Schorndorf

Besuchermassen bei der Wein- und Backhausnacht

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Auch der Nachwuchs muss ran, wenn Not am Mann oder der Frau ist. © Schneider / ZVW
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Der Kirchturm in Geradstetten hält Wacht. © Gaby Schneider
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In Rohrbronn herrschte großer Andrang – das Bild hätte auch in jedem anderen Remshaldener Ortsteil entstehen können.
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Schwarzbrotkuchen war in Hebsack im Angebot. © Gaby Schneider

Remshalden. Kaiserwetter begleitete die dritte Backhausnacht rund um die sieben Backhäusle in allen Remshaldener Teilorten. Die Köstlichkeiten, die frisch aus dem heißen Ofenbauch kamen, waren heiß begehrt, wie auch die kühlen Weißweine und Roséweine örtlicher Wengerter. Unzählige ehrenamtliche Helfer gaben wieder alles, um die Besuchermassen satt zu bekommen.

Alles schmeckt so lecker, wie es riecht: Mit klassischen Salzkuchen, schwäbischer Dinnete, Zwetschgen-Buchteln, Schmalzbroten und Omas Grießkuchen verwöhnen die Vereine ihre Gäste. An den Tischen gibt es keine Lücken. Doch trotz des Trubels ist das Fest urig und gemütlich in den Gassen verteilt. „Die Gäste sitzen zusammen, schwätzen, trinken einen Wein und essen eine Kleinigkeit dazu, ohne Musik und Bühnenprogramm, ganz authentisch“, beschreibt Jürgen Bauer vom CVJM Geradstetten die Atmosphäre. Wetter ideal, der Feiertag mitten in der Woche, rings herum keine weiteren Festle – einen besseren Zeitpunkt hätte der veranstaltende Handels- und Gewerbeverein nicht wählen können.

Von Festbeginn an stehen die Zeichen ständig auf Nachschub

Und so stehen die Zeichen ab Festbeginn ständig auf Nachschub. Sobald ein Shuttlebus hält und sich eine Traube neuer Besucher die schmale Dorfstraße entlangschiebt, wird im Rohrbronner Backhäusle die metallene „Alarmglocke“ betätigt. Für den Mann am Ofen die klare Ansage: „Jetzt heißt es Gas geben“, erklärt Manne Munder. Das Zeremoniell ist nur etwas für Eingeweihte. Die Öfen reagieren unterschiedlich und speichern die Hitze nicht gleich. „Öfen in Backhäusern kenne ich seit der Kindheit, an dem in Rohrbronn schaffe ich seit Jahren, an einem anderen könnte ich es gar nicht“, sagt er. Wer am Ofen schafft, kann meist ein nettes Geschichtle erzählen und hat Bilder im Kopf, wie es damals zuging an den Backtagen, als man mit Leiterwagen zum Backen ging und zuvor Lose zugewiesen bekam. „Backtag war immer ein Festtag“, sagt Manne Munder.

So manches erlebt bei der Backhausnacht eine Renaissance

Diese Besonderheit örtlicher Backhäusle, an denen immer auch das Neueste getratscht wurde, erlebt mit der Backhausnacht eine Renaissance. Die natürlich in erster Linie um die Köstlichkeiten kreist, die aus den Öfen geholt werden. Nach zehn Minuten Backzeit kommen die Salzkuchen der Landfrauen Grunbach mit dem gewünschten braunen Krüstle aus der Glut. Immer länger wird die Schlange im Hof, wo ein Traditionsweingut und ein junges Winzerehepaar aus dem Gläserbefüllen kaum rauskommen. „Wir kommen schier nicht nach“, sagt Margarethe Knupfer, Vorsitzende der Landfrauen Grunbach. Ihr gefällt die Veranstaltung. „Das alte Handwerk, einen Holzofen zu bedienen, wird wiederbelebt“, meint sie. Zugleich macht nicht nur sie die Erfahrung, dass die Backhaustradition bei einer Großveranstaltung an natürliche Grenzen stößt. „Unsere Brotaufstriche sind schon weg“, meint sie mit Blick auf die Uhr, die gerade mal halb acht anzeigt. Was ebenfalls klar war: Sommerliche Temperaturen kurbeln den Weißwein- und Rosédurst an – auch hier drängt sich alles. Überraschend, wie ungestresst und unquengelig die Besucher Wartezeiten in Kauf nehmen. Salzkuchen ist eben kein Fast Food, für was Gutes, Authentisches wartet man gern.

