Schorndorf

Bürgermeisterwahl: Kandidatencheck mit Lektüretipps

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Von links: Andy Bayer, Sven Müller, Moderator Hans Pöschko, Andreas Bayer und Dieter Seibold. © Ramona Adolf
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Kandidatenvorstellung
Sven Müller, 40 Jahre, Diplom-Verwaltungswirt, wohnt in Urbach. © Büttner / ZVW
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Dieter Seibold, 57 Jahre, Elektromeister, wohnt in Manolzweiler. © Büttner / ZVW
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Andy Bayer, 39 Jahre, Mediengestalter, zurzeit arbeitssuchend, wohnt in Schorndorf. © Büttner / ZVW
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Andreas Bayer, 52 Jahre, Diplom-Verwaltungswissenschaftler, wohnt in Schorndorf-Weiler. © Büttner / ZVW
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Kandidatenvorstellung Winterbach Salierhalle Wahlveranstaltung der Schorndorfer Nachrichten: Die vier Bürgermeisterkandidaten sitzen auf dem Podium und stellen sich Fragen von Hans Pöschko und von den Bürgern. Foto: Buettner © Büttner / ZVW

Winterbach. Mit großen Schritten geht es auf die Wahl zu: Am Sonntag machen die Winterbacher ihr Kreuzchen. Viele nutzten die Gelegenheit, sich bei der Veranstaltung der Schorndorfer Nachrichten in der Salierhalle noch mal ein Bild von den Kandidaten zu machen. Und einige kamen auch mit Fragen an die Bewerber. Ein Überblick über einige der Themen, die eine Rolle spielten.

Video: Die vier Kandidaten für das Bürgermeister-Amt stellen sich den Fragen.

Es gab schon noch einige leere Plätze in der Salierhalle, etwa 400 Menschen waren gekommen, nicht nur Winterbacher, um sich anzuschauen, wie den Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn gefühlt wird. Der Altersschnitt in der Halle war recht hoch, Menschen unter 30 Jahren nur vereinzelt vertreten. Aber die Jugend nahm trotzdem teil, in Form eines Wunsches, den Hans Pöschko, Redaktionsleiter der Schorndorfer Nachrichten, als Moderator von einem Schüler der Lehenbachschule übermittelte, „Wir wünschen uns Flutlicht auf dem Rasenplatz, damit wir auch abends auf dem Rasen spielen können.“ Pöschko wollte nun wissen: „Können Sie sich eine solche Investition vorstellen?“ Damit war die Veranstaltung mitten in einem leidigen Thema, das sich an dem Abend immer wieder aufdrängte: die Finanzen der Gemeinde.

Finanzen

Steuern und ein Versprechen

Zur Frage, ob sie sich die Investition ins Flutlicht vorstellen können, antworteten die Kandidaten mit ähnlicher Tendenz: Schwierig bei der derzeitigen Haushaltslage und den vielen Aufgaben, die die Gemeinde stemmen muss. Dieter Seibold ergänzte noch, er würde „nicht generell nein sagen“ und es für alle Zeiten ausschließen. Und Andy Bayer, der auf fast alle Fragen des Abends sehr knapp und mal mehr, mal weniger witzig antwortete, meinte: Persönlich wäre das keine Investition für ihn. „Ich verdiene nicht so viel.“ Was die Gemeinde angehe, müsse der Gemeinderat entscheiden.

Dieter Seibold schnitt das Thema Haushalt gleich in seiner ersten Redezeit an, in dem er sich eigentlich nur hätte persönlich vorstellen sollen. „Da warten Herausforderungen“, wusste er, denn er habe sich eingelesen in den Haushalt. Das zu tun, könne er auch jedem Bürger nur empfehlen: „Fangen Sie auf Seite 20 beim Ergebnishaushalt an.“ Moderator Hans Pöschko spitzte die Lektüre-Empfehlung noch etwas zu: „Wenn Sie heute nacht nicht schlafen können, dann nehmen sie sich mal den Haushalt der Gemeinde Winterbach vor.“

Doch das Thema war damit noch nicht erledigt, eine Bürgerin fragte gezielt nach und richtete die Frage an Sven Müller: Wie will er die Einnahmen der Gemeinde erhöhen? „Geht das über die Grundsteuer?“ Oder könne er versprechen, dass er die nicht erhöhe? Eine gefährliche Frage. „Das Wort kann ich Ihnen nicht geben“, antwortete Sven Müller. Schließlich habe der Bürgermeister ja nur eine Stimme im Gemeinderat. Aber für den Fall dass er Bürgermeister werde, verspreche er: „Mich so lange wie möglich dafür einzusetzen, dass die Grundsteuer nicht erhöht wird.“ Er woll erst schauen, wo man bei den Ausgaben sparen kann.

Dieter Seibold wollte ebenfalls auf die Frage eingehen und zu einem Referat über die Grundsteuer und die bevorstehende Reform derselben ansetzen, wurde aber von Moderator Hans Pöschko ausgebremst.

Spielplätze

Sind allen wichtig

Ein weiteres Thema, das mehrfach zur Sprache kam, waren die Spielplätze im Ort. „Wie sorgen Sie dafür, dass innerorts Grünflächen und Spielplätze entstehen?“ wollte eine Fragestellerin wissen. Andreas Bayer merkte daraufhin erneut die „Tendenz zur Vernachlässigung“ an, die er bei Spielplätzen – nicht nur, aber auch in Winterbach – feststelle. Das will er ändern und betonte: „Das sind auch Orte der Kommunikation.“ Eltern und Großeltern kämen dort zusammen, deswegen müsse man für eine gute Aufenthaltsqualität sorgen. Dem stimmte Dieter Seibold zu. Er sagte der Bürgerin aber ehrlich: Räume, wo neue Spielplätze entstehen könnten, sehe er nicht.

Sven Müller berichtete, dass in Remshalden, wo er derzeit im Rathaus Hauptamtsleiter ist, festgestellt worden sei, dass viele Spielplätze nicht mehr so genutzt werden wie früher. Es gebe Überlegungen diese zu schließen, um dann die verbliebenen Plätze besser auszustatten. Darauf meldete sich ein Vater von zwei Töchtern zu Wort und meinte: „Die Spielplätze in Winterbach werden gebraucht.“ Woraufhin Sven Müller wiederum betonte: Es gehe nicht darum, Spielplätze zu schließen, sondern nur darum, den Bestand zu erheben. „Wenn Sie mir das Feedback geben, dass alle Spielplätze genutzt werden, dann ist das super.“

Mobilität

Senioren, Sitzbänke und der Bahnhof

In vielen Punkten gingen Fragen und Antworten bei der Wahlveranstaltung tief in die ganz alltäglichen Gegenstände der Kommunalpolitik. Zum Beispiel bei der Frage einer Bürgerin: Was wollen die Kandidaten für die Senioren tun, damit sie mobil bleiben können? Konkret: Dass sie sich auf eine Bank setzen können, wenn sie unterwegs sind, um sich auszuruhen?

Sven Müller sagte zu, er wolle „Barrierefreiheit zu einem Top-Thema machen“. Angesichts der wachsenden Zahl älterer Mitbürger will er einen Seniorenrat als „Sprachrohr“ schaffen. Der Rat könne auch Aufstellmöglichkeiten für Sitzbänke erarbeiten. Andy Bayer antwortete auf die Frage nach den Bänken gewohnt knapp: „Ich finde definitiv, dass es zu wenige gibt.“

Andreas Bayer und Dieter Seibold widersprachen dem nicht, drückten aber Skepsis aus, ob es überhaupt Platz für weitere Sitzbänke gibt, gerade in der Ortsmitte. „Wir werden es nicht schaffen, alle 50 Meter eine Bank aufzustellen“, sagte Andreas Bayer. Aber er wolle das Thema in das Gemeindeentwicklungskonzept einfließen lassen, das er anstrebt. Auch Dieter Seibold sah auf den Gehwegen wenig Platz, da gebe es ja auch Vorschriften, wie breit die sein müssten. Deswegen brachte er die Idee ins Spiel, Blumentröge aufzustellen, wo sich Senioren zumindest abstützen können.

Thema bei der Barrierefreiheit war auch der Bahnhof mit seinen oft defekten Aufzügen und dem Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und S-Bahn-Einstieg. Lösungen hatten die vier Kandidaten dafür aber auch nicht parat. Schließlich beißen sich an der Bahn sämtliche Remstalbürgermeister die Zähne aus. Aber die Bahn, so der Grundtenor, sei hier der Akteur, der aktiv werden könne und müsse, nicht die Gemeinde.

Goldboden

Vergleiche und Rechnerei

Um das Aufregerthema Windkraft am Goldboden kam auch diese Veranstaltung nicht herum – wobei leises Murren aus den Reihen der Zuhörer die entsprechende Frage eines Bürgers begleitete. Neues gab es dazu von den Kandidaten nicht zu hören. Wie auch: Es ist zwar das Thema, bei dem sich am ehesten Kontroversen auftun und in dem am meisten Emotionalität steckt. Aber aus kommunalpolitischer Sicht ist es eigentlich bereits erledigt, nachdem der Gemeinderat sein Einvernehmen für das Vorhaben der EnBW erteilt hat.

Lieber Windkraft als Atomkraft, fanden Sven Müller und Andy Bayer übereinstimmend. Müller forderte jedoch: Die EnBW müsse ehrlich sein bei ihrer Wirtschaftlichkeitsanalyse, gerade unter den Rahmenbedingungen der Förderung der erneuerbaren Energien, die sich mal wieder ändern.

Müller und Andreas Bayer waren sich einig: Der Gemeinderat hat alles richtig gemacht, er konnte aus rechtlicher Sicht nicht anders handeln. Andreas Bayer verglich die Windkraft mit der Demokratie: „Die beste aller schlechten Staatsformen.“ Windkraft sei die beste Alternative, aber „die ideale Lösung gibt es nicht“.

Anders sieht die Sache Dieter Seibold. Die Windräder seien zwar „fantastische Maschinen“, aber „am richtigen Ort bitte“. Der Schurwald sei nicht der richtige, weil dort nicht genug Wind wehe. Man müsse abwägen, lohnt sich das oder nicht? „Rechnen Sie es doch einfach mal durch“, forderte Seibold auf. Daraufhin mischte sich Andy Bayer ein und ergriff erneut das Mikrofon: Im fehle bei der Rechnerei die Berücksichtigung von als Folge von Strahlung an Krebs erkrankten Menschen. Und: „Ich denke nicht, dass ein Konzern wie die EnBW für fünf Millionen Euro Windräder aufstellt, ohne an die Wirtschaftlichkeit zu denken.“ Dafür bekam Andy Bayer Applaus aus der Halle.

Informationen zu den Kandidaten finden Sie in unserem Wahlportal unter wahlen.zvw.de


Drei Brennpunkte in Sachen Verkehr waren bei der Wahlveranstaltung der Schorndorfer Nachrichten Thema: die Falkenstraße, allgemein der Durchgangsverkehr in Winterbach und der in Manolzweiler.

„Was gedenkt der neue Bürgermeister gegen die Raserei in der Falkenstraße zu tun?“, diese Frage hat uns vorab ein Leser geschickt. Er meint: Nicht nur Anwohner, sondern auch ältere Mitbürger und Schüler seien betroffen. Die Straße führt in der Nähe der Lehenbachschule und direkt am Friedhof und an der Kirche vorbei, sie verbindet den Ortskern mit dem Ortseingang Richtung Weiler.

Andy Bayer meinte dazu, er sei persönlich dagegen, dass man überall eine Tempo-30-Zone einrichte, aber: „Es gibt diese Kästen, die so blitzen.“ Sven Müller will vorher eher auf Smileys setzen, eine Anzeigetafel, die je nach Geschwindigkeit des Vorbeifahrenden lächelt oder traurig guckt. Das wäre auch die zweite Lösung, die Andreas Bayer vorschlägt. Seine erste ist mit einem Appell verbunden: „Halten wir uns alle an die 30, dann brauchen wir keine Verkehrskontrolle. Ich appelliere an Ihre Vernunft.“

Tatsächlich fahren wohl gar nicht mal so viele in der Falkenstraße oder auch anderswo in Winterbach zu schnell – zumindest, wenn man die Ergebnisse der Verkehrskontrollen des Landratsamts für aussagekräftig hält. Das Amt lässt auf Wunsch der Gemeinde und selbstständig von sich aus nämlich tatsächlich regelmäßig in Winterbach blitzen, und zwar etwa zweimal im Monat, wie Melanie Krämer vom Ordnungsamt sagt. Ostlandstraße, Engelberger Straße und Falkenstraße seien dabei Schwerpunkte. Aber: „Es sind meistens sehr wenige Verstöße darunter“, so Krämer. Sie weiß jedoch aus Erfahrung, dass das subjektive Empfinden von Geschwindigkeit oft anders ist.

Keinen Zweifel dürfte es jedoch an der Aussage geben, dass in Winterbach allgemein ziemlich viel Verkehr herrscht. Zwischen B 29 und Schurwald schiebt sich täglich ein enger Strom von Fahrzeugen durch den Ort. Darunter sind auch viele schwere Lkw, wie eine Bürgerin bei der Wahlveranstaltung bemerkte.

Was kann ein Bürgermeister da machen? Konkrete, komplett schlüssige Maßnahmen, wusste keiner der vier Kandidaten. Sven Müller denkt aber darüber nach, ein Verkehrsgutachten unter Beteiligung der Bürgerschaft zu erstellen. Fachkompetenz holen – das wäre auch der Ansatz von Andreas Bayer. Eine Umfahrung wäre die Ideallösung, meint er, aber schwer realisierbar, weil teuer. Er wies zudem auf den Widerspruch hin: „Dass wir alle in Ruhe wohnen wollen, und gleichzeitig wollen wir Autofahren.“ Das unterstrich auch Dieter Seibold mehrmals als Naturgesetz: „Wir sind darauf angewiesen, dass wir Durchgangsverkehr haben.“ Handel und Gewerbe bräuchten ihn. Er selbst erdulde das in Manolzweiler auch. Maßnahmen wie Bodenwellen oder Einengungen würden Geld kosten. Und das wegen „ein paar Unvernünftigen“ – da stellt Dieter Seibold die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. „Wir müssen das ertragen, das ist so.“


Insgesamt war das am Dienstagabend in der Salierhalle eine Veranstaltung, bei der die Wähler, die da waren, sicher etwas schlauer nach Hause gegangen sind, wenn es um die Frage geht, wen sie wählen sollen. Sachkenntnis, aber auch Persönlichkeit der Kandidaten seien gut sichtbar geworden, das war allgemein die Resonanz am Ende der fast zwei Stunden Frage- und Antwortspiel. Die menschliche Seite ist dabei ebenso wichtig, wie die fachliche, wie die folgenden Aussagen von Winterbachern beispielhaft zeigen.

Karl-Johannes Künzler wusste schon vorher, wo er sein Kreuzchen macht, sagt er auf Nachfrage, nennt aber keinen Namen. Einer der vier Kandidaten gefiel im dagegen gar nicht: „Er war so von oben herab.“

Achim Twirschnik hat auch einen klaren Favoriten für die Wahl. Er hält zwar zwei der Bewerber für sachlich qualifiziert. „Aber vom Persönlichen halte ich einen für besser.“

Wichtig

Welche sind die wichtigsten Themen für Winterbach in den nächsten acht Jahren? Das wollte ein Bürger von den Kandidaten wissen.

Sven Müller nennt den Wohnungsbau, insbesondere für „sozial Schwache“ und auch im Bezug auf das zweite wichtige Thema Flüchtlinge. Außerdem hat er die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements im Blick.

Dieter Seibold nennt die Wohnraumversorgung, die Frage „Wie können wir uns das Soziale miteinander leisten?“ und sein Vorhaben, eine „Gemeinkostenanalyse“ zu machen, um Einsparpotenziale bei den Sachwerten der Gemeinde ausfindig zu machen.

Andreas Bayer sieht als drängendes Thema ebenfalls die Wohnraumversorgung, bei knappem Bauland, für junge Familien, aber auch für Flüchtlinge, außerdem die Integration der Flüchtlinge und als drittes Thema die Gartenschau („große Chance“).

Andy Bayer will Grünflächen schützen, sieht den sozialen Wohnungsbau als wichtig an, genauso die Förderung der Jugend und das Thema Flüchtlinge, unter der Perspektive, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen, indem er eine Partnergemeinde in Russland sucht.