Schorndorf

Bürgermeisterwahl: Wohnraum, Flüchtlinge, Schule, Finanzen

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Vorstelltung der vier Buergermeisterkandidaten in Winterbach, Zwischenfragerin Oda Ferber. © ZVW

Winterbach. Die Themen, Herausforderungen und Vorhaben, die die Kandidaten in ihren Vorstellungen erwähnten und herausstellten, glichen sich. Doch jeder setzte dabei auch seine eigenen Akzente.

Der originellste, aber durchaus bedenkenswerte Vorschlag des Abends kam von Andy Bayer. Er machte sich Gedanken zur Weltlage und zur angespannten Situation zwischen der Nato und Russland und will diesbezüglich auf lokaler Ebene ein Friedenszeichen setzen. Dazu will er als Bürgermeister für Winterbach eine russische Partnerstadt finden. „Ich möchte Brücken bauen, wo andere den Eisernen Vorhang errichten wollen“, so Andy Bayer. Er denke dabei auch an seine Großväter und konstatierte, dass man etwas dafür tun sollte, „dass wir nicht wieder Soldaten nach Russland schicken.“ Dafür bekam er den Applaus der Salierhalle.

Ansonsten sprachen die Kandidaten in ihren Reden gängige und allgemeine Themen an: das Ehrenamt unterstützen und bewahren, Kinder und Jugend fördern, den Hochwasserschutz verbessern.

Die Energiewende wollen sie alle voranbringen und den bewährten Winterbacher Weg, wo seit Jahren schon viel in dieser Richtung passiert, fortsetzen. Dieter Seibold sprach von sich aus das Thema Windkraft am Goldboden an. „Ich bin einfach gegen Windkraftanlagen hier im Schurwald“, sagte er, aber nicht generell gegen die Windkraft. Auch Andy Bayer riss das Thema an, räsonierte über den „Disco-Effekt“, sich drehender, und spiegelnder Windräder und fehlende Beweise für die Effekte des Infraschalls, um zusammengefasst zum Schluss zu kommen: Atomkraft und ihre Auswirkungen sind das größere Übel.

Sven Müller und Andreas Bayer wurden beide aus dem Publikum nach ihrer Haltung zum Thema Windkraft am Goldboden gefragt. Sie vermieden es, sich eindeutig und grundsätzlich zu positionieren und verwiesen auf die gefallene Entscheidung durch den Gemeinderat, der sein Einvernehmen erteilt hat. Andreas Bayer bezeichnete diese Entscheidung ausdrücklich als richtig.

Thema Wohnbauflächen

Alle Kanidaten thematisierten die Notwendigkeit, Wohnraum zu schaffen und Baugebiete auszuweisen. Innen- vor Außenentwicklung war dabei das Credo. Wobei Andy Bayer versprach, er werde als Bürgermeister die Grünflächen des Orts schützen. Am ausführlichsten beschäftigte sich Andreas Bayer mit dem Thema. Er brachte dabei als Lösungsansatz für „zukunftsweisende und bezahlbare“ Projekte Baugemeinschaften ins Spiel, für die es „engagierte und mutige Bauherren bräuchte“. Außerdem versprach er, auf eine „gesunde Nutzungsmischung“ zu achten, das heißt, dass junge Familien neben Singles und älteren Mitbürgern leben. Ansonsten blieben er und die anderen Kanidaten eher vage und kamen über die Benennung des Problems und das Versprechen, sich einsetzen zu wollen, nicht hinaus.

Beim Thema Flüchtlinge betonte Sven Müller die Notwendigkeit, den Ehrenamtlichen, die sich kümmern, professionelle Hilfe an die Seite zu stellen. Er fordert konkret: Die Flüchtlingsarbeit muss hauptamtlich im Rathaus koordiniert werden. Und: Es braucht einen runden Tisch mit allen beteiligten Akteuren in Winterbach. Andreas Bayer will sich dafür einsetzen, dass Bund und Länder die nötigen finanziellen Mittel für die Integration der Flüchtlinge zur Verfügung stellen.

