Schorndorf

Bäder-Schließungen in Schorndorf: Hallenbad soll im Sommer geschlossen werden

Bädle Demo
Eine friedliche Kundgebung vor dem Rathaus. © Gabriel Habermann

Die Debatte über die möglichen Bäder-Schließungen in Schorndorf fand vor vollem Haus statt – kampflos wollten die Menschen ihre Bäder und die Sauna nicht aufgeben. Und das, wie's aussieht, mit Erfolg: Die Gefahr einer Schließung der kleinen Bäder in Buhlbronn und Schlichten scheint gebannt. Vom Tisch ist auch die Sparvariante, die für das Jahr 2023 die komplette Schließung der Bäder mit Ausnahme des Lehrschwimmbeckens und des Kursbeckens im Oskar-Frech-Bad vorgesehen hätte. Eine Mehrheit zeichnete sich dagegen für einen „Sommer- Winter-Betrieb“ ab. Dieser Variante zufolge sollen das Hallenbad und die Sauna im Oskar-Frech-Bad im Sommer dichtgemacht werden. Die Freibäder sollen offen bleiben.

Tatsächlich ist die Haushaltslage angespannt. Gespart werden soll nicht nur bei den Bädern, sondern in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. „Wir sind im Krisenmodus“, erklärte Erster Bürgermeister Englert. Angesichts des geringen Steueraufkommens sei die Ertragskraft zu gering, das Investitionsvolumen zu hoch. Um Pflichtaufgaben erfüllen zu können, müsse die Stadt in den kommenden vier Jahren 53 Millionen Euro aufnehmen. Im ordentlichen Ergebnis fehlen 2023 Stand heute drei Millionen Euro, in 2024 sogar 5,6 Millionen. Das führt dazu, dass die Stadt 2024 Kredite aufnehmen muss, um Tilgungen bezahlen zu können. Sparen ist also angesagt. „Wir müssen Farbe bekennen“, sagte Oberbürgermeister Bernd Hornikel. Die Schließszenarien der Bäder seien aber keine Beschlüsse, sondern stünden zur Diskussion. Er selbst werde der Schließung der Teilortbäder nicht zustimmen, doch die Debatte müsse erlaubt sein.

1,3 Millionen Euro sind Fixkosten

Fakt ist: Alle Bäder sind Zuschussbetriebe. Auch nach einer Komplettschließung blieben der Stadt noch 1,3 Millionen Euro Fixkosten, sagte Daniel Beutel. Bei einer kompletten Schließung der Teilortbäder und der Sauna (im Jahr 2023) könnten jeweils 200.000 Euro gespart werden. Werden das Hallenbad und die Sauna während der Freibadsaison geschlossen, liegt das Einsparpotenzial bei 500.000 Euro. Knapp 700.000 Euro würden gespart, wenn das Hallenbad während der Freibadsaison, die Sauna aber das ganze Jahr 2023 über dichtgemacht werden würde.

Junginger: „Lieber fahre ich den Haushalt an die Wand“

Zumindest was das Einsparpotenzial des Buhlbronner Bädles betrifft, meldete Peter Schwan (FDP/FW) Zweifel an. Das Wasser im Becken stamme aus einer Quelle und werde von der Sonne erwärmt, sagte er und erinnerte an den Einsatz der Buhlbronner, die ihr Bädle zweimal im Jahr flottmachen. Ein Schlag gegen den Klimaschutz wäre es seiner Meinung nach, wenn sich alle Bädles-Besucher auf den Weg nach Schorndorf machen müssten. Sein Credo: Das Bad muss erhalten werden. Ins selbe Horn stieß sein Fraktionskollege Gerald Junginger. Er tue sich schwer zu sagen, Kinder dürften im Sommer nicht mehr ins Freibad gehen. „Da nehme ich lieber einige Millionen Verlust in Kauf und fahre den Haushalt an die Wand.“ Die Bäder sollten offen bleiben, die Sauna geschlossen werden: „Wir sehen sie als Luxusgut. Da würden wir drauf verzichten.“

Die Ortschaftsbäder als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft zu erhalten, forderte Kirsten Katz (Grüne). Gleiches hatte sich auch die CDU auf die Fahnen geschrieben. „Wenn die Bäder mal geschlossen sind, werden sie nie mehr geöffnet“, prognostizierte CDU-Chef Hermann Beutel. „Wir wollen nicht die Totengräber sein.“ Aufgeben will die CDU aber auch die Sauna nicht. „Es gibt dort einen Masseur, dessen Existenz ruiniert wäre“, erinnerte Beutel. OB Hornikel versprach schon jetzt, für die betroffene Familie eine Lösung zu finden.

Ein Plädoyer für sein Bädle hielt der Schlichtener Ortsvorsteher Felix Auwärter, um die Bäder kämpfte auch Jürgen Erdmann (SPD), der sich selbst im Bädlesverein Weiler engagiert. Kinder müssten schwimmen lernen, Fachpersonal sei Mangelware. Die Teilort-Bäder seien wichtig für die Quartiere, bräuchten aber auch die Unterstützung seitens Ehrenamtlicher, sagte er.

Und was ist mit der Stadtbücherei?

Unverantwortlich, die Bäder zu schließen, fände es auch Lars Haise (AfD). Eine Stadt, die das Risiko eingehe, eine Bücherei zu bauen, müsse sich auch ihre Bäder leisten können, sagte er unterm Beifall der Zuhörer. Die Stadtbücherei sei eine Mehrheitsentscheidung, konterte Bernd Hornikel. Kinder und Bildung, die Innenstadt und die Stadtbelebung sind für ihn gute Gründe, daran festzuhalten. Eine Lanze für die Bücherei brach auch Friedericke Köstlin (Grüne): „Die Teilorte stellen sich vor, ,Wir gegen den Rest der Welt’, aber die Stadtbücherei ist für alle da“, betonte sie. Thomas Schaal (CDU) forderte dagegen, nochmals in die Diskussion einzusteigen, weil die Bücherei ein Thema bleibe – auch wenn der Beschluss gefallen sei.

Während sich die Kämpfer für die Teilortbäder schon zufrieden zurücklehnten, kündigte Andreas Schneider an, nur unter Vorbehalt für den Erhalt zu stimmen. „Wir haben 15 Handlungsfelder, wir sind verantwortlich fürs Budget einer ganzen Stadt“, betonte er.

Die Debatte über die möglichen Bäder-Schließungen in Schorndorf fand vor vollem Haus statt – kampflos wollten die Menschen ihre Bäder und die Sauna nicht aufgeben. Und das, wie's aussieht, mit Erfolg: Die Gefahr einer Schließung der kleinen Bäder in Buhlbronn und Schlichten scheint gebannt. Vom Tisch ist auch die Sparvariante, die für das Jahr 2023 die komplette Schließung der Bäder mit Ausnahme des Lehrschwimmbeckens und des Kursbeckens im Oskar-Frech-Bad vorgesehen hätte. Eine Mehrheit

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