Schorndorf

Azubi Challenge in Winterbach

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Bullenreiten – oder wie Helge Schneider einst sang: „Komm, wildes Mädchen, schüttel dein Haar!“ © Steinemann

Winterbach. Sie verhauten einander, ließen sich von einem Rindviech demütigen, mutierten zu Sumo-Teletubbies und rauschten voll gegen die Wand: 90 Auszubildende aus dem Kreis nahmen gestern auf dem Winterbacher Sportgelände an der ersten „Azubi Challenge Rems-Murr“ teil.

Video: In Winterbach fand die 1. Azubi-Challenge statt, Auszubildendekonnten sich hier austoben.

Sumo-Ringen ist eine Disziplin, bei der zwei sehr dicke Männer versuchen, sich gegenseitig von einer runden Matte zu schieben – weil es im Vorfeld der Azubi-Challenge allerdings nicht gelungen ist, in der Kürze der Zeit alle Teilnehmer auf das optimale Kampfgewicht von 220 Kilo zu mästen, müssen sie in Winterbach in gelbe Ballonanzüge schlüpfen und sehen aus wie aufgepumpte Versionen von Teletubbie Laa-laa. Und nun stehen sich gegenüber: Lukas Takeshi Pfeiffer und Silas Miamoto Oppl – Ring frei! Der Kampf beginnt etwas einseitig. Oppl schwabbelt vorwärts, ein kurzer Aufprall, Pfeiffer steht neben der Matte – 1:0 nach zwei Sekunden. Oppl wuchtet sein Kunstfett voran, Pfeiffer taumelt nach hinten – 2:0. Wenn das zwei Minuten lang so weitergeht, läuft das auf ein  . . . Moment, kurz rechnen . . . 56:0 raus. Doch siehe, beim dritten Versuch trotzt Pfeiffer energischer, und beim vierten tun die beiden Ehrenjapaner dem Reporter gar den Gefallen, direkt vor dem Video-Objektiv übereinanderzupurzeln. Großer Sport! Am Ende hat Oppl 5:2 gewonnen – das Schlusswort aber gebührt Pfeiffer: „Ich fühl mich ein klein wenig vergewaltigt. Das kostet Kraft und Selbstwertgefühl. Eine wunderbare Erfahrung, das mach ich nie wieder! Betrunken ist es bestimmt noch viel geiler.“

Sumo-Ringer, Bruchpiloten: Eine höchst unterhaltsame Veranstaltung

Willkommen bei der Azubi-Challenge, einem Tag irgendwo zwischen Bundesjugendspielen und „Schlag den Raab“ für die Auszubildenden im Landkreis. Dem IHK-Präsidenten fiel die Idee zu diesem Format eines Tages mitten in einer Rede ein – und weil Claus Paal kein Zauderer ist, posaunte er seine Vision spontan ins Mikro. Aber wer gackert, muss auch legen – also setzte Paal den Plan mit Hilfe der „Wirtschaftsjunioren Rems-Murr“, mehrerer Winterbacher Vereine und einiger Sponsoren um. „Wir wollen euch zeigen“, erklärt der Präsident bei der Eröffnungsrede, „dass Ihr was ganz Besonderes seid. Die duale Ausbildung ist etwas, worum uns die Welt beneidet.“

Womöglich hat der Mann bei all dem aber auch ein bisschen an das in ihm selber schlummernde Kind gedacht. An der Microcar-Station jedenfalls schnappt er sich gleich persönlich die Fernbedienung und steuert einen Kleinboliden traumwandlerisch sicher über Schanze und Rampe, durch Haarnadelkurve und Schikane. Landrat Richard Sigel steht daneben und ist fassungslos; allerdings weniger über die makellose Darbietung, als über die bescheidene Startnummer des von Paal gewählten Autos: „Dass der Claus freiwillig die Nummer zwei nimmt . . .“

Azubine Andrea Bäcker macht es danach einen Tick anders: Ihr Wagen fährt, in dieser Reihenfolge, seitwärts, rückwärts, vorwärts, querfeldein, gegen die Hallenmauer, und über die Absperrung, bevor er zurück auf den Parcours rumpelt und nun, mittlerweile im Geisterfahrermodus unterwegs, vollstoff in die entgegenkommende Kiste von Konkurrent Philip Rauser rammelt. Fazit: Pure Perfektion ist immer ein bisschen langweilig – in der Kategorie Unterhaltungswert schlägt Andrea Bäcker den IHK-Präsidenten vernichtend.

Aber auch Hirnschmalz ist gefragt bei dieser Challenge. Am Länderquiz-Stand verblüfft Nadine Geier mit enzyklopädischem Wissen. Wo war die erste Fußballweltmeisterschaft? „Uruguay.“ Wieviele Mitgliedsstaaten hat die EU? „Achtundzwanzig. Das hatten wir im Unterricht die ganze Zeit. Wir mussten alle aufzählen!“

Szenenwechsel – das „Gladiator Game“: Zwei Kämpfer stehen einander auf Säulen gegenüber und müssen sich gegenseitig runterhauen mit riesigen Polsterbalken. Hingebungsvoll beharken sie einander. Die meisten Hiebe gehen zwar ins Leere, aber irgendwann kommt es doch zu einer Entscheidung, weil einer von der eigenen Ausholbewegung aus dem Gleichgewicht gerissen wird. Wie heißt ihr? „Maximilian“ . . . schweres Atmen . . . „Renker.“ „Daniel“ . . . erschöpftes Japsen . . . „Dorka“.

„Bullriding“: Ein motorbetriebenes Rindviech ruckelt erst sanft, dann immer wilder, bäumt sich auf und wirft sich herum – und falls der Reiter jetzt immer noch oben sitzt, schaltet die Maschine in den Tollwutgang. Wir begrüßen auf dem heißen Sattel: Sven Müller. Der Winterbacher Bürgermeister ist zwar nicht direkt ein Azubi, aber er weiß, wonach die Presse lechzt: nach Prominenten, die sich zum Hugo machen. Also schwingt Müller sich hinauf und nimmt die Bestie in seine Schenkelgewalt, bevor er sich erst in Schief-, dann in Bauch- und Bodenlage begibt. Wir danken! 29 Sekunden hat sich der Schultes oben gehalten. Das ist zwar nur ganz okay; überragend aber ist die Ausrede für den finalen Sturz: „Es liegt an der Hose!“ Das Stöffle sei zu glatt.

Die Sieger

Insgesamt 15 Disziplinen vom Hindernislauf bis zum Tauziehen gehörten zum Programm der Azubi Challenge. Gewonnen hat Team 13 mit Länderkunde-Ass Nadine Geier (sie ist Auszubildende im Landratsamt), Saskia Huttenlauch (von der Schatz Projectplan GmbH), Dimitrios Kalamenios (Stihl), Salvatore Magliocco (Globus Fachmärkte) und Jannik Werni (Vip Systemtechnik).