Schorndorf

Bald nur noch Automaten: Volksbank Weiler schließt

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Mitte Februar schließt die Filiale der Volksbank-Weiler und wird zu einem Selbstbedienungscenter. © ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Der 14. Februar wird für den einen oder anderen Weilermer ein trauriger Tag werden. Die Kunden der Volksbank vor Ort werden sich von ihrer Filiale in der bisherigen Form trennen müssen. In Zukunft gibt es dort keine Ansprechpartner mehr, sondern nur noch Automaten, etwa zum Geldabheben und um Kontoauszüge auszudrucken. Ortsvorsteher Klaus Beck sieht die Entscheidung der Bank kritisch, und fordert sie zu einem ungewöhnlichen Weg auf.

„Das Bedauern im Ort ist groß“, sagt Ortsvorsteher Klaus Beck über die Umwandlung des Standortes in eine Selbstbedienungs-Filiale. Der Ortsvorsteher glaubt, dass viele den Weggang erst merken werden, wenn es schon zu spät ist, ähnlich wie beim Lehrschwimmbecken in Haubersbronn. Dort kam der große Protest erst, als das Wasser bereits abgelassen war. Klaus Beck findet den Wegfall der Filiale mit Beratung grundsätzlich falsch, er gibt zu bedenken: „Wir sind eine wachsende Gemeinde.“ Aus wirtschaftlicher Sicht könne er das Vorgehen aber nachvollziehen.

Woanders gehen Volksbank und Sparkasse ganz neue Wege

In Bad Soden, eine Stadt in der Nähe von Frankfurt, gehen die Frankfurter Volksbank und die Taunus-Sparkasse seit kurzem einen neuen Weg: Die Banken haben dort gemeinsame Filialen und Selbstbedienungsschalter eröffnet. Sie sprechen von einem einzigartigen Konzept. Bis Ende dieses Jahres sollen 26 sogenannte Finanz-Punkt-Filialen eröffnen. Man wolle mit dem Modell eine zeitgemäße Antwort auf das veränderte Kundenverhalten geben, erklärt die Taunus-Sparkasse in einer Pressemitteilung. Jeweils an zwei Tagen finden dort Beratungen der Volksbank beziehungsweise der Sparkasse statt. Anhand eines entsprechenden Lichtkonzeptes könnten die Kunden erkennen, welche Bank an jeweiligen Tag geöffnet hat.

Eine solche Zusammenlegung schlug auch der Weilermer Ortsvorsteher Klaus Beck vor, als die Volksbank ihr Vorhaben Ende Oktober bekanntgab. Beck traf sich Anfang Dezember mit Vertretern der Bank, doch die hätten seinen Vorschlag „kategorisch abgelehnt“, erzählt Beck.

Keine Entlassungen im Zuge der Schließung

Bei den Selbstbedienungscentern habe es eine solche Zusammenarbeit auch bei ihnen schon gegeben, erklärt Volksbank-Pressesprecher Matthias Layher. Doch ein Vorgehen wie im Taunus findet er trotzdem falsch: „Eine flächige Zusammenlegung von Filialnetzen ist aber genauso wenig realistisch wie die Zusammenlegung von BMW- und Mercedes-Vertragswerkstätten mit unterschiedlichen Fahrzeugmodellen und Wartungsprozessen.“

Doch Entlassungen werde es in diesem Zuge nicht geben, teilt der Pressesprecher mit. Die Bank habe ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern andere Standorte zum Arbeiten angeboten. Pressesprecher Layher verweist auf die wirtschaftliche Lage, schließlich sei die Entwicklung auch bei der Post und anderen Dienstleistern zu sehen. Er betont: „Letztendlich haben unsere Kundinnen und Kunden ein Interesse an stabilen Kontopreisen durch wirtschaftlich nachhaltiges Handeln.“ Schließlich habe die Bank über 175 000 Kundinnen und Kunden, die genossenschaftliche Mitglieder und damit Teilhaber der Bank seien.

Was mit den Bankräumen, die im Eigentum der Volksbank sind, passiert, ist noch unklar. Layher teilt aber mit, dass es bereits eine rege Nachfrage von Interessenten für die Räume gebe. Doch für einen Mieter habe sich die Bank noch nicht entschieden.

Bleiben die Geldautomaten in Weiler?

Nachdem die Volksbank angekündigt hat, die Filialen inklusive ihrer Automaten in Schnait, Beinstein und Birkmannsweiler komplett schließen zu wollen, stellt sich die Frage, ob wenigstens die Geldautomaten in Weiler den Bürgern für die nächsten Jahre sicher bleiben. Doch auf die Frage antwortet die Bank lediglich, dass sowohl die Filialen als auch die Selbstbedienungsstandorte von dem Nutzverhalten der Kunden abhängig seien. Eine Zusicherung für die Automaten will Pressesprecher Layher offenbar nicht geben.

Kunden bedauern die Schließung

Eine kurze Umfrage vor der Volksbank im Ort bestätigt: Besonders die älteren Kunden bedauern, dass es in Weiler bald keinen Ansprechpartner mehr geben wird. „Ich habe Schwierigkeiten mit dem Ausfüllen von Formularen“, sagt die 77-jährige Heide Kreiss aus Weiler, die früher selbst bei der Volksbank gearbeitet hat. Sie bedauert die Entscheidung der Bank. In Zukunft will sie mit der S-Bahn zur Filiale in die Schorndorfer Innenstadt fahren. Doch das gehe eben nur so lange, wie sie körperlich dazu in der Lage ist. „Für die älteren Leute ist es schade“, sagt die Dame.

Auch die 21-jährige Luisa Czech aus Weiler findet es schade, dass jetzt vor Ort keiner mehr helfen kann. „Auch wenn ich fast alle Bankgeschäfte selbst mache, war es hilfreich, einen Ansprechpartner zu haben, falls etwas unklar war“, meint sie.

Eine 53-Jährige aus Weiler, die ihren Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen will, erzählt, die Schließung der Filiale sei derzeit das Gesprächsthema in Weiler. Vor allem die älteren Menschen sähen die Entwicklung kritisch. „Die halten das für eine Rückentwicklung“, sagt die Frau. Sie bedauert auch selbst, in Zukunft nicht mehr zu Fuß zu einem Beratungstermin zur Bank laufen zu können.

Auch die 43-jährige Simone Lülfing schließt sich an. Zwar seien Menschen ihres Alters nicht so dringend darauf angewiesen, aber für die älteren Menschen im Ort sei es schade, meint sie. Auch sie habe vor Ort bei Problemen persönlich nachgefragt. „Zumindest wäre es eine Hilfe, wenn die Bank auch nur an ein, zwei Tagen offen hätte“, meint sie.

Nicht nur aus der Volksbank-Filiale in Schorndorf-Weiler wird ein Selbstbedienungscenter. Auch in Hohenacker, Strümpfelbach und Nellmersbach müssen sich die Kundinnen und Kunden im Rems-Murr-Kreis umstellen.

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Der 14. Februar wird für den einen oder anderen Weilermer ein trauriger Tag werden. Die Kunden der Volksbank vor Ort werden sich von ihrer Filiale in der bisherigen Form trennen müssen. In Zukunft gibt es dort keine Ansprechpartner mehr, sondern nur noch Automaten, etwa zum Geldabheben und um Kontoauszüge auszudrucken. Ortsvorsteher Klaus Beck sieht die Entscheidung der Bank kritisch, und fordert sie zu einem ungewöhnlichen Weg

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