Schorndorf

Bauprojekt in Schorndorf: Gestaltungsbeirat findet Mehrfamilienhäuser zu massiv

Silcherstrasse 47
Vom Gestaltungsbeirat zurückgewiesen: Drei fast identische Gebäude an der Silcherstraße. © siehe Bildtext

Wohnungen sind knapp, und Baulücken in der Innenstadt sollen tunlichst bebaut werden: Das ist das erklärte Ziel des Gemeinderats. Doch wie massiv darf diese Bebauung sein? Ein Projekt an der Silcherstraße hat der Gestaltungsbeirat jetzt als zu massiv und zu wenig in die umgebende Bebauung integriert zurückgewiesen. Im Dezember 2020 hatte die Schatz Wohnbau GmbH das 3000 Quadratmeter große Grundstück mit einer alten Brennerei an der Ecke Silcherstraße/Weckherlinstraße erworben. Dort sollten den Plänen zufolge drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 33 Wohnungen und eine Tiefgarage gebaut werden. Im Gestaltungsbeirat wurden die Pläne indes mit mehreren Anregungen und der Bitte um alternative Planungen zurückgewiesen.

Eine besonders schöne Lage

Knapp zehn Minuten zu Fuß ins Zentrum, aber ruhig gelegen, mit Gärten und schönen Häusern drumrum: Die Lage macht das Projekt unstreitbar besonders interessant. Viel Grün, eine alte Brennerei und Nebengebäude befinden sich aktuell auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück. Drumrum kleine und mittelgroße Häuser, die zur Straße und in den privaten Höfen mit Grün und teilweise hohen Bäumen gerahmt werden. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Wohnungsbau hat der Gemeinderat bereits geschaffen, dem Bau neuer Wohnungen steht grundsätzlich also nichts im Weg. Gleichwohl ist das Projekt im Gestaltungsbeirat auf deutliche Kritik gestoßen. Vorgesehen waren drei fast identische Flachdach-Häusern mit jeweils elf Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen in zwei Vollgeschossen und einem zurückgesetzten Dachgeschoss. Der Sockel der Gebäude massiv mit Sichtbeton, wiederkehrende Fensterelemente und geometrische Gestaltungselemente sollten für eine optische Einheit sorgen. An zentraler Stelle soll ein Kinderspielplatz entstehen, außerdem eine große Tiefgarage. „Durch die große Tiefgarage bleiben uns Flächen fürs Grüne“, so Architekt Wolfgang Pail. Geplant seien große erdgebundene Bäume und kleinere Bäume zwischen den Gebäuden. Alles in allem sprach er von klassischer Architektur mit einer hohen Wohnqualität.

„Ein paar Wohneinheiten zu viel“

Im Gestaltungsbeirat stieß die Planung allerdings auf Skepsis. „Diese Häuser könnten überall stehen“, urteilte Gestaltungsbeirat Professor Dr. Franz Pesch. Sie hätten keinen Bezug zur Nachbarschaft. Als zu mächtig im Vergleich mit der Umgebung empfand sein Kollege Stefan Helleckes die Baukörper, die Gebäudetiefe sei kritisch. Auch die weit ausgreifende Tiefgarage fand er sowohl optisch als auch ökologisch problematisch, da sie das Grundstück so stark versiegle, dass Bäume mit natürlichem Erdkontakt und Pflanzen ohne künstliche Bewässerung dort kaum noch wachsen könnten. „Die Tiefgarage ist riesig und ragt deutlich hervor“, monierte Helleckes. Sein grundsätzliches Statement: „Sie haben ein paar Wohneinheiten zu viel.“

„Grundsätzliche Fragen“ meldete auch Gestaltungsbeirätin Bettina Klinge an. „Was ist Ihr Angebot an den öffentlichen Raum, die Nachbarschaft?“, fragte sie. Zu schematisch seien die Baukörper, was aus wirtschaftlicher Sicht verständlich, aus städtebaulicher Sicht für sie aber nicht nachvollziehbar war. Warum keine Satteldächer, die auch nach Ansicht ihres Kollegen Helleckes deutlich besser in die Straße passen würden? „Ich hätte mir eine Studie mit unterschiedlich großen Baukörpern gewünscht“, erklärte Bettina Klinge. Die „Qualität des Kontexts“ solle weitergeführt werden. Nebenräume zur Straße seien schön für die Bewohner, nicht aber für die Nachbarn. Zur vorgestellten Planung forderte sie Alternativen: „Mein Wunsch ist zu sehen, was auf dem Grundstück noch möglich ist.“

Franz Pesch stellte das Raumprogramm von Schatz nicht infrage, kritisierte aber ebenfalls die Massivität der Planung. Die Gebäude störten nicht in der Höhe, aber im Fußabdruck. „Sie füllen das Gelände komplett aus“, kritisierte er. Aber auch die Nachbarn hätten einen Anspruch. Statt drei gleich hoher Gebäude schlug er vor, am Rande ein weiteres Geschoss drauf zu setzten, dafür aber mehr Abstand zwischen den Häusern zu lassen, wodurch möglicherweise ein schöner Innenhof entstehen könnte. Wie Bettina Klinge wünschte er sich weitere Planungsvarianten. Besonders empfahl er einen grünen Hof. „Ein grüner Hof in der Stadt ist durch nichts zu toppen“, betonte er. Und das ist das Fazit: Das Bauvorhaben soll überarbeitet, alternative Studien zur Anordnung und Körnung der neuen Mehrfamilienhäuser sollen vorgelegt werden. Mit Blick unter anderem auf die Wohn- und Wohnumfeldqualität sowie die Akzeptanz in der Nachbarschaft empfahl der Beirat, das Areal nicht komplett zu überbauen und beim Neubau einen begrünten Innenhof frei zu halten.

Die Schatz Wohnbau wollte dazu keine Stellungnahme abgeben und sich zu neuen Plänen noch nicht äußern. Zunächst soll ein Gespräch mit der Stadtverwaltung abgewartet werden, sagte Geschäftsführer Michael Rieger.

Wohnungen sind knapp, und Baulücken in der Innenstadt sollen tunlichst bebaut werden: Das ist das erklärte Ziel des Gemeinderats. Doch wie massiv darf diese Bebauung sein? Ein Projekt an der Silcherstraße hat der Gestaltungsbeirat jetzt als zu massiv und zu wenig in die umgebende Bebauung integriert zurückgewiesen. Im Dezember 2020 hatte die Schatz Wohnbau GmbH das 3000 Quadratmeter große Grundstück mit einer alten Brennerei an der Ecke Silcherstraße/Weckherlinstraße erworben. Dort sollten

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