Schorndorf

Bürgermeisterwahl: Vier Männer, vier Persönlichkeiten

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Bewerberfoto vor Beginn der Veranstaltung (von links): Andy Bayer, Sven Müller, Andreas Bayer und Dieter Seibold. Die Reihen in der Salierhalle zeigen da noch Lücken, füllten sich aber noch weiter, am Ende kamen rund 800 Menschen. © Steinemann / ZVW

Winterbach. Die Neugier in Winterbach war groß auf die vier Männer, die Chef im Rathaus werden wollen. Die rund 800 Bürger, die am Freitagabend in die Salierhalle kamen, dürften einen guten Eindruck von den Vieren bekommen haben. Ein Überblick über Persönlichkeiten, Qualifikationen und Sprüche.

Die vier Bürgermeister-Kandidaten hatten bei ihrer Vorstellung jeweils 20 Minuten Zeit, in denen ihnen die Bühne gehörte. Ihre Auftritte gingen sie sehr unterschiedlich an. Während Sven Müller und Andreas Bayer* vorformulierte Texte dabei hatten und diese vom Blatt ablasen, sprachen Dieter Seibold und Andy Bayer* frei, waren dafür etwas unstrukturierter im Vortrag. Zeit für Fragen aus der Bürgerschaft blieb bei allen noch übrig, allerdings traten nicht viele Bürger an die Saalmikrofone.

Sven Müller: Erfahrung in Chef- und Repräsentantenrolle

Sven Müller ist in Beutelsbach aufgewachsen und hat bis zu seinem 35. Lebensjahr in Weinstadt gelebt, seit fünf Jahren wohnt er mit seiner Familie in Urbach. Er ist also ein eingesessener Remstäler und gibt an: „Am liebsten schwätz i Schwäbisch.“ Aber Hochdeutsch hat er auch drauf, und daneben dürfte er auch ziemlich gut die Sprache der Verwaltung sprechen. Er stellte in seiner Vorstellung seine 16 Jahre Berufserfahrung im Landratsamt und als Hauptamtsleiter der Gemeinde Remshalden heraus.

„Die Rolle des Vorgesetzten übe ich nun schon seit 14 Jahre aus“, so Müller. Derzeit sei er als Chef für 100 Mitarbeiter aus allen Bereichen der Gemeinde verantwortlich. Außerdem gehörte die „unmittelbare Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat“ seit sechs Jahren zu seinem „täglich Brot“. Auch repräsentative Aufgaben nehme er als Hauptamtsleiter wahr, zum Beispiel bei Alters- und Ehejubilaren oder Ehrungen von Blutspendern. Dazu bringe er ein „umfassendes Netzwerk an vielfältigen Kontakten im Kreis und in der Region“ mit, die auch für Winterbach sehr hilfreich sein könnten.

Mit all diesen Qualifikationen und dazu den Attributen „Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Entschlusskraft“ und einem „direkten Draht zu den Bürgern“ will Sven Müller dafür sorgen, dass Winterbach „weiterhin eine Top-Adresse im Remstal bleibt und weiter in der 1. Liga spielt“. Seinen Auftritt schloss der 40-Jährige mit einem Zitat von Manfred Rommel: „Schauen Sie sich die Kandidaten gut an, und wenn Ihnen keiner so recht gefällt, dann wählen Sie mich.“

Dieter Seibold: Kein „Verwaltungsmeister“

Dieter Seibold sprach frei und deutlich kürzer als Sven Müller oder Andreas Bayer, schien dafür bei seiner Vorstellung aber stellenweise den Faden zu verlieren. Seinen persönlichen Hintergrund gab er erst auf eine Nachfrage aus dem Publikum wider.

Seine Motivation, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, erklärte der 57-Jährige vor allem mit selbstlosen Motiven. Er sieht große Probleme und Aufgaben auf Winterbach zukommen, das seit zehn Jahren seine Heimat ist und das er „liebgewonnen“ habe. „Es ist die Uneigennützigkeit, wenn man sagt: Ich kann das, ich kann das machen“, so Seibold. Als Rathauschef wolle er Bürgermeister sein, mit der Betonung auf dem Wortteil „Bürger“, und kein „Verwaltungsmeister“, das heißt: „Sie gewinnen mit mir einen Bürgermeister, der sie bürgernah vertritt.“ Den Konsens zwischen den Interessen der Winterbacher und Winterbächer auf der einen und dem gebotenen Handeln als Verwaltungschef auf der anderen Seite, den werde er hinbekommen.

Er trete als „Fachfremder“ an und bringe Kreativität, Lebenserfahrung und Energie mit. Und gerade im Spannungsverhältnis der großen Aufgaben für die Gemeinde und ihrer angespannten Haushaltslage sieht er „kreative Lösungen“ als nötig an.

