Schorndorf

Barrierefreiheit in Schorndorf: Wo in der Stadt werden Stellen umgebaut?

Barrierefreies Schorndorf
Das alte Kopfsteinpflaster in der Fußgängerzone hat zwar seinen Charme, stellt für viele Menschen aber ein riesiges Hindernis dar und soll deshalb ersetzt werden. © ALEXANDRA PALMIZI

Im Zuge des Aktionsplans „Schorndorf Inklusiv“ hat sich die Stadtverwaltung zum Ziel gesetzt, die Stadt barrierefrei zu machen. Um die größten Barrieren in Schorndorf ausfindig zu machen, hat die Stadtverwaltung Bürgerinnen und Bürger bei einer Postkarten-Aktion nach den größten Barrieren für Menschen mit Behinderung befragt. Die eingereichten Vorschläge wurden nun von der Fachstelle Inklusion und dem Fachbereich Infrastruktur priorisiert, vorgestellt und in einer lebendigen Runde diskutiert.

Längst nicht alle Bushaltestellen sind barrierefrei gestaltet

Vorgestellt wurden die Ergebnisse der Bürgerbefragung via Postkarte von Lillemohr Nähr und Lena Rosteck, die sich im Rathaus federführend mit dem Thema Inklusion beschäftigen. Auch mit von der Partie war Daniela Mahn aus dem Fachbereich Infrastruktur. Zunächst stellten die Verwaltungsangestellten die Stellen in der Stadt vor, die in Zukunft durch bauliche Maßnahmen barrierefrei werden sollen.

Da wären zum einen die rund 130 Bushaltestellen in Schorndorf. Das Ziel war laut Daniela Mahn, alle Haltestellen bis 2021 barrierefrei umzugestalten. „Leider haben wir das nicht erreicht.“ Die wichtigsten Haltestellen wie die am Krankenhaus oder am Alten Friedhof seien aber, mit Ausnahme des Bahnhofsbereichs, barrierefrei gestaltet. Doch wodurch zeichnet sich eine für alle zugängliche Haltestelle aus? Vor allem durch einen höheren Bordstein an den Einstiegsstellen, damit jeder den Bus ebenerdig betreten kann. Ebenso benötigt sie ein Leitsystem, meist sind das weiße „Rillen“ auf dem Boden, für Menschen mit Sehbehinderung.

Wo sich viele Rollstuhlfahrer, aber auch anders eingeschränkte Leute schwertun, sind Straßenübergänge. Die Bürgerinnen und Bürger haben die Verwaltung auf gleich mehrere kritische Stellen aufmerksam gemacht. Beispielsweise an der Kreuzung Schiller- und Sonnenstraße sollen flachere Bordsteine eingesetzt und Autoparkplätze abgeschafft werden. Ebenso davon betroffen sind die Ecken Gmünder Straße/Hohenstaufenstraße und Gmünder Straße/Schertlinstraße. Die Bordsteine dort sollen noch im laufenden Jahr entsprechend abgesenkt werden. Dasselbe gilt für den Zebrastreifen in der Welzheimer-Wald-Straße.

Ein weiterer heikler Punkt sind sogenannte „getrennte Überquerungsstellen“, also Straßenübergänge mit einer Verkehrsinsel auf halber Strecke. Diese müssen, damit sie Rollstuhl- und Rollatorfahrer problemlos überqueren können, eine gleich flache Bordhöhe haben. Diese Maßnahmen wurden laut Stadtverwaltung zum Beispiel schon in der Waiblinger Straße, konkret am Fußgängerübergang von der Erlensiedlung in Richtung Aldi, umgesetzt.

Kopfsteinpflaster stellt für viele das größte Problem dar

Was bei Vorstellungen der Barrieren und Maßnahmen allerdings für die größte Diskussion sorgte, waren die Pflastersteine in der Innenstadt: „Als Rollstuhlfahrer muss man in der Innenstadt immer Umwege in Kauf nehmen“, betonte ein Mann aus dem Publikum und erhielt dafür Zuspruch von seinen Nebensitzern. Denn klassisches Kopfsteinpflaster macht durch seine unregelmäßigen Abstände und Höhen Rollstuhl- und Rollatorfahrern das Leben ebenso schwer wie eingeschränkten Fußgängern. Deshalb hat die Stadt in den vergangenen Jahren in der Höll- und Hetzelgasse die Kopfsteinpflaster durch Granitpflaster ersetzt. Aktuell passiert dies auch am Durchgang von der Stadtkirche zum Martin-Luther-Haus.

Allerdings macht eine Bürgerin darauf aufmerksam, dass diese glatten Granitsteine bei Nässe extrem rutschig und für Menschen mit Krücken nicht zu bewältigen seien. Lena Rosteck versichert, dass die Stadt dies auf dem Zettel hat.

Vom Kopfsteinpflaster befreien will die Stadt die Johann-Philipp-Palm-Straße, die Gottlieb-Daimler-Straße sowie den Oberen Marktplatz. „Für diesen Bereich wird es voraussichtlich einen Teilnahmewettbewerb für Architekten geben. Hier wird auf alle Belange der Radfahrer, Menschen mit Gehbehinderung in Gestaltung der Fläche und des Oberflächenbelags eingegangen“ , erklärt Daniela Mahn.

Ständig verbessern will die Verwaltung außerdem die Fußgängerampeln, indem sie zum Beispiel hörbare Signale für sehbehinderte Menschen dort einbauen lässt. Auf Anregung der Bürgerinnen und Bürger könnten außerdem die „Grünzeiten“ an manchen Fußgängerampeln verlängert werden. „Man fühlt sich mit Einschränkung extrem unter Druck gesetzt, wenn die Ampel sofort auf Rot springt“, erklärt eine Dame aus dem Publikum. Außerdem soll das Blindenleitsystem rund um das Künkelinrathaus verbessert werden. Die Bushaltestellen, die noch nicht barrierefrei sind, sollen nach und nach barrierefrei werden. Allerdings sind die Fachbereiche dabei auch immer an den Haushalt der Stadt gebunden, weshalb dies erst sukzessive passieren kann, erklärt Daniela Mahn.

Im Zuge des Aktionsplans „Schorndorf Inklusiv“ hat sich die Stadtverwaltung zum Ziel gesetzt, die Stadt barrierefrei zu machen. Um die größten Barrieren in Schorndorf ausfindig zu machen, hat die Stadtverwaltung Bürgerinnen und Bürger bei einer Postkarten-Aktion nach den größten Barrieren für Menschen mit Behinderung befragt. Die eingereichten Vorschläge wurden nun von der Fachstelle Inklusion und dem Fachbereich Infrastruktur priorisiert, vorgestellt und in einer lebendigen Runde

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