Schorndorf

Babysitter-Kurs des DRK Rems-Murr: Mehr als nur Windeln wechseln

Babysitter Luisa
Luisa erzählt im Gespräch, warum sie sich auf den Babysitter-Kurs freut. © Alexandra Palmizi

Wie funktioniert der Fliegergriff? Luisa (15) blickt ihre Mutter fragend an. Pia Kröhnert lacht vielsagend. Sie weiß, wovon die Rede ist. Was der Begriff bedeutet, wird Luisa Mitte Februar erfahren – und lernen, wie sie den Fliegergriff anwendet, denn die Schülerin wird einen Babysitter-Kurs des DRK Rems-Murr absolvieren.

Wie sie auf den Babysitter-Kurs gekommen ist? Eine Idee in der Corona-Zeit? Tatsächlich habe sie sich in der Zeit, in der man „nichts machen konnte oder durfte“, viele Gedanken gemacht und sich einige Fragen gestellt: „Wie werde ich selbstständiger?“, war eine davon. Eine weitere: „Wie kann ich Geld verdienen mit etwas, was ich gerne mache?“ Ihr Freundeskreis würde teilweise in der Gastronomie jobben. „Das ist aber nichts für mich“, sagt die 15-Jährige. Und auch Mama Pia Kröhnert findet, dass Luisa für solch einen Job noch etwas zu jung wäre, auch im Hinblick auf die dann festgelegten Arbeitszeiten.

Mit dem Kind ein Team bilden

In der größten Welle der Pandemie habe sie so wie viele andere Schüler auch die sozialen Kontakte sehr vermisst: „Ich lebe in einem Dorf – für mich sind Kontakte sehr, sehr wichtig“, gibt Luisa zu. Familie Kröhnert wohnt in Adelberg. Die Schülerin besucht die elfte Klasse des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums in Göppingen und ist sportlich sehr aktiv: Bei der SG Schorndorf war sie im Geräteturnen, oft ist sie zum Schwimmen im Oskar-Frech-Seebad, sie spielt Handball und tanzt gerne. „Ich bin eine Teamplayerin und gerne mit Leuten zusammen – das war im Lockdown alles nicht möglich.“ Teamplayer? – Wie passt da der Wunsch, Babysitter zu werden? Luisa lacht: „Da bin ich mit dem Kind ein Team.“ Mit Kindern könne sie gut umgehen. Ein klein wenig Erfahrung bringt die 15-Jährige mit – hat sie doch zwei Geschwister im Alter von zehn und zwölf Jahren.

Natürlich habe sie oft auf die „Kleinen“ aufgepasst oder mal gekocht: „Aber gewickelt habe ich sie beispielsweise nie.“ Viel habe sie von ihrer Mutter gelernt und sich einiges bei ihr abgeguckt. Als Vorbild wolle sie für die Jüngeren gelten, „nicht nur, weil sie die größere Schwester ist“.

Was Luisa in dem Kurs des DRK Rems-Murr erwartet, erläutert die ehrenamtliche Gruppenleiterin Claudia Schietinger. Wie wird ein Baby richtig gewickelt? Was mache ich, wenn das Kind nicht einschlafen will? Was ist, wenn Kleinkinder Fieber haben? Fragen über Fragen, die sich junge Babysitter stellen müssen. In der Regel bietet das DRK Rems-Murr (seit 2008) zwei Kurse im Jahr an. Einmal im Frühjahr (Februar) im Raum Waiblingen und einen im Herbst im Raum Backnang.

Am Ende des zweitägigen Kurses erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat. „Mit diesem Zertifikat kann man sich beispielsweise als Au-Pair bewerben. Eltern wissen mittlerweile, dass es solch ein Schriftstück gibt, und verlangen das manchmal“, erzählt Schietinger. Als Au-Pair eingesetzt zu werden, auch das kann sich Luisa vorstellen: „Am liebsten wäre mir England.“ Dass da ein Zertifikat, ein „offizielles Dokument“, hilfreich sein könnte, ahnt die Schülerin. Schietinger: „Eltern sind mehr denn je darauf bedacht, wem sie ihr Kind anvertrauen.“ So habe ihr Jugendreferentin Heidrun Hellmuth beispielsweise erzählt, dass manche Familien sogar ein polizeiliches Führungszeugnis sehen möchten.

Entwicklungsstufen des Babys lernen und Brei kochen

Was lernen die Teilnehmer? Der Kurs besteht aus einem Erste-Hilfe-Kurs am Kind. Auch das Anlegen von „Mini-Verbänden“, sollte sich der oder die Kleine mal verletzen, wird geübt. Zudem gibt es auch Hilfestellung für „Beschäftigungen mit den Kindern der verschiedenen Altersgruppen“. Und gelernt werden auch die Entwicklungsstufen eines Kleinkindes – also beispielsweise, in welchem Alter dreht sich das Kind auf den Rücken oder wann fängt das Baby an zu krabbeln.