Kuchen gefüllt mit Backsteinkäse sind der Renner

„So, jetzt geht’s los, es wird noch mal heiß, Backsteinkuchen kommt raus“, gibt Jürgen Bauer Zeichen an seine Helfer. Ihm kommt man an diesem Abend besser nicht zu nah, wenn er seinen Schießer rasend schnell vor und zurück bewegt. „Hinter mir lebt sich’s gefährlich“, meint er, und schiebt die nächste Fuhre mit Kuchen in den Ofen. Klappe zu. Klappe des zweiten Ofens auf: Hier müssen die mit Backsteinkäse gefüllten Kuchen raus, sie sind der Renner. Um ihn herum große Geschäftigkeit. Jürgen Brodt walzt Teig aus, Margret Schmelzer und Andrea Heermann – die einzigen Frauen an Backhausbord – drücken den Teig in die Form und befüllen ihn mit Rahm, Speck, Schnittlauch. „Das Fest ist ein guter Anlass, gerade den Jüngeren zu zeigen, dass Brot und Backen früher etwas Besonderes war“, sagen die zwei „Quotenfrauen“, wie sie sich selbst scherzhaft nennen.

Kalkulierte Menge reichte nicht

Jürgen Bauer kann nach zwei Stunden absehen: „Die kalkulierte Menge wird vermutlich nicht reichen.“ Das engagierte Team spurtet in den Supermarkt, um Zutaten nachzukaufen, während er weiter mit dem Ofen kämpft und nebenbei den 17-jährigen Arne einlernt. „Bis jetzt verteile ich die Glut, das Einschießen übernimmt der Meister“, sagt er, den Blick zu Jürgen Bauer gewandt. Mit festem Handgriff unter dicken Handschuhen öffnet der routiniert die Ofenklappe und schaut nach dem Zustand der Glut. Das präzise Beobachten der Luft- und Bodentemperatur, das Nachschüren mit den Krähla, „das geht nur mit Gefühl“, meint er und wischt sich mit dem Tuch übers rote und glänzende Gesicht. Im Winter hätten alle Ofenschaffer den ultimativen Chefplatz. Aber bei über 30 Grad draußen gibt es angenehmere Plätze als in der Nähe von bis zu 360 Grad heißen Schamottsteinen zu schmachten. Zum Beispiel mitten in Grunbach, auf einer Bank im Schatten, wo es sich Ehepaar Feifel und Bareis gemütlich gemacht haben. „Wir sind auf Genusstour durch unseren Wohnort“, verkünden sie.

„Man kann es nicht kaufen, das gibt es nur hier“

Ein Schwall heißer Luft fegt auch über die Haut des 26-jährigen Alexander, Saxofonspieler im Musikverein Geradstetten. „Die Salzkuchen vertragen die hohe Hitze“, erklärt er, der im Vorjahr seine Feuertaufe als Ofenchef hatte. „Es hat sich bewährt und macht Spaß“, sagt er. „Es ist eine Tradition, die an die jüngere Generation übergehen sollte und nicht vergessen werden darf.“ Das Ursprüngliche ist gefragt: „Man kann es nicht kaufen, das gibt es nur hier“, sagen Beate und Manfred Wiesner aus Hebsack, die ihre Runde durch die Teilorte drehen. „Wir halten etwas davon, die Regionalität und Kultur zu erhalten“, sagen sie.

„Wir machen das alles ehrenamtlich, aus Spaß am Backen"

An allen sieben Backhäusle rennen die Leute den ehrenamtlichen Helfern die Bude, also das Backhaus, ein, bis der letzte Shuttlebus fährt. Beim CVJM Geradstetten werden noch bis halb zwölf Reste aufgebacken. „Aber mehr wäre nicht mehr gegangen“, sagt Jürgen Bauer. Ofenwart Sebastian Läpple von der Initiative Backhaus an der Linde in Grunbach hat viele Besucher von außerhalb registriert. Alles dreht sich um die Kulturdenkmale, die einst geschaffen wurden für die Selbstversorgung im Dorf. Viele hätten sich an die Öfen vorgekämpft, interessiert zugeschaut und Fragen gestellt. „Der Radius des Festes ist weiter geworden“, sagt er. Erstaunlich aus seiner Sicht: „Wir machen das alles ehrenamtlich, aus Spaß am Backen, es ist keine Gewinnerzielung dahinter“, meint er und holt das nächste Blech mit heißen Wengerter-Baguette aus dem Ofen. Sehr passend zum Wein ist auch die Neuheit „schwäbische Krähla“: getrocknete Brotstangen aus Hefeteig mit Rosmarin, zusammengebunden wie die Holzbündel aus Wengert- und Obstbaumholzresten, mit denen die Öfen immer wieder angefeuert werden, den ganzen Abend lang.


Die Vorbereitungen

Teilweise zwei bis drei Tage haben die ehrenamtlichen Helfer in die Vorbereitungen gesteckt.