Schorndorf

Bei Plüderhäuser Festtagen mit Schüssen gedroht

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf/Plüderhausen. Bei den Plüderhäuser Festtagen 2016 drohte ein 47-Jähriger, Sicherheitsleute und Polizisten zu erschießen. Er wurde sogar konkret: „Ich hole ein G 3.“ Zudem wehrte sich der stark angetrunkene Mann gegen seine Festnahme und beleidigte Besucher. Für all das wurde er vom Amtsgericht Schorndorf zu einer Geldstrafe von knapp 5000 Euro verurteilt.

Selbst jetzt, als er vor den Schranken des Gerichts stand, glaubte der Angeklagte, im Recht zu sein. Er sei bei den Festtagen von den Gästen provoziert und verletzt worden, behauptete er. Kaugummikauend legt er sich mit den Zeugen an und unterbricht immer wieder die Verhandlung: Richterin Petra Freier hatte es sicher schon mit einfacheren Angeklagten zu tun. Der 47-Jährige, der sich während seiner Verhandlung selbst verteidigt, hinterlässt vor dem Amtsgericht sichtlich keinen guten Eindruck.

Bei den Plüderhäuser Festtagen 2016 soll er ausfällig geworden sein. Er habe gepöbelt und sei in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli mehrmals auffällig geworden, so die Angestellten der Sicherheitsfirma, die an diesem Abend für die Überwachung der Festtage zuständig waren. Gegen halb drei Uhr nachts haben sie ihm einen Platzverweis für das Festgelände erteilt. An diesen hält er sich zunächst, teilweise wohl, weil er – nach eigener Aussage – erst einmal eingeschlafen sei.

Eine Palette von Schimpfwörtern

In den frühen Morgenstunden spitzt sich die Lage dann zu: Das Fest ist vorbei, die anderen Gäste sind schon lange weg, aber der Angeklagte möchte trotzdem wieder ins Festzelt. Dort sind zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma noch anwesend. Sie hören ein lautes Klopfen an der Zeltwand, jemanden, der konfus und ohne erkenntlichen Grund um Hilfe bittet. Kurz darauf wird der Mann aggressiv, sagen die Mitarbeiter aus. Er konfrontierte sie unprovoziert mit „einer Palette von Beleidigungen und Schimpfwörtern“, unter anderem „Arschloch“ und „Drecksbauer“.

Normal trinke er nur Bier, erklärt der Angeklagte, aber an diesem Abend habe er mit seinem russischen Kollegen einige Wodka gekippt. Die haben ihn „schon recht umgehauen“. Beim Atemalkoholtest der Polizei morgens hatte er noch über zwei Promille; zu diesem Zeitpunkt habe er aber schon seit vier Stunden nichts mehr getrunken gehabt.

„Er konnte sich gar nicht mehr richtig artikulieren“, so einer der Sicherheitsbeamten. Es sei offensichtlich gewesen, dass der Angeklagte alkoholisiert war. Die Polizei zogen sie erst hinzu, als der Angeklagte mit dem G 3 drohte und angab, in einer Spezialeinheit zu sein. „Man weiß ja heutzutage nie, wer was für Waffen mit sich führt.“ Die spezifische Angabe des Gewehrs, gepaart mit der Aggressivität des Mannes, war für die Angestellten Grund genug, die Polizei hinzuzuziehen.

10 000 E-Mails an die Polizei

Doch auch als die Polizeibeamten mit zwei Streifen anrücken, zeigt sich der Angeklagte unbeeindruckt: Er wiederholt seine Drohungen, widersetzt sich der Festnahme, fragt, ob sie wüssten, wer er sei. Sie sollen sich an ihre Kollegen bei der Stuttgarter Polizei wenden, die wüssten, wer er sei. Warum genau wird nicht klar. Am Anfang der Verhandlung erzählt der angestellte Fachstanzer aber, er habe der Polizei Stuttgart seit 2011 schon an die 10 000 E-Mails geschrieben, die diese aber wohl immer löschen würden. Den genauen Grund für die E-Mails gibt er allerdings nicht an.

Immer wieder macht der zweifache Vater während der Verhandlung von seinem Recht Gebrauch, den Zeugen Fragen zu stellen, hält dabei oft Monologe, auf die die Zeugen nichts erwidern können. Während deren Aussagen hat er ein permanentes Grinsen im Gesicht, als hätte sich die Welt gegen ihn verschworen. „Das sind alles Märchen“, sagt er zur Anklage der Staatsanwältin.

„Sie haben nicht ganz verstanden, dass es heute um Ihr Verhalten geht. Wir sind nicht Ihre Ermittlungsbehörde“, wirft diese dem Angeklagten vor. Nach seinem Verhalten vor Gericht und mehreren plausiblen Zeugenaussagen habe sie keinerlei Zweifel daran, dass er sich bei den Plüderhäuser Festtagen ebenso respektlos und aggressiv verhalten habe.

Petra Freier stimmt ihr offensichtlich zu: Sie verurteilt den Angeklagten zu knapp 5000 Euro Strafe. Dieser kündigt direkt an, dass er Berufung einlegen wird, und rät der Richterin, seine schriftlichen Ausführungen mit nach Hause zu nehmen und noch mal durchzulesen. Richterin Petra Freier lehnt dankend ab.