Schorndorf

Beliebte Puppenspielerin hört nach 45 Jahren auf

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„Vom Fischer und seiner Frau“. © Benjamin Büttner
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Gestatten: Die Fischersfrau als Königin im Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“. © Benjamin Büttner
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Der Fisch aus „Vom Fischer und seiner Frau“. © Benjamin Büttner
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Ilsebyll Beutel-Spöri zeigt Mitte der 1970er Jahre das Stück für Kinder „Der kleine Drachen Wendelin“ mit Marionetten- und anderen Figurentechniken. © Privat
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Ein Blick ins Fotoalbum: Ilsebyll Beutel-Spöri 1973 bei ihrem ersten Kindertheaterstück „Ein Löffel für das Krokodil“ mit dem „kleinen spectaculum“ und Regisseur Hans-Georg Mahler. © Privat

Rudersberg-Asperglen. „Ach, wie schade.“ Das hört Ilsebyll Beutel-Spöri derzeit öfter. Und manche Mutter möchte mit der Tochter bitte noch mal das Stück sehen, das ihr als Kind gefallen hatte. Dann sollte man sich jetzt die restlichen Aufführungstermine des „kleinen spectaculums“ ansehen. Denn die Puppenbühne und ihre Gründerin und treibende Kraft sagen dem Publikum zum Jahresende Ade.

Video: Puppenspielerin Ilsebyll Beutel-Spöri aus Asperglen beendet nach 45 Jahren zum Jahresende ihre Tätigkeit.

„Ich bin nicht traurig“, sagt Ilsebyll Beutel-Spöri. „Noch nicht. Das kann dann kommen, wenn ich nicht mehr zu spielen habe.“ Noch bis zum Jahresende aber ist die 69-Jährige mit ihrer Puppenbühne „kleines spectaculum“ viel gefragt. Danach will sie sich von ihren Zuschauern verabschieden.

Viel Konzentration und Kondition

Seit 45 Jahren ist sie mit ihrer Puppenbühne „kleines spectaculum“ als mobiles Theater unterwegs, und die Freude an ihrer Arbeit ist ihr immer noch anzumerken. Begeistert erzählt Ilsebyll Beutel-Spöri von Inszenierungen, Techniken, Bühnenbildern und vielen Orten, an denen sie für ein jüngeres oder älteres Publikum gespielt hat.

Doch das Reisen und Spielen ist auch ein mühevolles Unterfangen. Lange Fahrten, der Aufbau, das Gepäckschleppen, „das wird alles doch sehr viel“, stellt die Puppenspielerin fest. Für die Aufführungen braucht sie viel Konzentration und Kondition. „Sie war früher besser“, das möchte Ilsebyll Beutel-Spöri nicht hören müssen.

„Der dicke, fette Pfannkuchen“ ein Klassiker im Repertoire

„Ach, wie schade!“ Das wurde dagegen oft gesagt zur Nachricht, dass das „kleine spectaculum“ den Betrieb einstellen wird. Und auch: „Bitte noch mal dieses Stück!“ Mancher Zuschauer wünscht sich, nun mit dem eigenen Nachwuchs eine Aufführung aus Kindertagen zu sehen. „Der dicke, fette Pfannkuchen“ ist so ein Klassiker, der seit 28 Jahren aufgeführt wird.

Auf 45 Jahre Puppenspiel wird Ilsebyll Beutel-Spöri am Jahresende zurückblicken. Auf 3683 Vorstellungen, die rund 360 000 Zuschauer gesehen haben. Dazu kommen rund 400 Workshop-Tage, theaterpädagogische Projekte, vier Fernsehfilme, Gemeinschaftsinszenierungen, Regieaufträge.

Die Anfänge dieser Erfolgsgeschichte liegen in Stuttgart, wo Ilsebyll Beutel-Spöri aufgewachsen ist. „Was das Kind immer im Kopf hat“, hieß es über das Mädchen, das so viel und fantasievoll gespielt hat. Damals gab es in Stuttgart ein Kinder- und Jugendtheater, das regelmäßig im Kammertheater Aufführungen hatte. Dort wollte Ilsebyll Beutel-Spöri mitspielen. Mit zwölf Jahren bekam sie Schauspielunterricht und Sprecherziehung. Durch junge Schauspieler lernte die Theaterbegeisterte das Stuttgarter Marionettentheater kennen. „Das möchte ich gern: dort spielen“, stand für sie fest. Das tat sie bis zum Ende der Schulzeit.

„Ich mache mein eigenes Ding“

Fantasie und Freude am Umgang mit Kindern hatte Ilsebyll Beutel-Spöri, sie entschied sich, Erzieherin zu werden. Sie spielte weiter am Stuttgarter Marionettentheater und baute als Internatserzieherin eine Theatergruppe mit Jugendlichen auf. Eineinhalb Jahre als Erzieherin folgten. „Dann zog es mich wieder zum Theater.“ Und zwar zum professionellen Puppentheater. Wie aber dazu etwas lernen? Einen geregelten Lehrgang gab es nicht. Ilsebyll Beutel-Spöri ging zu einem Marionettentheater nach Ratzeburg. Das reiste gleich vier Wochen später auf Tournee in die Schweiz. „Ich hab’s gemeistert und viel gelernt.“

Drei Jahre blieb sie, dann sagte sie sich: „Es wird Zeit, dass ich weggehe, ich mache mein eigenes Ding.“ Das war gar nicht so einfach. Es folgten Gemeinschaftsinszenierungen, auch im Ausland. Ilsebyll Beutel-Spöri trat mit einem internationalen Ensemble für ein Weltfestival auf. So kam sie nach Russland, Frankreich, Belgien, Italien, Japan - in einem Jahr. Es fand sich aber keine Gruppe, die ihr auf Dauer lag.

