Schorndorf

Baby-Bodies statt Bankomaten am Schorndorfer Marktplatz

LeerstandMarktplatz
Kagan Zinner in seinen neuen Räumen. © Gaby Schneider

Passanten sehen es seit Wochen: Hinter den Schaufensterscheiben im Gebäude an der Ecke Marktplatz/ Neue Straße tut sich was. Kisten werden ausgepackt, der Laden inklusive seiner neuen Bistro-Ecke füllt sich allmählich. Wo jahrelang die Deutsche Bank eine Filiale unterhielt, steht die Theke im Bistro-Bereich bereit, die Kaffeemaschine kann angeworfen werden: An diesem Donnerstag wird der neue Laden mit dem Namen „Liebevoll“ eröffnet.

Wollwalk-Mäntelchen, Lammfell-Babyschuhe, Stoffwindeln, Tragetücher, Schnuller und plastikfreie Vesperdosen: Alles im Laden von Kagan Zinner soll nachhaltig sein, aus biologischem Anbau oder biologischer Tierhaltung und unter fairen Arbeitsbedingungen produziert worden sein. Neben seinem Werksverkauf in Durlangen und seinem Online-Shop bietet Kagan Zinner jetzt auch in Schorndorf in seinem „Naturkinderladen“ fair hergestellte und gehandelte Kleidung und Bio-Waren wie Kosmetik, Putzmittel, Fingermalfarben, Knetmasse und Stifte an. Der gelernte Sozialtherapeut und Marketing-Mann Zinner ist Vater zweier Kinder, die in ihrem Schrank ausschließlich nachhaltige Kleidung hätten. Er selbst war mit dem Thema gesunde Kleidung das erste Mal während eines Praxissemesters als Sozialpädagoge an der Charité konfrontiert. Dort seien viele Kinder mit Hautproblemen aufgefallen. Bei einer Untersuchung der Bodies und T-Shirts der Kinder habe man Schwermetalle in den Kleidern entdeckt. „Das ist gar nicht so selten“, sagt Kagan Zinner und verweist auch auf Pestizid-Rückstände in Baumwolle. 2015 startete er mit seinem Online-Shop, im Sommer 2018 folgte ein Laden im Einkaufszentrum Kubus in Aalen. „Wir waren sieben Monate in dem neuen Gebäude, dann gab es einen verheerenden Brand“, erzählt er. Im Einzelhandelszentrum „Mercatura“ fand er ein Ausweichquartier, das auf Dauer aber zu teuer war: Zeit also für einen weiteren Umzug.

Neue Räume fand er in Schorndorf, wo er mit einem Immobilienmakler eigentlich einen anderen Laden besichtigen wollte – und zufällig auf einen Aushang im Laden am Marktplatz 9 gestoßen war. „Ich habe den Zettel gesehen, angerufen und wir haben uns schnell geeinigt“, erzählt er. Eine glückliche Fügung, nachdem der Laden eine ganze Zeit leer gestanden hatte. Nach Angaben der Schorndorfer Wirtschaftsförderin Gaby Koch soll das Gebäude wegen statischer Probleme, wegen der Decken und des mangelnden Brandschutzes abgerissen und neu gebaut werden. „Die Mehrfachbeauftragung läuft“, berichtet Gaby Koch. Vier Architekten seien mit der Neuplanung des Hauses beauftragt worden. Stand jetzt hat das längliche Haus, in dem sich auch eine Pop-up-Kunstgalerie befindet (siehe unten), drei Vollgeschosse und ist 1200 Quadratmeter groß. Daran wird sich wohl auch nicht viel ändern, weil sich das Haus in die umgebenden Gebäude einfügen muss. Aus diesem Grund wird auch der Gestaltungsbeirat zusammen mit dem Eigentümer über die Entwürfe der Architekten entscheiden. Stand jetzt sind die Mieter in den Wohnungen ausgezogen, die Planung für den Abbruch und den Neubau läuft – noch gibt es aber keinen Zeitplan für die Baumaßnahmen. „Alles ist in der Schwebe“, sagt Kagan Zinner. Er selbst hat eigenen Angaben zufolge die Zusage, mindestens zwei Jahre lang drin bleiben zu können, „möglicherweise auch drei bis vier.“ Wenn das Gebäude abgebrochen wird, will er mit seinem Naturkinderladen vorübergehend ausziehen – und setzt dabei auf die Unterstützung der Wirtschaftsförderin, die ihm ihre Hilfe zugesagt habe.

Ein Stillzimmer mit Sofa und Wickeltisch

Jetzt aber will er mit seinem Naturkinderladen erst mal durchstarten. Außer dem großen Ladenraum hat er ein kleines Stillzimmer eingerichtet, mit einem Sofa und einer Stehlampe, einem Wickeltisch mit einer Lammfellauflage und einer Spielecke für Kinder. Kinder sind auch willkommen in der Bistro-Ecke, die 24 Plätze hat. Weil diese im Corona-Lockdown noch nicht bespielt werden dürfen, setzt der Ladenbetreiber fürs Erste auf Mitnahmespeisen und Getränke: Kaffee, Limo, Wraps, Salate und Kuchen gibt es „to go“ und selbstverständlich in nachhaltigem recycelbarem Geschirr. Die Corona-Krise ist für eine Laden- und Bistroeröffnung sicher nicht die beste Zeit, zumal sich Zinner mit seinen Bioprodukten in Schorndorf in einer Nische sieht. Immerhin komme ihm aber die Friday-for-Future-Bewegung entgegen, sagt er.

Der Naturkinderladen „Liebevoll“ eröffnet an diesem Donnerstag, 26. November. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 16 Uhr. Im Bistro gibt es unter anderem Salate to go.

Passanten sehen es seit Wochen: Hinter den Schaufensterscheiben im Gebäude an der Ecke Marktplatz/ Neue Straße tut sich was. Kisten werden ausgepackt, der Laden inklusive seiner neuen Bistro-Ecke füllt sich allmählich. Wo jahrelang die Deutsche Bank eine Filiale unterhielt, steht die Theke im Bistro-Bereich bereit, die Kaffeemaschine kann angeworfen werden: An diesem Donnerstag wird der neue Laden mit dem Namen „Liebevoll“ eröffnet.

Wollwalk-Mäntelchen, Lammfell-Babyschuhe,

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