Schorndorf

Bahn will es mal wieder besser machen

1/2
b7cb146b-9998-45d7-8b44-8a114dc50ae8.jpg_0
Krisengipfel im Schorndorfer Rathaus: Vertreter der Politik (links Bürgermeister, Gemeinderäte und Landrat Richard Sigel) kontra Sprecher der Bahn und des Verkehrsministeriums. © Habermann / ZVW
2/2
186bc19b-e66c-4c4d-ad6c-533402252284.jpg_1
Mit den Doppelstockwagen sollte alles besser werden – aber es wurde schlimmer denn je mit Ausfällen und Verspätungen. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Mal wieder soll jetzt alles besser werden auf der Remsschiene. Wenn man die Vertreter der Bahn AG und des Verkehrsministeriums hört, dann war letzte Woche schon wieder alles gut: genügend Platz im Regionalzug, eine Pünktlichkeit von 93 Prozent. Reicht es also, so einfach weiterzumachen? Entschiedene Gegenrede von Bürgermeistern und Gemeinderäten.

Wie geht das? Wie sich mit der Bahn und dem Verkehrsministerium verständigen für eine bessere Zukunft der Remsschiene, wenn schon das Zahlenmaterial angezweifelt werden muss? Am Montag traf man sich mal wieder zum Krisengipfel im Schorndorfer Rathaus. Der Vertreter des Verkehrsministeriums Karsten Klapheck hatte den Mut zu behaupten, es gebe gar nicht zu wenig Sitzplätze. Die Kapazität beim Regionalzug stimme. Rein rechnerisch. Es sei nur ein Qualitätsproblem. Die Bahn AG sei’s eben, die mit der Umstellung auf die Doppelstockwagen die zugesagte Anzahl an Wagen nicht halten kann.

Ungläubiges Staunen in der Krisengipfelrunde bei den Bürgermeistern und den Vertreter der Gemeinderäte. Sie erleben es ganz anders. Stellvertretend Andreas Schaffer, Bürgermeister von Plüderhausen: „Wir müssen unsere Bürger schützen. Wir leben hier in einer High-Tech-Region, das kann es nicht sein.“ Und sein Kollege Jörg Hetzinger, BM von Urbach, brachte allen Ernstes den Vorschlag ein, wieder zurück zu den alten Silberlingen zu gehen. Dann gäbe es wenigstens genug rollendes Material.

Klopfer: „Sind alle Fahrgäste zu blöd, freie Sitzplätze zu finden?“

Das Verkehrsministerium macht die Vorgaben, es steht auch in der Pflicht, die Einhaltung nachzuprüfen. Jetzt überraschte Karsten Klapheck aus der Hermann-Behörde, seit der Umstellung auf Doppelstockwagen habe selbst der am meisten belastete Zug nur 480 Fahrgäste befördert. Mehr habe es nicht gegeben. Das sei so gemessen worden. Es liege an den Doppelstockwagen. Viele Fahrgäste würden nicht realisieren, dass es oben noch freie Sitzplätze gebe. Der Schorndorfer OB Matthias Klopfer, der gern zur Ironie greift, steigerte sich in den Sarkasmus. Die Pendler, die sehr viel Geld zahlen für ihre Jahreskarten, „sind also zu blöd, freie Sitzplätze zu finden“.

Wie denn gemessen wird, können Sie in der Dienstagsausgabe oder im ePaper lesen.

Seit letzter Woche sind Züge pünktlicher

Bahn und Verkehrsministerium beteuern, die Bedienung auf der Remsstrecke sei jetzt zufriedenstellend. Seit letzter Woche. Man habe das Zugkonzept so umgestellt, dass jetzt nur noch rollendes Material zusammengespannt wird, das auch zusammenpasst. So sei’s auch zu dem sagenhaften Pünktlichkeitssprung auf 93 Prozent gekommen. Abzüglich von zwei Totalaussfällen, aber da sei menschliches Unvermögen im Spiel gewesen.

Angenommen, es bleibt so, dann kommt die Bahn wohl wieder an die Bedienqualität in Zeiten der alten Silberlinge heran. Noch nicht gelöst ist, wenn es im Sommer wieder richtig heiß wird. Viele Doppelstockwagen haben keine Klimaanlage.

Überhaupt werde alles besser, beschrieb der Ministeriumssprecher eine Vision. Expresszüge fahren auf der Rems-Bahn im Takt und bedienen auch Schorndorf. Der generelle Halbstundentakt für den Ruckel-Regionalzug ist Beschluss. Da gab sich der Schorndorfer OB für einen Moment zufrieden. Ja, man wolle auch die Verbesserungen sehen.