Schorndorf

Bürger sollen bei der Umgestaltung des  Unteren Marktplatzes mitreden

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Während der Gartenschau war der Untere Marktplatz für den Autoverkehr gesperrt, statt Parkplätzen gab es einen großen Willkommens-Tisch. Wie der Platz – und das Bahnhofsumfeld - in Zukunft aussehen sollen, dafür sollen Ideen in einem Bürgerbeteiligungsprozess gesammelt werden.   ZVW-Archivfoto: Schneider © Gaby Schneider

Der Untere Marktplatz soll zusammen mit dem Bahnhofsumfeld attraktiver werden: Dass über die Gestaltung aber nicht allein Stadtverwaltung und Gemeinderat entscheiden, sondern auch die Bürger mitreden können, das hat der Technische Ausschuss jetzt auf den Weg gebracht. Doch Vorsicht: Wer sich mit Ideen einbringen will, braucht einen langen Atem. Vor fünf Jahren, räumte Thorsten Donn, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht, in der Sitzung ein, werden kaum Ergebnisse zu sehen sein. Für Prof. Dr. Philipp Dechwo vom Internationalen Städtebauatelier allerdings keine ungewöhnlich lange Zeit: Als Stadtplaner ist er es gewöhnt, in langen Zeithorizonten zu denken. Das Schorndorfer Projekt begleitet er als externer Experte – gemeinsam mit Ute Kinn vom Ettlinger Büro „Grips“, das die Stadt schon beim Bürgerbeteiligungsprozess zur Windkraft unterstützt hat.

Auftakt schon Anfang 2021

Auftaktveranstaltung für den Bürgerbeteiligungsprozess, der letztlich in ein Wettbewerbsverfahren münden soll, wird Anfang 2021 sein, die Planungswerkstatt soll im Frühjahr starten, im Sommer werden erste Ergebnisse präsentiert. Als Diskussionsgrundlage dient die Voruntersuchung des Stuttgarter Städteplanungsbüros, tatsächlich soll es aber vor allem darum gehen, die Akteure vor Ort einzubeziehen. Darum sollen Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit bekommen, vorab eigene Bilder von positiven und negativen Platz-Situationen einzuschicken.

Ein Bürgerbeteiligungsprozess für die Umgestaltung von Unterem Marktplatz und Bahnhofsumfeld kam auch im Technischen Ausschuss gut an – auch wenn sich manche Stadträte wünschten, dass sie bei der Ideenentwicklung aktiv mitwirken können.

Da CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel offenbar die Erfahrung gemacht hat, dass sich an solchen Workshops vor allem Fahrradfahrer beteiligen, wünschte er sich nicht nur einen breiten Querschnitt aus der Bevölkerung, sondern auch eine angemessene Beteiligung „des wichtigsten Gremiums“– und versicherte, dass es ihm dabei nicht darum gehe, die Parkplätze in der Stadt „bis aufs Blut zu verteidigen“.

Akteure der Planungswerkstatt

Im Moment ist vorgesehen, dass sich 75 Personen in der Planungswerkstatt treffen – coronabedingt womöglich auch in einem Online-Format. Sie soll sich zusammensetzen aus je einem Drittel Schlüsselakteuren, freien Anmeldungen über den Flyer und einer Zufallsauswahl. Gemeinderäte werden eher in der Beobachterrolle gesehen.

Grünen-Stadtrat Andreas Schneider plädierte dennoch dafür, dass der Gemeinderat beteiligt ist – und auch die Lokale Agenda, der Weststadt- und der Heimatverein „mit ihrer Expertise“ dabei sind. Oberbürgermeister Matthias Klopfer sprach sich – auch angesichts des aktuell hohen Arbeitspensums im Gremium – dafür aus, Bürgerbeteiligung zuzulassen und die Rolle des Gemeinderats zahlenmäßig eher klein zu halten. Wie das konkret aussehen kann, soll bis zur nächsten Gemeinderatssitzung deutlich werden. Klar ist für Stadtplaner wie Prof. Dechow: Kleinere Gruppen kommen in der Regel eher zu Ergebnissen.

CDU-Stadtrat Manfred Bantel befürchtete, dass gerade der lange Zeithorizont zu Enttäuschungen führen kann. Wie sein Fraktionskollege Beutel sprach er sich darum dafür aus, sich auf realisierbare und lieber weniger Projekte zu konzentrieren: Sonst, gab Bantel zu bedenken, gehe es so wie beim Reallabor, das bei der Bevölkerung hohe Erwartungen geweckt hat – und dabei fahren noch immer statt kleiner Busse oft halb leere große durch die Stadt.

Verbindung zur Vorstadt

Geht’s um den Unteren Marktplatz und das Bahnhofsumfeld, liegt die Vorstadt für viele ganz nah: Grünen-Stadträtin Kirsten Katz erinnerte an das Bildhauer-Symposium 1997, bei dem die Idee entwickelt wurde, mit der Kunst einen Bogen von der Vorstadt in die Stadt zu spannen.

Angesichts der Internationalen Bauausstellung 2027 auf dem Bauhofgelände und Breuningerareal würde sich für sie die Gelegenheit bieten, die Trennung durch die Bahnlinie aufzuheben. Auch ihrem Fraktionskollegen Schneider ist es wichtig, Nord- und Altstadt miteinander zu verbinden. Überhaupt sieht er Schorndorf als „Stadt der kleinen Plätze“, die sich auch mit wenig Geld umgestalten lassen.

Auch Planungsamts-Chef Donn ist die Bedeutung der Vorstadt bewusst, Teil des Entwicklungskonzepts soll sie aus seiner Sicht dennoch nicht werden – um das Gebiet überschaubar zu halten. Und auch Stadtplaner Dechwo plädierte dafür, lediglich die Anknüpfungspunkte mitzudenken – so wie die nächsten 30, 40 Jahre.

So lange wartet GLS-Stadtrat Werner Neher übrigens schon darauf, dass sich in Sachen Unterführung was tut: Dreimal habe er in 35 Jahren schon den Antrag gestellt, dass „das Mausloch“ zur Nordstadt aufgewertet wird – „und immer hieß es, das geht nicht“.

Der Untere Marktplatz soll zusammen mit dem Bahnhofsumfeld attraktiver werden: Dass über die Gestaltung aber nicht allein Stadtverwaltung und Gemeinderat entscheiden, sondern auch die Bürger mitreden können, das hat der Technische Ausschuss jetzt auf den Weg gebracht. Doch Vorsicht: Wer sich mit Ideen einbringen will, braucht einen langen Atem. Vor fünf Jahren, räumte Thorsten Donn, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht, in der Sitzung ein, werden kaum Ergebnisse zu sehen sein.

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