnden Mittagsgerichten bis zu selbst gebackenen Kuchen einiges bieten wird. Welchen Kaffee es geben wird, ist noch nicht entschieden, nur so viel ist klar: „Gut wird er sein.“ Irgendwann, das will Simon gar nicht ausschließen, könnte das „Ama Deli“ auch abends öffnen. Dafür, sagt er, brauche es aber das richtige Angebot, ein stimmiges Konzept und einen langen Atem. „Im Moment fokussieren wir uns auf den Tag.“

Das Interesse, das merken Simon und seine Frau, ist in Schorndorf schon jetzt groß: Immer wieder linsen Gäste, auch wenn sie noch keinen Kaffee bekommen, durch die Gucklöcher in den zugeklebten Fenstern, bei einer Vorstellungsrunde bei den Nachbarn am Marktplatz gab’s viel Zuspruch für die Neulinge und manche Passanten greifen tatsächlich zu und lassen sich die Wartezeit mit einem Apfel versüßen.

 


Geschichtsträchtig

Das ehemalige Wohnhaus der Barbara Künkelin ist nicht nur denkmalgeschützt, es kann auch eine lange Geschichte erzählen: Das Gebäude, das 1634 beim Stadtbrand vollständig zerstört wurde, gehörte damals Altbürgermeister Melchior Lang. Sechs Jahre später begann er mit dem Wiederaufbau des Hauses, bezog es aber nicht selbst, sondern verpachtete es an den Bäcker und Gemeinderat Daniel Ungenbühl. 1656 kaufte es der Apotheker Jakob Guckhelin, 1675 Bäcker Matthäus Claaß und 1683 der Handelsmann Hans Georg Künkelin. Der hatte 1679 die verwitwete Anna Barbara Walch geheiratet, die dann als couragierte Barbara Künkelin in die Schorndorfer Geschichtsschreibung einging. Ihr Ehemann starb 1728. Nach Barbara Künkelins Tod 1741 wurde das Haus unter sechs Enkelkindern aufgeteilt.

1773 erwarb „Cantidor“ Johann Christoph Mayer das Haus und eröffnete eine Konditorei. 1815 übergab die Witwe Elisabeth Mayer Haus und Geschäft ihrem Sohn Carl Friedrich Mayer, der sich aber lieber der Buchdruckerkunst widmete. Er brachte am 10. Februar 1835 die erste „Schorndorfer Zeitung“ heraus und verkaufte das Geschäftshaus im gleichen Jahr für 4000 Gulden an Christian Weitbrecht. Der erweiterte die Konditorei um eine Feinkostabteilung. Nächster Eigentümer war – ab 1886 – der Carl Wilhelm Schäfer aus Göschingen. Er eröffnete zur Konditorei ein Café. Bis 1930 betrieb er das Geschäft. 1931 übernahm der aus einer Bäckerfamilie stammende Erwin Weiler (Spitzname Ping) Konditorei und Café und übergab es 1963 an seinen Sohn Hans Weiler. Nach dessen frühem Tod führte seine Witwe zusammen mit ihrer Tochter das Geschäft weiter. Ende Mai 2012 gaben sie Konditorei und Café auf. Als Nachfolger blieb die Traditionsbäckerei Mack aus Endersbach den Räumlichkeiten sieben Jahre lang treu, Ende 2019 hat das Café Mack seinen Betrieb in Schorndorf aufgegeben – nachdem mit der Übergabe der Geschäfte an Sohn Andreas Mack nicht nur die Produktionsstätte aufgegeben wurde, sondern auch die Cafés in Endersbach und die Filiale in Rommelshausen.

Im Anbau an das geschichtsträchtige Haus war einst die Schorndorfer Polizeiwache untergebracht. Im Jahr 1929 entstand die Idee, ein Heimatmuseum in der „Alten Polizeiwache“ unterzubringen, das 1934 auch eröffnete – 300 Jahre nach dem Stadtbrand, dem auch das Hauptgebäude zum Opfer gefallen war. Fünf Jahre darauf schon zog das Heimatmuseum um in sein heutiges Domizil, in die ehemalige Lateinschule am Kirchplatz. Im Anbau war dann bis in die Nachkriegsjahre das städtische Wohnungsamt.

Schorndorf.
Coming soon – bald ist’s soweit: Im März, das kündigen Fensterfolien schon an, wird das „Ama Deli“ eröffnen. Zum Jahresende hat das Café Mack am Marktplatz seine Türen geschlossen, am 2. Januar haben Mathias Simon und seine Frau Elke Simon-Rommel mit den Umbauarbeiten begonnen. Die Wartezeit sollen Äpfel versüßen, die auf einem Stehtisch vor der geschlossenen Eingangstür in einem Korb bereitliegen. Getränke und Speisen gibt’s drinnen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper