Schorndorf

Bürgermeisterwahl: Sven Müller

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Sven Müller will Bürgermeister in Winterbach werden: Unterstützt von der Familie – und seinem derzeitigen Chef. © Jamuna Siehler

Winterbach. Sven Müller gibt sich als heimatverbundener Familienmensch und zugleich als Verwaltungsprofi, der weiß, worauf er sich einlässt, wenn er auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen sollte. Der 40-Jährige will gestalten und hat dafür konkrete Ideen.

Video: Bürgermeisterkandidat Sven Müller

Als Ort für den Termin mit der Zeitung hat Sven Müller den Garten des Winterbacher Heimatmuseums ausgesucht, ein Kleinod, das der Heimatverein im Stile eines alten Bauerngartens pflegt. Fast könnte man sich hier der Illusion hingeben, dass die Zeit stehengeblieben ist, wenn nicht in regelmäßigem Takt die S-Bahn vorbeirumpeln würde. Der Garten, sagt Müller, hat in ihm gleich bei seinem ersten Besuch heimatliche Gefühle geweckt: „Er erinnert mich an das Haus der Großeltern.“ Das stand in Beutelsbach, direkt neben seinem Elternhaus, eine intakte Großfamilie, in der er aufwuchs.

Sven Müller ist im Remstal zu Welt gekommen und ihm immer treu geblieben. Als er mit seiner Familie vor einigen Jahren einen Bauplatz suchte, hätte es auch gut Winterbach werden können, sagt er. Aber in Urbach waren die Baulandpreise günstiger und es bot sich eine Gelegenheit. Seit fünf Jahren wohnen die Müllers dort in einer Doppelhaushälfte mit Garten.

Die Wohnortwahl war ein Knackpunkt für die Familie

Um die Weihnachtszeit 2015 herum wurde in dieser Doppelhaushälfte gemeinsam entschieden: Papa soll Bürgermeister in Winterbach werden. „Die Familie muss dahinter stehen“, ist sich Müller sicher, sonst könne man das Amt, das viel Privatleben nicht mehr zulässt, nicht ausüben.

Ein Knackpunkt bei der Entscheidung der Müllers war die Wohnortwahl. Sollten sie nach der erst fünf Jahre zurückliegenden Investition ins Eigenheim schon wieder umziehen? Gibt das Sparbuch das überhaupt her, zumal die Wahlkampfkosten auch kein Pappenstiel sind? Die Müllers haben entschieden: Erst mal wollen sie in Urbach bleiben. „Wir schließen es nicht aus, nach Winterbach zu ziehen, wenn ich Bürgermeister sein sollte“, sagt Sven Müller. „Aber ich will es nicht versprechen.“ Er wolle im Falle eines Wahlsieges erst mal „sattelfest“ werden, sich ganz auf den Job konzentrieren. Wenn sich dann irgendwann etwas Passendes finde, müsse man sehen. Er wisse, dass das Thema vielen in Winterbach schon wichtig sei, aber: „Wenn ich meinen Job gut mache und die Leute zufrieden sind, sollte es in der heutigen Zeit keine Rolle spielen, wo man wohnt.“ Urbach sei ja gerade mal sieben Minuten Fahrtzeit entfernt.

Dass er in Winterbach die Chance ergreifen und versuchen will, Bürgermeister zu werden, war für Sven Müller selbst früh klar. Als Hauptamtsleiter in Remshalden, „in der Basisarbeit einer Kommune“, habe sich das Bürgermeisteramt zu einem Traumberuf für ihn entwickelt. Aus drei Gründen: „Du hast unheimlich viel Gestaltungsmöglichkeiten, die Aufgabenvielfalt ist riesig und du hast täglich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun.“

Von seinem derzeitigen Chef, Stefan Breiter, ist zu hören, dass er Müller mit großem Bedauern ziehen lassen würde. Doch er unterstützt seinen Noch-Hauptamtsleiter, gibt ihm große Freiräume, sich im Wahlkampf zu betätigen. Er weiß, dass Müller seinen Job trotzdem noch gut macht.

„Ich bin ein strukturierter, organisierter Mensch“, sagt der Bürgermeister-Anwärter über sich. Arbeitsabläufe erkennen, strukturieren und effizienter machen, das könne er. In Remshalden hat Müller eine Strukturreform der Verwaltung verantwortet. Ob er das in Winterbach auch angeht, könne er jetzt als Wahlbewerber nicht sagen, dazu sei er „nicht tief genug drin“. In Remshalden habe er drei Jahre gebraucht, bis er die Gemeinde „überschaut“ habe.

Braucht das Winterbacher Rathaus mehr Personal? Zwischen Amtsinhaber Ulrich und dem Gemeinderat hat es in der Frage gekracht. Was aus seiner Sicht definitiv nötig sei, sagt Müller: eine Koordinierungsstelle für das Thema Flüchtlinge. Die Gemeinde hat bereits einen Zuschussantrag für eine 50-Prozent-Stelle beim Land gestellt. „Man braucht jemand, der die Fäden zusammenhält“, sagt Müller. Die Integration der Flüchtlinge, Wohnraum zu finden, sie in Jobs zu bringen, ihnen Werte und Normen zu vermitteln: „Das kann nicht nur durch Ehrenamtliche geleistet werden.“ Müller will außerdem einen runden Tisch schaffen, an dem „alle Protagonisten“ wie Kirchen, Vereine und Unternehmen sitzen.

Bürgerbeteiligung über Seniorenrat und Jugendversammlung

Das sind nicht die einzigen Ideen und Vorstellungen, die Müller für Winterbach hat. Eine stärkere Bürgerbeteiligung will er, und zwar aller Generationen. Für die Älteren einen Seniorenrat: „Da führt für mich kein Weg dran vorbei.“ Die Gruppe der über 65-Jährigen wachse und müsse bei der Entscheidungsfindung beteiligt sein. Gleiches gelte aber auch für die Kinder und Jugendlichen. Die neue Gemeindeordnung, die das Land beschlossen hat, verlangt das ausdrücklich von den Kommunen: Die jungen Menschen einzubeziehen bei Entscheidungen, die sie betreffen. Dafür stellt sich Müller eine Jugendversammlung vor, zu der bei bestimmten Themen eingeladen wird.

„Neues schaffen, Bewährtes erhalten!“ so lautet sein Wahlkampf-Motto. Das heißt im Wahlkampf-Flyer zum Beispiel im Detail: Schnellstmöglich neue Bauplätze für junge Familien schaffen, aber die vorhandene Infrastruktur nicht vernachlässigen. Als bewährt sieht Sven Müller in Winterbach Vieles. In seinen Gesprächen mit Bürgern und Vereinen bekomme er die Rückmeldung: Vielen ist wichtig, dass alles so bleibt, wie es ist. Darin sieht er eine Aufgabe: Den „großen Reichtum an bürgerschaftlichem Engagement“, den er wahrnimmt, zu erhalten, in einer Zeit, in der die Bereitschaft für das Ehrenamt teilweise schwindet.

Das klingt nach einer Lebensaufgabe. Zeit nehmen will sich Müller dafür jedenfalls – wenn die Wähler ihm die Zeit geben wollen. Das Amt in Winterbach sei kein „Sprungbrett“ für ihn. Er wolle nicht irgendwo Oberbürgermeister werden, nicht repräsentieren, sondern Einfluss nehmen und gestalten, nah dran sein an den Themen. Die Möglichkeit dazu sieht er in Winterbach. Und: „Ich stehe von meinem Lebensalter her für drei Amtsperioden zur Verfügung.“

Zur Person

Sven Müller ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von acht und elf Jahren. Er ist aufgewachsen in Beutelsbach. Seit fünf Jahren wohnt er mit seiner Familie im Doppelhaus in Urbach.

Seit 2010 ist Müller Hauptamtsleiter der Gemeinde Remshalden. Er hat in Ludwigsburg an der Hochschule für öffentliche Verwaltung studiert und einen Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt gemacht. Seine berufliche Laufbahn begann er im Landratsamt in Waiblingen, zunächst als EDV-Anwendungsbetreuer und dann acht Jahre als stellvertretender Leiter des Fachbereichs Personal.

Mehr über den Kandidaten Müller: www.sven-mueller-winterbach.de.