Schorndorf

Bauarbeiten in Remshalden werden deutlich teurer

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Hier, zwischen Grunbach und Geradstetten, soll für die Remstal-Gartenschau ein Bürgerpark entstehen. © Ramona Adolf

Remshalden. Lange Zeit hat sich in Remshalden in Sachen Remstal-Gartenschau scheinbar nicht mehr viel getan. Doch im Hintergrund liefen die Planungen. Sichtbar wird die Gartenschau im geplanten Park beim Weltgarten in den kommenden Wochen, wenn die Landschaftsbauarbeiten beginnen. Diese drohen mehr als 100 000 Euro teurer zu werden als geplant.

Noch etwas dauern wird es mit dem Baubeginn am Zehntbach, dem schmalen Gewässerlauf, der zwischen Grunbach und Geradstetten auch das Gartenschau-Gelände kreuzt. Für die geplante Renaturierung des Bachs hat die Gemeinde immer noch keine Genehmigung, obwohl die Planung dafür schon bald ein Jahr dauert. Kürzlich berichtete Bauamtsleiter Dieter Schienmann im Gemeinderat, dass das Landratsamt nun noch eine zusätzliche Berechnung fordert, um die Auswirkungen der Zehntbach-Renaturierung auf ein mögliches Hochwasser nachzuweisen, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt (HQ100 oder hunderjähriges Hochwasser).

Heißt das, dass zur Gartenschau, die im Mai 2019 beginnt, noch eine Baustelle mitten im Bürgerpark sein wird? Nicht unbedingt. Dieter Schienmann hat derzeit noch Hoffnung, „dass wir das dieses Jahr noch hinkriegen“. Die Baumaßnahme selbst sei schnell umgesetzt. Leider könne er aber die weitere Dauer des Genehmigungsverfahrens nicht einschätzen. „Für mich ist diese Hochwassergesetzgebung an manchen Stellen weit über das Ziel hinausgeschossen“, so der Bauamtsleiter. Das Problem sieht er nicht beim Landratsamt, das die Gesetzgebung bei der Gemeinde nicht anders auslegen könne als bei jedem privaten Bauherren, nur weil eine Gartenschau anstehe.

Über 100 000 Euro mehr als geplant

Die Renaturierung des Zehntbachs ist genaugenommen kein Gartenschau-Projekt. Die Maßnahme hat die Gemeinde geplant, um Ökopunkte für die Erschließung des Gewerbegebiets Breitwiesen zu sammeln. Doch als schönes Bonbon auf dem Gartenschaukuchen hätte Remshalden den renaturierten Bach gerne gehabt. Daraus wird, ähnlich wie in Winterbach mit der Rems-Renaturierung, nun allenfalls eine baulich fertig umgestaltete, aber kaum wieder bewachsene Wasserlandschaft.

Auch in Sachen Kosten hatte der Gemeinderat kürzlich eine unerfreuliche Nachricht zu verarbeiten: 18 Prozent Steigerung bei den Landschaftsbauarbeiten für das Gartenschaugelände. Das heißt: Statt wie geplant 608 000 Euro werden diese voraussichtlich 717 000 Euro kosten. Das will der günstigste von insgesamt drei Bietern auf die Ausschreibung der Arbeiten.

Kostensteigerung: „Mit blauem Auge davon gekommen“

Der Gemeinderat winkte die Vergabe an die Firma Benignus aus Backnang trotz Kostensteigerung einstimmig durch. Wohl aus der Einsicht heraus, die Dieter Schienmann ausdrückte, dass ein besseres Ergebnis kaum zu erwarten war. Der Bauamtsleiter meinte, man sei „noch mit einem blauen Auge davongekommen“, wenn man sehe, welche Kostensteigerungen andere Gemeinden „das Remstal rauf und runter“ gerade zu verkraften hätten. Den Grund für die hohen Preise sieht die Verwaltung durch die hohe Auslastung bei den Landschaftsbau-Unternehmen, auch bedingt durch die Vielzahl der Gartenschau-Projekte, die im ganzen Remstal jetzt beauftragt werden.

