Schorndorf

Baubeschluss für sechs Kiga-Gruppen und zwei Hallen

1/2
05bc9d74-211c-4ebd-b114-8592f397d4cc.jpg_0
Sportpark2 © VLP
2/2
a7eb2579-b226-4730-8f08-fd55bd9ecea9.jpg_1
Sportpark1 © VLP

Schorndorf. 6,8 Millionen Euro lässt sich die Stadt den Bau eines sechsgruppigen Bewegungskindergartens und eines Mehrzweckgebäudes mit Bewegungswelt, Gymnastikwelt und Umkleidebereich für das Stadion im Sportpark Rems kosten. Zu viel für einige CDU-Stadträte, denen die Kosten von knapp 35 000 Euro pro Betreuungsplatz als zu hoch erschienen und die den Baubeschluss deshalb nicht mittrugen.

Letzteres gilt im Übrigen auch für Grünen-Stadträtin Andrea Sieber, wenn auch aus anderen Gründen: Sie ist der Meinung, dass die Konzentration von sechs Gruppen auf eine Einrichtung das falsche pädagogische Konzept ist. Diese Einschätzung teilt Grünen-Fraktionschef Werner Neher zunächst einmal nicht. Er hoffe, dass sich diese Dichte durch die Weite und die angrenzenden Angebote des Sportparks reguliere und relativiere, sagte Neher.

Konzept von offen in Richtung gruppenzentriert verändert

Nicht mehr als sechs Millionen Euro: Das war die Basis, auf der der Gemeinderat seinerzeit den Grundsatzbeschluss zum Bau des Bewegungskindergartens gefasst hat. Jetzt wertete es Finanzbürgermeister Thorsten Englert als Erfolg, dass die im Verlaufe der Planung – den Realisierungswettbewerb hatte die Arge h4a/bwb architekten aus Stuttgart gewonnen – auf 7,1 Millionen gestiegenen Kosten auf 6,8 Millionen gedrückt worden sind. Und zwar, wie Englert betonte, „ohne Abstriche in der Qualität und in der Funktionalität“, die nach wie vor hochwertig seien. Die im Planungsprozess vorgenommenen Änderungen betreffen räumlich die Verortung aller Umkleide- und Duschräume im Erdgeschoss des Mehrzweckgebäudes und inhaltlich den Wandel von einem offenen zu einem gruppenzentrierten und damit formal geschlossenen pädagogischen Konzept, wie vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) gefordert. Die Kosten von knapp 35 000 Euro pro Betreuungsplatz bezeichnete der Finanzbürgermeister unter Berufung auf Orientierungswerte des KVJS und des Bundesfamilienministeriums als „im Rahmen“.

Kritisch: die Kostenobergrenze wird deutlich überschritten

Was von der CDU-Fraktion bezweifelt wurde. Einige Mitglieder seiner Fraktion sähen es vor dem Hintergrund, was im Betreuungsbereich sonst noch alles zu tun sei in der Stadt, kritisch, dass die einstige Kostenobergrenze von sechs Millionen Euro so deutlich überschritten werde, sagte CDU-Stadtrat Ingo Sombrutzki, der es grundsätzlich richtig findet, dass die Stadt im Bereich Wiesenstraße mit dem Bewegungskindergarten eine Marke setzt – zumal ja mit dem „Sonnenbogen“ auch ein Kindergarten aufgegeben werde. „Da wird das Haar in der Suppe gesucht“, bewertete FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann den Einwand der CDU, den er persönlich überhaupt nicht verstehen könne. Für ihn, so Erdmann, sei dieser Kindergarten „ein Stück weit eine Herzensangelegenheit – und für die Kinder kann man sich nur freuen“.

Was CDU-Stadtrat Manfred Bantel nicht davon abhielt, „ein paar Tropfen in die Euphorie der Sportfreaks zu gießen“. Es gebe auch Zahlen, die bei den Baukosten von Betreuungsplatz von einer Spanne von rund 25 000 bis 37 000 Euro ausgingen, sagte Bantel, der sich seinerseits auf das Baukosteninformationszentrum der Architektenkammer berief und meinte, es sei ja schön, wenn die Stadt den Kindern so einen Luxus gönnen wolle, aber hier werde des Guten zu viel getan. „Wir sollten auch mal wieder einen Kindergarten nach Schema F bauen und nicht immer Architektenwettbewerbe veranstalten“, ergänzte CDU-Fraktionschef Hermann Beutel.

„Der Bewegungskindergarten ist kein Luxusprojekt“

Davon abgesehen, dass die CDU-Fraktion Äpfel mit Birnen vergleiche, weil ein Betreuungsplatz in einer U-3-Gruppe kostenmäßig nicht mit einem Platz in der Ü-3-Gruppe zu vergleichen sei, dürfe nicht vergessen werden, dass zusätzlich zum Kindergarten zwei Sporthallen gebaut würden, die mittelfristig die Turnhallen der Fuchshof- und der Albert-Schweitzer-Schulen ersetzten, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer und machte deutlich: „Der Bewegungskindergarten ist kein Luxusprojekt.“ Aber etwas Besonderes sei er natürlich schon, meinte Finanzbürgermeister Thorsten Englert, der Hermann Beutel mit dem Versprechen entgegenzukommen versuchte, dass dem Gemeinderat demnächst auch mal wieder ein Kindergartenprojekt in Modulbauweise vorgeschlagen werde.

„Das Teuerste ist, keine Angebote für diese Zielgruppe zu haben“, unterstütze Marcel Kühnert im Namen der SPD-Fraktion den von der Verwaltung formulierten Vorschlag für den Baubeschluss mit Kosten in Höhe von 6,8 Millionen Euro. Er freue sich vor allem auch über die Ausrichtung hin zu einem gruppenorientierten Konzept, sagte der SPD-Stadtrat und versicherte, seine Fraktion sei bei diesem Bauvorhaben „mit Herz und Verstand dabei“. Was sich zumindest von drei CDU-Stadträten und von Grünen-Stadträtin Andrea Sieber, die gegen den Baubeschluss stimmten, nicht sagen lässt.