Schorndorf

Babyglück in Zeiten der Corona-Pandemie - eine Hebamme und eine Mutter über Dankbarkeit und Traurigkeit

Jonne
Bei aller Freude und Dankbarkeit trauern Antonia Jung (r.) und ihre Mutter Monika Jung um so manchen gemeinsamen magischen Moment. Fotos: Privat © privat

Endlich. Jonne ist da. Antonia Jung und ihr Partner Christian Klein könnten glücklicher nicht sein. Da will man gleich die ganze Welt umarmen oder zumindest die Familie, seine Freunde. Oder wenigstens die eigene Mutter. Die die frisch gebackene Mama in den Arm nimmt, sich mit ihr freut. Die hält und tröstet und beruhigt. Aber: Es ist alles anders. Es ist Corona-Zeit. Antonia Jung kann das kleine Glück mit flaumigem Haar und zartem Duft ihren Eltern nicht in die Arme legen. Das schmerzt. Sehr.

 Bestohlen um kleine Momente voller Magie

 „Da sind einfach viele Momente voller Magie, die wir verpassen.“ So lange hat sich Antonia Jung mit ihrer Mutter zusammen ausgemalt, wie es sein wird, die kleinen Füßchen zu streicheln, das Gewicht des Kleinen zu spüren, das Glück zu teilen. Und jetzt? Alles ist anders. Corona liegt über allem. „Natürlich haben wir uns damit abgefunden, aber es tut jedes Mal aufs Neue weh.“ Auch die Nähe zur engsten Freundin fehlt, dazu die praktischen Tipps, die durch die Glasscheibe oder übers Videotelefon nicht so leicht zu geben sind.

 

Um ein kleines bisschen dieser besonderen Zeit mit den Eltern und Freunden zu teilen, hat die Familie aus ihrem Balkon einen Besuchsraum gebastelt. Die Scheiben tragen einen kleinen Rahmen aus Kreidestiften, durch den hindurch Familie und Freunde den kleinen Jonne betrachten können. Und sie kommen regelmäßig und betrachten von Ferne, wie sich der Jüngste der Familie entwickelt. „Das ist schon sehr emotional gerade“, erzählt Antonia Jung. So lange habe man sich auf eben diese Zeit gefreut. Jetzt, wo sie da sei, könne man sie kaum mit anderen teilen. Der einzige Kontakt zur Welt außerhalb der Babyblase besteht aus der Hebamme.

Schutz während der Betreuung geht vor

 Annette Hauck ist eine der Hebammen, die ihre Frauen auch weiterhin mit Hausbesuchen betreut. „Das geht, weil ich mich schon bevor das Virus in Deutschland angekommen ist, mit Schutzausrüstung eingedeckt habe“, erklärt sie. Dazu kamen viele liebe und großzügige Spenden von ehemaligen Patientinnen. Professionelle Corona-Sets hält sie außerdem bereit, falls eine der von ihr betreuten Frauen in Verdacht steht, die Infektion in sich zu tragen. Grundsätzlich würde sie in einem solchen Fall den persönlichen Kontakt zwar vorläufig meiden. Da aber trotzdem ein Besuch beim Neugeborenen nötig sein kann, braucht’s dann auch für die Hebamme Sicherheit. Auch damit sie das Virus nicht an andere Patientinnen oder im privaten Umfeld weitergibt. Klar ist auch: Besucht sie eine Patientin, tragen beide einen Mund-Nasen-Schutz, um gegenseitig auf einander achtzugeben.

 

„Wer mich kennt, weiß, wie gerne ich meine Frauen zum Trösten in den Arm nehme.“ Das geht nun nicht mehr. Abstand ist das Gebot der Stunde. Vieles, was sonst über eine warme Umarmung lief, muss jetzt in Worte gefasst werden. Hausbesuche müssen so kurz wie möglich gehalten werden. Geschwisterkinder und der Vater müssen ins Nachbarzimmer wechseln, um die Zahl der Kontaktpersonen möglichst gering zu halten. Darunter leiden viele Frauen. Aber auch Annette Hauck fehlt der Kontakt, mit den Patientinnen sowie den größeren Geschwisterkindern sehr. Immerhin kennt sie die meisten von früheren Betreuungen. Und so genießt sie es üblicherweise sehr, zu sehen, welch pfiffige Kerlchen aus den Babys von vorgestern geworden sind.

Stattdessen muss sie sich aber hinter einer Maske verstecken und die großen Kleinen lernen: „Wenn Annette kommt, muss ich gehen.“ „Da leide ich echt drunter, das bricht einem das Herz.“ Und nicht selten bekommt sie nach Abschluss der Behandlung Nachrichten von Frauen, die sie vermissen. Der Kontakt zur Außenwelt fehlt dann einfach.

Geburtsvorbereitungskurs und Rückbildungsgymnastik per Skype

Vor Geburt und Nachsorge kommt aber noch etwas anderes. Das richtige Atmen. Das bringt Annette Hauck „ihren Frauen“ inzwischen per Skype-Vorbereitungskurs bei. Weiterhin Kurse anzubieten, das ist ihr wichtig, weiß sie doch, dass die richtige Vorbereitung die Geburt erheblich erleichtern kann. Immerhin ist’s in den Rems-Murr-Kliniken im Gegensatz zu manch anderer Klinik in Deutschland erlaubt, dass eine Person die Schwangere zur Geburt begleitet, so Pressesprecherin Monique Michaelis. Natürlich müssen alle gesund sein. Mit Erkältungen oder Fieber kommt keiner rein in den Kreißsaal. Auch die Abstandsregeln sind nicht verhandelbar. Dennoch: Unter den gegebenen Umständen finden die Geburten genauso statt wie vorher auch. Und so hat auch Hebamme Annette Hauck nur positive Erfahrungsberichte von ihren Frauen gehört. Sobald der Verdacht auf eine Corona-Erkrankung oder eine Erkältung besteht, gelten aber strenge Sicherheitsrichtlinien wie bei anderen Isolationspatienten auch. In dem Fall allerdings sorgten sich die Hebammen vor Ort rührend um die Frauen, weiß Annette Hauck zu berichten.

Endlich. Jonne ist da. Antonia Jung und ihr Partner Christian Klein könnten glücklicher nicht sein. Da will man gleich die ganze Welt umarmen oder zumindest die Familie, seine Freunde. Oder wenigstens die eigene Mutter. Die die frisch gebackene Mama in den Arm nimmt, sich mit ihr freut. Die hält und tröstet und beruhigt. Aber: Es ist alles anders. Es ist Corona-Zeit. Antonia Jung kann das kleine Glück mit flaumigem Haar und zartem Duft ihren Eltern nicht in die Arme legen. Das schmerzt.

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