Zu den Landschaftsbauarbeiten in Remshalden gehören unter anderem die Modellierung des Gartenschaugeländes, der Rosengarten und die dazugehörige Stützmauer samt Bepflanzung, die Anlegung eines Schotterrasens mit Baumpflanzungen und der Aufbau des geplanten Fitnessparcours sowie im Schwerpunkt die Erweiterung und der Aufbau des Spielplatzes zwischen Kelter und Weltgarten.

Die Gemeindeverwaltung geht von einer Fertigstellung bis spätestens März 2019 aus. Im Vertrag mit dem Landschaftsbau-Unternehmen ist jedoch eine verbindliche „Zwischenfrist“ für die Anpflanzungen bis Oktober 2018 festgelegt, damit die Pflanzen Zeit haben, anzuwachsen.

Rosengarten wurde vom Bürger- zum Gemeindeprojekt

Zu lange gedauert haben die bisherigen Vorbereitungen der Gruppe, die den Rosengarten auf dem Gartenschaugelände geplant hat. Die Idee kam aus der Bürgerschaft und die Bürger wollten sie auch ehrenamtlich umsetzen. Als klargeworden sei, dass der Bau der Weinbergmauer, die den Rosengarten abstützen soll, 2017 nicht mehr kommt, habe sich die Gruppe leider von ihrem Vorhaben verabschiedet, den Rosengarten anzulegen, berichtet Gartenschau-Projektleiterin Malin Baumgärtner. Die Gemeinde setzt das Vorhaben nun stattdessen selbst um. Der Grund für die Verzögerungen seien die Zauneidechsen gewesen, die vor Ort gefunden worden seien, so Baumgärtner. Diese mussten umgesiedelt werden, bevor irgendwelche Baumaßnahmen möglich waren. Wann geht es jetzt mit den Arbeiten im Gartenschaugelände los? Das stimmt die Gemeinde derzeit noch mit der Landschaftsbaufirma ab. Ein Spatenstich ist noch im Juni geplant.


Remshaldener Gartenschau-Projekte

Getragen wird das Angebot zur Gartenschau in Remshalden wie auch anderswo zu einem guten Teil von Ideen und Engagement von Bürgern und Vereinen. Einige Beispiele: Die Weingärtnergenossenschaft hat mit Hilfe von ehrenamtlichen Helfern einen Schauweinberg mit rund 400 Rebstöcken gepflanzt. Die Kirchengemeinden arbeiten an einem „Entdeckerweg“, einer Mischung aus Kunst- und Erlebnispfad und Besinnungsweg. Mitglieder des Kunstvereins haben Kunstwürfel als Sitzgelegenheiten gestaltet. Eine Gruppe von Senioren und Jugendlichen hat sich die Gestaltung eines Fitness-parcours für Jung und Alt überlegt. Und auch der Weltgarten des BUND ist Teil der Gartenschau.

Dazu kommen weitere Projekte: Der vorhandene Spielplatz am Gartenschaugelände wird auf rund 2000 Quadratmeter Fläche ausgebaut und als Wasserspielplatz völlig neu gestaltet.

Über dem Rosengarten, der noch gepflanzt wird, thront zur Gartenschau der Rosenpavillon, den das Architekturbüro Schulz und Schulz aus Leipzig als Remshaldener Gartenschau-Station („Weiße Häuser“) gestaltet hat.

An fünf exponierten Stellen in allen Ortsteilen werden Landschaftsrahmen aufgestellt, mit Infotexten, die sich auf Standorte und Ausblicke beziehen. Der Aussichtspunkt Steinfelsen bei Grunbach soll aufgewertet und ertüchtigt werden.

Außerdem gibt es drei kommunale Rundwanderwege: den erneuerten geologischen Pfad von Grunbach nach Buoch und den erneuerten Naturlehrpfad bei Rohrbronn sowie ganz neu einen Panoramweg oberhalb des Gartenschauparks.

Insgesamt hat die Gemeinde für die Gartenschau ein Budget von 1,25 Millionen Euro eingeplant.

Ausführliche Projektbeschreibungen gibt es unter www.remstal.de.