Schorndorf

Besser leben in der Innenstadt Schorndorf: Mit Pop-up-Maßnahmen zu mehr Klimaschutz

Archivplatz
Fest in der Hand der Autofahrer: Der Archivplatz beziehungsweise Spitalhof. © Benjamin Büttner

Ein ganz normaler Tag am Archivplatz. Die Parkplätze sind weitgehend besetzt. Ein Autofahrer parkt geradeaus, eine Fahrerin wartet, bis sie an seiner Stelle einparken kann. Ein oder zwei Autos kurven über den Archivplatz (beziehungsweise Spitalhof, wie er jetzt wieder offiziell heißt), ihrerseits auf der Suche nach einem freien Parkplatz. Dazwischen sind ein paar Fußgänger unterwegs, Bänke oder Stellplätze für Fahrräder sucht man vergeblich. Nein, ein Wohlfühlplatz, auf dem man sich gerne aufhält, ist der Spitalhof nicht gerade, doch genau das hat sich die Stadtverwaltung zum Ziel gesetzt. Die Lebens- und Aufenthaltsqualität soll besser werden, die Stadt für Radfahrer attraktiver und auf diese Weise ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Geld aus dem Förderprogramm "Klima mobil"

Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich Schorndorf im Jahr 2020 für das Landesförderprogramm „Klima mobil“ beworben. Ganze Straßenzüge sollen umgestaltet werden, wobei im Fokus der Bereich um den Spitalhof sowie dessen Umfeld, also die Archivstraße und die Johann-Philipp-Palm-Straße stehen sollen. Geschehen soll dies in Zusammenarbeit mit den Bürgern: Gemeinsam wird ein Konzept für mehr Aufenthaltsqualität erarbeitet, wobei die Mobilität in der Stadt besonders berücksichtigt werden soll – inklusive Überlegungen, dem Fuß- und Radverkehr Vorrang einzuräumen. Auch clevere Stellplatzlösungen sollen gefunden, mehr Stadtgrün und Sitzgelegenheiten etabliert werden. Denn was gut fürs Mikroklima ist, ist auch gut für die Menschen.

Die Bürger entscheiden über ihre Lieblingsvariante

Für den Umbau rund um den Spitalhof und die Johann-Philipp-Palm-Straße hat die Verwaltung jeweils drei Varianten entwickelt, die sich miteinander kombinieren lassen. Diese sollen am 6. Oktober von 18 Uhr bis 21 Uhr in einer öffentlichen Veranstaltung in der Barbara-Künkelin-Halle vorgestellt werden. Die Teilnehmer sollen die Gestaltungsvariante auswählen, die sie gerne – zeitlich begrenzt – ausprobieren wollen, welche Variante als sogenannte Pop-up-Maßnahme also umgesetzt werden soll. Über diese Variante soll der Gemeinderat dann im November abstimmen. Gibt er grünes Licht, soll die Pop-up-Maßnahme von Mai 2022 bis einschließlich September 2022 real erprobt werden.

Eingeflossen sind in die Varianten die Ergebnisse aus Online-Befragungen im vergangenen Jahr. Im Mai hatte die Stadtverwaltung 350 Gastronomen, Einzelhändler, Leute aus Finanz- und Gesundheitswesen und Dienstleister angeschrieben und sie zu ihrer Meinung über die Verkehrsmittelwahl ihrer Kunden, die Erreichbarkeit ihres Geschäfts, die Nutzung der Parkplätze, zu neuen Fahrradstellplätzen und dem geplanten Bau der Stadtbücherei am Spitalhof befragt. 39 Betriebe haben sich an der Umfrage beteiligt. Zudem fanden online Gespräche mit Vereinen, Verbänden, Anwohnern, Gewerbetreibenden und Vertretern von Behörden, Schule und Bücherei statt.

Niemand ist mit der Situation zufrieden

Gezeigt hat sich: Die Bedürfnisse der Befragten laufen weit auseinander - einige Menschen würden die Parkplätze am liebsten ganz abschaffen, anderen reichen sie kaum aus. Gleichwohl waren die Ergebnisse der Befragungen auf einen gemeinsamen Punkt zu bringen: „Niemand ist zufrieden mit der Situation“, konstatierte Diana Gallego, Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität, im Technischen Ausschuss. Konsens bestehe zudem im Wunsch nach mehr Ordnung des Verkehrs und letztlich nach mehr Aufenthaltsqualität.

Doch wie kann das erreicht werden? „Eine Frage der Gewichtung“ ist der Umgang mit den Parkplätzen für CDU-Chef Hermann Beutel. Für die Gewerbetreibenden sei der Spitalhof so wichtig wie der Bantel-Parkplatz, konstatierte er. Klar ist für die CDU: Ohne Not sollen keine Pop-up-Maßnahmen gestartet werden, vor allem nicht, solange der Startschuss für den Bau der Stadtbücherei nicht gefallen ist. Am Spitalhof gebe es keine Läden – „Was soll ich da machen, soll ich einen Baum angucken?“, fragte Beutel. Die Leute seien auf die Parkplätze angewiesen. Sinnvoller wäre es aus Sicht der CDU, zuerst Maßnahmen am unteren Marktplatz anzugehen. Andreas Schneider verwies auf einen vom ihm 2020 gestellten Antrag, die Daimlerstraße vom Goldeinkauf-Laden bis zur Friedrich-Fischer-Straße als verkehrsberuhigte Zone auszubauen. „Warum beginnt man nicht dort?“, fragte er. Friederike Köstlin (Grüne) indes sah im Verwaltungsvorschlag die Chance, etwas Neues ausprobieren zu können. Große Städte hätte es vorgemacht, und auch Schorndorf werde in Zukunft Parkplätze streichen. Ähnlich sah das Marcel Kühnert (SPD). „Wenn der Gemeinderat den Mut hätte, würde er jedes Jahr eine gewisse Zahl von Stellplätzen streichen“, sagte er. Es sei erkennbar, dass der Parkdruck nicht so groß ist, dass die Wohngebiete zugeparkt werden. Sein Wunsch: Verkehrsberuhigung in der Johann-Philipp-Palm-Straße.

„Ein rechtsfreier Raum“ ist der Spitalhof nach Ansicht von Gerald Junginger (FDP). Dass sich die Fußgänger durch den Parksuchverkehr einen Weg bahnen müssen, hält auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer für ein großes Problem. Den Spitalhof sicher zu machen, sei eine Pflichtaufgabe der Stadt - unabhängig von den Baumaßnahmen im Zuge des Baus der Stadtbücherei. Sein Vorschlag: mit den Maßnahmen in der Johann-Philipp-Palm-Straße anfangen, diese Planungsvarianten also in der Bürgerbeteiligung vorstellen. Dann soll auch über die bestehenden Pläne am unteren Marktplatz informiert werden. Zurückgestellt wird indes der Umbau des Spitalhofs: Erst soll der Baubeschluss für die Stadtbücherei in trockenen Tüchern sein.

Ein ganz normaler Tag am Archivplatz. Die Parkplätze sind weitgehend besetzt. Ein Autofahrer parkt geradeaus, eine Fahrerin wartet, bis sie an seiner Stelle einparken kann. Ein oder zwei Autos kurven über den Archivplatz (beziehungsweise Spitalhof, wie er jetzt wieder offiziell heißt), ihrerseits auf der Suche nach einem freien Parkplatz. Dazwischen sind ein paar Fußgänger unterwegs, Bänke oder Stellplätze für Fahrräder sucht man vergeblich. Nein, ein Wohlfühlplatz, auf dem man sich gerne

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper