Schorndorf

Bürgermeisterwahl: Dieter Seibold

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Dieter Seibold will Bürgermeister werden: „Ich glaube, dass die Verwaltung mit mir, der aus der Wirtschaft kommt, einen Zugewinn hätte.“ © Palmizi / ZVW

Winterbach. Wer mit Dieter Seibold über die Motive seiner Bürgermeisterkandidatur spricht, der landet immer wieder beim Idealismus. Und bei dem Glauben, das besser machen zu können, was in den Augen vieler Menschen falsch läuft. Bei seinen Gesprächen mit Winterbachern hört er heraus: Viele seien enttäuscht von der Politik.

Video: Drei Fragen, drei Antworten mit Dieter Seibold.

Dieter Seibold ist kein Mensch, der in glattgebügelten, wohl abgewogenen Sätzen spricht. Er schweift aus, er wiederholt sich, scheint sich manchmal zu widersprechen. Aber: Was er sagt, dieses Gefühl vermittelt er im Gespräch, an das glaubt er, dafür steht er ein. Er versteckt sich nicht hinter Phrasen. Er ist für einen, der in die Politik will, teilweise erstaunlich offen. Zum Beispiel, wenn er über seine private Lebenssituation spricht, darüber, dass er vor zehn Jahren nach der Scheidung seiner Ehe wegen einer Frau nach Manolzweiler gezogen ist, er und seine Partnerin aber in getrennten Wohnungen leben. „Mit mir könnte es niemand aushalten“, sagt der 57-Jährige dazu. Und andersrum: „Ich könnte gar nicht mit jemandem zusammen in einer Wohnung leben.“

Es sei für ihn ein Gewinn, abends nach Hause zu kommen und die Wohnung für sich zu haben. „Ich arbeite manchmal bis spät nachts und stehe morgens sehr früh auf“, sagt er. Sehr früh, das heißt zwischen fünf und halb sechs Uhr. Jeden Morgen, sogar am Sonntag. Wenn er Termine hat, steigt er dann meistens aufs Fahrrad. Derzeit radelt er täglich von Manolzweiler nach Bad Cannstatt, wo er für Daimler am Bau eines Hochregallagers mitarbeitet. Er assistiert dem Projektleiter, kümmert sich um die praktische Arbeit vor Ort. Sein Thema ist die Elektrotechnik, die Bedienung, die „Mensch-Maschine-Schnittstelle“.

Verantwortung in einem Bereich, in dem es um Menschen geht

In Bad Cannstatt ist Dieter Seibold geboren und aufgewachsen. Dort machte er in einem Handwerksbetrieb eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Als Meister ging er in die Industrie, zum Aufzugbauer Stahl. Als es mit diesem bergab ging, wechselte er zu Siemens. Dort arbeitete er an der Inbetriebnahme von Großanlagen wie Lackierstraßen oder Kläranlagen. Er wurde Projektleiter, landete schließlich im Vertrieb. Seit zehn Jahren ist er selbstständig.

Und jetzt Bürgermeister. Warum? „Weil ich mehr mit Menschen zu tun haben möchte“, sagt Dieter Seibold. Sein ganzes Leben habe er mit Maschinen und Software verbracht. „Ich will Verantwortung tragen in einem Bereich, in dem es um die Existenz der Menschen geht.“

Dieter Seibold weiß, dass seine fehlende Erfahrung im Verwaltungsbereich, als ein Minuspunkt ausgelegt werden kann. Aber er will es umgekehrt als Stärke verstanden wissen, dass er als „Fachfremder“ ins Rathaus einziehen würde. „Ich glaube, dass die Verwaltung mit mir, der aus der Wirtschaft kommt, einen großen Zugewinn hätte“, gibt er sich selbstbewusst. Denn eines wolle er besser machen, als es aus seiner Sicht bisher lief: „Ich will besser planen.“

