Schorndorf

Besuch auf dem Sizilianischen Markt

1/2
Sizilanischer Markt
Schön sehen sie aus, die Orangen aus Sizilien. Doch Unwetter haben die Ernteerträge drastisch gemindert, weiß Bernardo Inga (Mitte). © Büttner / ZVW
2/2
Sizilanischer Markt
Leckere Salami in vielen Variationen. © Büttner / ZVW

Schorndorf. Bernardo Inga nähert sich grinsend mit einem Stück Pizza in der Hand. „Ciao“, ruft er und führt über den Sizilianischen Markt in Schorndorf. Er fungiert als Übersetzer und rührt gestenreich und wortgewaltig die Werbetrommel für seine sizilianischen Landsleute, die am Freitagmittag ihre Stände aufgebaut haben und nun bis Sonntag ihre landestypischen Produkte verkaufen. Die Pizza kommt allerdings aus der Daimlerstadt.

Video: Bernardo Inga führt über den Sizilianischen Markt in Schorndorf.

Der Pizzabäcker, der die Schorndorfer auch während der Vorweihnachtszeit mit Pizza versorgt, hat auch aktuell einen Stand aufgebaut – wäre ja schwierig, Teig et cetera aus Sizilien nach Schorndorf zu bringen, erklärt Bernardo Inga, Mitinitiator des Sizilianischen Marktes, dem es sichtlich schmeckt. Inga kam vor vielen Jahren aus dem kleinen Ort Lucca Sicula ins Remstal. Viele seiner Landsleute zogen in den 70er Jahren nach Plüderhausen, Schorndorf und Urbach. Ulrich Fink, Geschäftsführer von Schorndorf-Centro, kam vor einigen Jahren mit Inga auf die Idee, einen Sizilianischen Markt im Remstal ins Leben zu rufen, um die Bauern und Händler sowie die Schülerfirma „Oliventraum“ der Stauferwerkrealschule in Weinsberg, dort unterrichtet Bernardos Ehefrau Edelgard Muth-Inga, zu unterstützen. Das ist in Kurzform die Vorgeschichte. Doch folgen wir Bernardo Inga und Ulrich Fink bei ihrem Marktbesuch.

Amigo Fink probiert Cannoli

Der beginnt, wie sollte es anders sein, mit Cannoli. Mmmmh, lecker! Amigo Fink und Jornalista Siekmann sind von dem sizilianischen Gebäck mit der süßen Ricotta-Füllung begeistert. Elisa Cortese hat die Köstlichkeiten mitunter auf Sizilien zubereitet und verkauft sie nun in Schorndorf. Bernardo Inga übersetzt. Die dunkelhaarige Cortese entstammt einer Bäckerfamilie. Das sei typisch für seine Heimat: Das traditionelle Handwerk und die Familienbande, schwärmt der Neu-Schwabe mit den sizilianischen Wurzeln. „Opa war Bäcker, Vater ist Bäcker – nun will die Tochter ins Geschäft einsteigen.“ Der Markt in Schorndorf bietet ihr eine gute Plattform. Auf Deutsch und Italienisch werden die Backwaren beschrieben. Besonders an diesem Markt ist auch, dass die Menschen überall probieren können. Das macht Laune.

Elisa Cortese preist ihre süßen Mandelspeisen an. Mandeln, Oliven und Orangen sind typisch für Sizilien, erzählt Bernardo Inga, der immer wieder Hände schütteln muss und auf Deutsch oder Italienisch mit den Leuten parliert. Amigo Fink reißt Witze: Bernardo sei mittlerweile schwäbischer als die Schwaben, seine Frau werde hingegen immer sizilianischer. Alle lachen. Es geht weiter – meistens lachend, aber auch mal ernst.

Weniger Orangen als sonst

Denn die Orangenernte fiel in diesem Jahr sehr mager aus. Es gibt viel weniger Orangen zu kaufen als sonst. Das ist schade für Schorndorf. Für die Bauern vor Ort ist es eine Katastrophe. Unwetter hätten viele Orangen verhagelt, „riesige Verluste“, sagt Bernardo Inga. Kein Wunder, dass Fink und Schorndorf-Centro den Markt großzügig subventionieren. Davon profitieren dann Sizilianer – und Schorndorfer, die an drei Tagen probieren und einkaufen können. Unter anderem auch Albcarella.

Dieser Käse kommt nicht aus der Region um Lucca Sicula, sondern aus Hohenstein-Ödenwaldstetten, und der Produzent heißt nicht Vincenzo Ramazzotti, sondern Helmut Rauscher. Aber, erklärt Ulrich Fink, derlei Käse werte ja jeden Markt auf. Stimmt. Der Büffelmozzarella. Mmh.

Verkäufer aus dem Süden kommen bei Freunden unter

Doch überwiegend kommen die Verkäufer aus dem Süden. Zehn sind extra dafür nach Schorndorf gereist, sie kommen bei Freunden unter. Wobei das nicht immer so einfach ist, weiß Bernardo Inga. Er sucht Remstäler, die seinen Landsleuten vorübergehend Unterschlupf gewähren. Und wer weiß, dann würden vielleicht auch mehr als zwölf Stände eröffnen. 15 bis 20 Händler schweben Ulrich Fink vor. Mehr wollen er und Bernardo Inga nicht. Sonst werde es zu eintönig. Es geht vorbei am Stand von Alessandro Mazotta, der nicht nur Olivenöl, sondern auch Körperöle mit Zitrusfruchtessenzen und Handcremes verkauft. Wieder weiß Bernardo Inga bestens Bescheid. Alessandro Mazotta baut auf Sizilien ein Seifen-Museum auf. Das sei wieder typisch „Sicilia“, typisch „famiglia“. Auch ihn kennt manch einer vom Weihnachtsmarkt.

„Sizilien ohne Eis geht nicht“, sagt Bernardo Inga. Das Eis kommt in diesem Fall aus Welzheim. Im Übrigen habe ein Sizilianer das Eis erfunden, weiß einer zu berichten. Nebenan gibt es Panino con Panella. Köstlich – und fettig. Egal. „Wer in Palermo ist, und so etwas nicht isst, der hat was verpasst“, ruft Bernardo Inga.

In Schorndorf ist es "multo freddo" - sehr kalt

Nun gönnen sich die beiden ein Glas, eher einen Becher, Wein. „Cita“ heißt der trockene Rotwein von Vincenzo Cascia. „Salute!“ 5000 bis 6000 Flaschen würden davon maximal hergestellt. Der Wein aus den sizilianischen Weinbergen soll etwas Besonderes bleiben, weiß Inga. Das habe auch etwas mit Stolz zu tun!

Dann mischt Edelgard Muth-Inga etwas Wasser in den Wein. Außer der Katastrophe mit den Orangen gebe es auf Sizilien eine große Landflucht, berichtet sie während eines der vielen Gespräche vor den Ständen. Die Leute verlassen die Insel, gehen nach England, Oberitalien – oder Schorndorf. Fink betont: „Wir wollen die Bauern von Lucca Sicula unterstützen!“ Nun werden kleine Scheiben von den Wurstwaren von Andreas Schütz probiert. „Salumeria Italia“, heißt es auf dem Schriftzug. Ein erneutes „Mmh“ macht die Runde.

Bernardo Inga führt weiter durchs Markttreiben. Freitag laufe noch etwas schleppend, sagen die Händler. Vor allem: Es ist sehr kalt, „multu freddo“, sagt Inga und übersetzt – „arschkalt!“ Alle lachen.