Im praktischen Teil – mit der Puppe – wird dann der sogenannte Fliegergriff einstudiert, wie man ein Baby aus dem Bett nimmt und welche Streicheleinheiten dem Kind guttun. Ebenso werde Brei gekocht und auch probiert. Meist seien es Mädchen, die an den Kursen teilnehmen. Ab 14 Jahren ist die Teilnahme möglich. Auch „ältere Damen“ sind laut Schietinger mitunter dabei: „Es sind Ausnahmen – aber die gibt es. Wenn man zum Beispiel Oma wird und im Umgang mit dem Baby sicherer werden möchte.“

Nach diesem Kurs Mitte Februar wird Luisa wissen, wie sie wickelt, Essen zubereitet, massiert, füttert, Kinder betreut und sie dabei sinnvoll beschäftigt. Auch wenn das Baby mal schreien oder unruhig schlafen sollte, wird sie nach dem zweitägigen Kurs die Situation einschätzen können. „Für mich, die Psychologie als Leistungsfach hat, wird es auch spannend werden, das Verhalten des Kindes zu beobachten.“

Claudia Schietinger und ihre Kolleginnen vermitteln im Kurs zudem, welche Entwicklungsschritte Babys und Kinder durchlaufen, was diese mit ein, zwei oder vier Jahren können und eben auch nicht beherrschen – und was die Babysitter ihnen beibringen könnten. Meist halte noch ein Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin einen Vortrag zu rechtlichen Dingen ab. Sollte dies aufgrund der Corona-Lage nicht möglich sein, gebe es aber auf jeden Fall Infos dazu.

Wenn Luisa den Babysitter-Kurs erfolgreich abgeschlossen und das Zertifikat erhalten hat, hofft sie, bald aktiv werden zu können: „Für den Einstieg wäre es sicher gut, nicht gleich auf ein Baby aufzupassen. Da habe ich großen Respekt davor. Mit einem Kleinkind wäre es eventuell für den Anfang besser, weil es sich mitteilen kann.“ Wichtig ist Luisa, dass sie Vertrauen und einen guten Draht aufbauen kann: „Solche Kinderfreundschaften sind was Tolles.“

Vielleicht hat auch Mama Pia noch den einen oder anderen Tipp für ihre Tochter, denn auch sie hat in ihrer Jugend als Babysitterin gearbeitet: „Ich fand das immer toll. Und es hat tatsächlich viel mit der eigenen Entwicklung zu tun. Man lernt, Verantwortung zu übernehmen. Und man ist auch nur einige Stunden beschäftigt und nicht wie zum Beispiel in der Gastronomie zu festen und längeren Zeiten.“

Wie der erste Kontakt mit den Eltern ablaufen soll? Luisa hat eine Vorstellung: „Wichtig ist ein gegenseitiges Kennenlernen.“ Ob sie die Corona-Zeit als schwierig erachtet, da einen Babysitter-Job zu erhalten? „Eigentlich nicht. Denn die Eltern, die mal wieder ausgehen wollen, wissen ja, worauf sie sich einlassen. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass man miteinander redet und ich dann das Zertifikat zeigen kann – und in diesen Zeiten auch sagen kann, dass ich geimpft bin.“

Ob sich ihre berufliche Zukunft auch um Kinder drehen soll? Vorstellen könne sie sich das schon, gibt Luisa zu, schließlich sei der Papa Lehrer, und das Lernen mit und von Kindern habe sie schon immer irgendwie „fasziniert und gereizt“. „Ich habe schon oft überlegt, ob ich in Richtung Lehramt gehen soll. Aber ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht ganz genau, ich bin im Moment noch für alles offen.“ Ein besonderes Ziel hat die 15-Jährige aber jetzt schon: „Mein Wunsch ist es, dass die Kinder, auf die ich dann mal aufgepasst habe, mich wieder als Babysitter möchten und sagen: Oh toll! Heute Abend kommt Luisa wieder.“

Wie funktioniert der Fliegergriff? Luisa (15) blickt ihre Mutter fragend an. Pia Kröhnert lacht vielsagend. Sie weiß, wovon die Rede ist. Was der Begriff bedeutet, wird Luisa Mitte Februar erfahren – und lernen, wie sie den Fliegergriff anwendet, denn die Schülerin wird einen Babysitter-Kurs des DRK Rems-Murr absolvieren.

Wie sie auf den Babysitter-Kurs gekommen ist? Eine Idee in der Corona-Zeit? Tatsächlich habe sie sich in der Zeit, in der man „nichts machen konnte oder durfte“,

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