Thema Schule

Die Schule war in ganz unterschiedlicher Hinsicht Thema. Andy Bayer findet: „Die Tischtennisplatten an der Lehenbachschule müssen ausgetauscht werden, da kann man nicht darauf spielen.“ Von Sven Müller wollte eine Bürgerin seine Meinung zur Gemeinschaftsschule hören. Der stehe er „positiv gegenüber“, so seine Antwort. Wenn es die Möglichkeit gebe, wolle er die Schule jedoch gerne in den offenen Ganztagesbetrieb bringen. Denn, dass dieser ein Muss sei, werde immer wieder von Eltern beklagt. Dafür erntete Müller Applaus.

Thema Finanzen

Die Finanzen der Gemeinde beschäftigen die Kandidaten in ihrem Wahlprogramm ebenfalls durchweg, allerdings mit unterschiedlicher Bewertung und eher ohne konkrete Vorschläge. Dieter Seibold zitierte die Mahnung, die der Winterbacher Kämmerer dem Haushalt beigestellt hat: „Wir leben auf Kosten der kommenden Generationen.“ Sven Müller betonte seine Kompetenz und Erfahrung in Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen. Er wisse aus Remshalden, „was es bedeutet, solide und geordnete Finanzpolitik zu betreiben“. Mit der Ausgliederung des Pflegeheims aus dem Kernhaushalt, die gerade vorbereitet wird, sieht er Winterbach auf dem richtigen Weg.

Andreas Bayer sieht zwar die Notwendigkeit für ein geringeres Investitionsvolumen in den nächsten Jahren, bezeichnete die Winterbacher Finanzen aber als „grundsolide“ und die derzeitige Verschuldung für einmalige Investitionen als „vertretbar“. Er will „in den ersten beiden Jahren“ seiner Amtszeit einen „Gemeindeentwicklungsplan erarbeiten, der uns als Leitlinie durch die folgenden Jahre dienen soll.“

Ganz eigene Akzente

Von den großen Themen abgesehen, setzten die Kandidaten verschiedene eigene Akzente. Sven Müller will zur stärkeren Bürgerbeteiligung einen Seniorenrat schaffen und regelmäßig eine Jugendversammlung einberufen. Andy Bayer denkt über einen Verein nach, der sich um die BMX-Strecke kümmern soll. Außerdem will er die Halfpipe „optimieren“ und besser pflegen, wobei er die Notwendigkeit sieht, hier mehr Personal einzusetzen und scherzte: „Der Gemeinderat freut sich bestimmt, wenn ich viele Leute einstellen möchte, damit hier endlich mal was geschieht.“

Pflegemaßnahmen waren auch das Thema seines Namensvetters Andreas Bayer, und zwar in Bezug auf die Spielplätze: „Wie in anderen Gemeinden besteht in Winterbach die Tendenz, dass die Pflege und Instandhaltung der Spielplätze vernachlässigt wird.“ Kritik hat Andreas Bayer an der bisherigen Praxis der Gartenschau-Planung wahrgenommen. Deswegen wolle er diese „auf den Prüfstand stellen und unter Beteiligung der gesamten Bürgerschaft nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen.“ Die anwesenden Bürger rief er dazu auf: „Machen Sie sich Gedanken, entwickeln Sie Ideen und bringen Sie diese aktiv ein.“

Termine und Infos

Alle Winterbacher ab 16 Jahren sind am Sonntag, 3. Juli, zur Wahl des Bürgermeisters aufgerufen.

Weitere Informationen über die Bewerber und ihre Themen können Sie sich am Dienstag, 28. Juli, ab 19 Uhr bei der Wahlveranstaltung der Schorndorfer Nachrichten in der Salierhalle holen. Dort sind alle Kandidaten zusammen auf der Bühne, um zu diskutieren und Fragen zu beantworten.

Alles zu den Bewerbern und den Wahlen, mit Terminen, Texten und Videos, gibt es auf wahlen.zvw.de.