Damit meint er die Steuerung einzelner Vorhaben, aber auch das große Ganze. „Dass man einen Ortskern saniert, die Schule, das Pflegeheim, die Kläranlage – das ist zu viel auf einmal“, sagt er. Zwar wolle er nicht bewerten, wie die Häufung der Großprojekte zustande kam, und gibt zu: „Ich kenne die Vorgeschichte nicht.“ Doch er will einen Entwicklungsplan für die Gemeinde, ähnlich wie es Mitbewerber Andreas Bayer schon benannt hat. Der Plan müsste gemeinsam mit den Bürgern entwickelt und darin realistische Ziele festgehalten werden – was nicht heiße, betont Dieter Seibold, dass man nicht erst einmal „Visionen“ haben darf. „Aus Visionen entwickeln sich Gedanken, da spricht man drüber, dann werden daraus realistische Ziele.“

Die Energiewende ist so ein Ziel, das Deutschland derzeit verfolgt. Absolut richtig, findet das Dieter Seibold. Kerntechnologie hält er für eine „menschliche Naturkatastrophe, die Windkraft dagegen für eine gute Technologie. Aber: „Es muss auch Wind da sein.“ Deswegen kämpft Dieter Seibold gegen die Windräder, die im Schurwald geplant sind, zum Beispiel auf dem Goldboden bei Winterbach. Absehen vom fehlenden Wind sei der Schurwald ein „Naturparadies“. Man müsse einen „Konsens finden“ und abwägen mit dem Lebensgefühl und der Lebensqualität der Menschen.

Wie wäre er als Bürgermeister mit der Sache umgegangen? „Ich hätte Fachleute in die Salierhalle eingeladen und die Menschen einfach mal ganz grundlegend informiert“, sagt er. Den Hinweis der Verwaltung, dass es durch den Bauantrag der EnBW Zeitdruck gebe, eine Entscheidung zu treffen, lässt er nicht gelten: „Der Bauantrag kommt ja nicht von heute auf morgen.“ Unabhängig davon, wie dann der Gemeinderat entschieden hätte, hätten sich die Leute nicht so überfahren gefühlt.

Einen Konsens herzustellen, mit dem alle leben können, das hält Dieter Seibold, auch losgelöst vom Thema der Energiewende, für die Aufgabe eines Bürgermeisters. „Ein Bürgermeister“, sagt er, „muss nicht vordenken. Er muss die Bevölkerung aufklären, einbinden und zusammenbringen.“ Viele Leute, mit denen er im Wahlkampf bisher gesprochen habe, erzählt Seibold, seien enttäuscht von der „großen Politik“. Und diese Unzufriedenheit übertrage sich auch auf die lokale Ebene, auf den Bürgermeister und die Verwaltung der Gemeinde. „Die Leute fühlen sich übergangen.“

Es gehört zum Kern von Dieter Seibolds Programm, das zu ändern, wenn er es schafft, ins Rathaus einzuziehen. Für die Jugend will er eine regelmäßige, spezielle Sprechstunde einrichten. Alles, was an Bürgeranliegen im Rathaus ankommt, wolle er als Bürgermeister direkt auf seinem Tisch haben.

Als Beispiel für eine Vision für Winterbach nennt Dieter Seibold einen Bus, der die Ortsteile verbindet, als Schulbus, aber auch für alle anderen, und – jetzt kommt’s – das Ganze soll kostenlos für die Nutzer sein. Klar, gibt Dieter Seibold zu, im Moment habe die Gemeinde andere Themen, die Finanzlage sei schwierig. Aber generell findet er: „Wir können uns das leisten, wir sind eine reiche und leistungsfähige Gesellschaft.“ Und überhaupt: „Eine Gesellschaft braucht doch Ziele.“

Zur Person

Dieter Seibold ist 57 Jahre alt und Vater von drei erwachsenen Kindern, sowie dreifacher Großvater. Er lebt seit zehn Jahren in Manolzweiler. Geboren und aufgewachsen ist er in Bad Cannstatt.

Seibold ist gelernter Elektromeister und hat langjährige Berufserfahrung in der Industrie, unter anderem hat er bei Siemens gearbeitet, in der Konstruktion, als Projektleiter und im Vertrieb. Seit 2006 ist er selbstständig und arbeitet an Projekten im Anlagenbau mit, derzeit unter anderem an einem neuen Hochregallager für Daimler.

Mehr über den Kandidaten Seibold auf www.winterbach-seibold.de.