„Dann musst du eben selbst ein Puppentheater eröffnen“, hieß es. „Fang’ einfach mal an“, rieten Kollegen. Nun gut. Ein Szenenprogramm mit Marionetten für Erwachsene folgte, eine Inszenierung des „Besuchs der alten Dame“ mit anderen Puppenspielern, Aufführungen in Seniorenheimen, in der Evangelischen Akademie Bad Boll, beim Mitarbeiterabend von Mercedes oder bei privaten Auftraggebern. „Man muss sich erst mal einen Namen machen.“

Doch auch Geld für ein neues Stück zu haben, war nicht einfach. Schließlich brauchte es Puppenbauer, eine Bühne, ein Bühnenbild. In den ersten drei Jahren kehrte Ilsebyll Beutel-Spöri halbtags in den Erzieherberuf zurück, ebenfalls mit Freude.

Spielerisches Zentrum war immer Stuttgart

Wohnte sie zunächst in und um Stuttgart, so entdeckte sie mit ihrem Mann Kurt Spöri 1977 ein altes Haus in Asperglen, nach einem Umbau ideal, um dort zu wohnen und zu arbeiten. „Ich muss eh fahren“, wusste Ilsebyll Beutel-Spöri. „Das spielerische Zentrum war für mich immer Stuttgart.“

Schon Mitte der 1970er Jahre war die Puppenspielerin der Arbeitsgemeinschaft Stuttgarter Puppenspieler beigetreten. Diese haben einen gemeinsamen Spielplan erstellt. Man trat im Kursaal in Cannstatt auf, im Institut für Auslandsbeziehungen oder in der Landesgirokasse. Das Ziel war ein festes Puppentheater, das letztlich unter dem Dach des Tagblattturms entstand. „Da kamen wir also vor 35 Jahren rein“, erinnert sich Ilsebyll Beutel-Spöri. Seither gibt sie dort zwischen acht und 20 Vorstellungen im Jahr und gehört zu den Gründungsmitgliedern des Zentrums für Figurentheater.

Poesie, Aktion und Abwechslung

Die meisten Aufführungen fanden in Stuttgart statt. Dennoch: Es war ein unsteter Beruf, erst recht, als Sohn und Tochter auf die Welt kamen. Tagesmütter, Au-pair-Gäste und wohlmeinende Freunde halfen, Beruf und Familie zu meistern.

Etliche Produktionen hat Ilsebyll Beutel-Spöri im Lauf der Jahre aufgeführt. Sie legte auf Poesie, Aktion, Abwechslung Wert. „Die Stücke müssen von der Optik und von der Dramaturgie her stimmig sein.“

Viele Kinderbücher hat sie gelesen, auch Märchen, hat Stücke selbst erdacht und geschrieben, hat auch Textschreiber beauftragt und literarische Stoffe aufgegriffen. So vergingen spannende Jahre. „Ich hab’ immer gesagt, ich hab’ mein Leben verspielt und hab’s gar nicht gemerkt“, sagt Ilsebyll Beutel-Spöri schmunzelnd.


Kreatives Duo

Ein Glück war’s für Ilsebyll Beutel-Spöri, dass ihr Mann Kurt Spöri viel für das Puppentheater getan hat. Er hat als Bühnenbildner beim Fernsehen gearbeitet und auch etliche Inszenierungen seiner Frau mit fantasievollen Bühnenbildern versehen. Für viele Produktionen hat er zudem die Figuren gebaut. Manches, erinnert sich Ilsebyll Beutel-Spöri, ist dabei nach Nacht- und Wochenendarbeit entstanden.

Ilsebyll Beutel-Spöri ist übrigens nicht nur Puppenspielerin, sondern auch Lachtherapeutin. Als solche will sie noch weiterhin aktiv bleiben.

Letzte Gelegenheiten

Wer das Puppentheater „kleines spectaculum“ und Ilsebyll Beutel-Spöri noch einmal live hier im Umkreis erleben möchte, hat dazu noch folgende Gelegenheiten:

  • Am Freitag, 17. November, ist in Urbach in der Atriumhalle ab 15 Uhr „Der dicke, fette Pfannkuchen“ zu sehen.
  • Am Mittwoch, 29. November, wird ab 14.30 Uhr im Sitzungssaal des Kaisersbacher Rathauses „Frau Holle“ gezeigt.
  • Vorstellungen von „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ sind am Sonntag, 26. November, (15 Uhr), sowie am Dienstag, 28. November, (10 Uhr), im Figurentheater Phoenix in Schorndorf sowie am Samstag, 2. Dezember, und am Sonntag, 3. Dezember, im Rathaus Rudersberg jeweils ab 16 Uhr zu sehen.