Andreas Bayer: Berufserfahrung und Goldene Regel

Andreas Bayer stellte seine harten fachlichen Qualifikationen in den Vordergrund, die ihn aus seiner Sicht für den Job des Bürgermeisters eignen: ein Studium der Verwaltungswissenschaften und 20 Jahre Berufstätigkeit als Projektleiter für Sanierungs- und Baulandentwicklungsmaßnahmen. Er habe„Gemeindeentwicklung live“ betrieben und Projekte für zahlreiche Kommunen übernommen. „Dabei habe ich gelernt, genau auf Feinheiten zu schauen und auf die Besonderheiten einer Gemeinde einzugehen“, so Andreas Bayer. Zu seinem Arbeitsalltag gehöre der Umgang mit Bürgern, Gutachtern, Fachingenieuren und übergeordneten Fachbehörden: ein „reicher Erfahrungsschatz“, auf den er als Bürgermeister zurückgreifen will. Der 52-Jährige hat zudem Erfahrung im Ehrenamt als katholischer Kirchengemeinderat in Weiler.

Neben der fachlichen Kompetenz sieht Bayer eine bestimmte „Grundhaltung“ für den Bürgermeister-Job als Voraussetzung. Er lebe nach zwei Grundsätzen, erstens einer Version von Kants Goldener Regel: „Handle und entscheide stets so, wie du es von anderen erwartest.“ Die zweite Regel sei der römische Grundsatz, dass das Allgemeinwohl das oberste Gesetz ist. „Bisher ist mir die Einhaltung dieser Regeln – meine ich – ganz gut gelungen“, sagte Bayer.

Andy Bayer: Gute Unterhaltung, ungewöhnlicher Lebenslauf

Für ziemlich gute Stimmung in der Halle sorgte Andy Bayer, der als Letzter auftrat. Ihm bescheinigten einige hinterher echtes komödiantisches Talent. Eine Bürgerin trat ans Saalmikrofon und sagte ihm: „Sie werden wahrscheinlich nicht gewählt. Aber es war eine fantastische Vorstellung heute.“

Andy Bayer machte keinen Hehl daraus, dass er bei vielen Sachthemen nicht unbedingt ein Fachmann ist. Er stand in Lederjacke auf der Bühne, was er damit erklärte, dass er „mit dem Moped“ da sei. Die Jacke diene auch als „Panzer, falls Sie böse Fragen stellen“. Froh war der 39-Jährige dann, dass keine komplizierten Fragen kamen, denn die hätte er an Melanie Krämer weiterleiten müssen, so Bayer, die „kompetente Mitarbeiterin auf dem Amt“, die neben der Bühne saß.

Andy Bayer ist gelernter Mediengestalter, hat aber unter anderem Berufserfahrung als Barkeeper, Landschaftsgärtner, Chauffeur und Bademeister. Außerdem sei er „Banker“, da eine von ihm gestaltete Bank im Schorndorfer Schlosspark stehe. Ein „unüblicher Lebenslauf“ für einen Bürgermeister, gab er der ehemalige Winterbacher zu. Aber: „Bürgermeister war ich noch nicht, das muss ich noch abhaken.“ Für solche Aussagen erntete er viel Applaus und herzliche Lacher in der Halle. Oder auch für die Eröffnung, er sei ziemlich nervös, weil er nicht oft vor Menschen spreche: „Man hat mir gesagt, ich solle Sie mir alle nackt vorstellen – ich arbeite noch daran.“

Alles zur Wahl auf wahlen.zvw.de

* Es gibt zwei Bewerber mit dem exakt gleichen Namen. Zur Unterscheidung nennen wir den jüngeren der beiden in Absprache mit ihm hier Andy Bayer.

Die vier Kandidaten in Kürze

Sven Müller ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt mit der Familie in Urbach. Derzeit ist er Hauptamtsleiter der Gemeinde Remshalden.

Dieter Seibold ist 57 Jahre alt, geschieden und hat drei erwachsene Kinder sowie mehrere Enkel. Er lebt in Manolzweiler, ist gelernter Elektromeister und selbstständig in der Automobilbranche als Projektsteuerer und Anbieter von Automatisierungstechnik tätig.

Andreas Bayer ist 52 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Er lebt mit seiner Familie in Weiler, wo er auch im Kirchengemeinderat aktiv ist. Beruflich ist er derzeit für den Zweckverband Flugfeld Böblingen der Städte Sindelfingen und Böblingen tätig.

Andy Bayer ist 39 Jahre alt, ledig und lebt in Schorndorf. Er ist gebürtiger Winterbacher. Derzeit ist er arbeitssuchend und jobbt unter anderem als Kellner.