Schorndorf

Betrüger lesen Kartendaten aus

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Ein Wahl-Remshaldener ist womöglich Skimming-Opfer geworden: Betrüger haben wahrscheinlich seine Bankkarten-Daten und PIN ausgelesen. Symbolbild. © Bernhardt / ZVW

Remshalden/Waiblingen. Wo haben die Betrüger seine Geldkarten-Daten abgegriffen? Mathias B. weiß es nicht. Vielleicht im Supermarkt an der Kasse, womöglich am Geldautomaten, mutmaßt er. „Zum Glück hat mich aber die Commerzbank informiert. Knapp über 100 Euro sind offenbar mit einem Karten-Duplikat an einem Automaten im indischen Goa von meinem Konto abgehoben worden.“ Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl.

Mathias B. will über eine Gefahr aufklären, in der fast jeder schwebe, sagt er. Betrüger greifen, zum Beispiel per Attrappenaufsatz am Geldautomaten, Daten der Geldkarten und die PIN ab. Damit beschreiben sie Karten-Dubletten, mit denen sie im Ausland Geld abheben. Er glaubt, dass ihm das jüngst in Remshalden passiert ist. Anders kann er sich die im indischen Goa geschehene Abhebung von seinem Konto nicht erklären. Mathias B. ist IT-Fachmann und kommt aus Köln. Er macht im Stuttgarter Raum gerade eine Weiterbildung und wohnt bei seiner Freundin in Remshalden.

„Interessant ist, dass die Betrüger nur einen relativ niedrigen Betrag abgehoben haben.“ Der liegt unter dem alltäglichen Wahrnehmungsradar in dem ganzen Wust von Daueraufträgen, Abhebungen und Überweisungen. Eine neue Masche? „Magnet-Karten, die kosten ja heutzutage nichts. Da lohnen sich auch Dubletten für niedrige Abhebungsbeträge.“

Regelmäßigt die Kontobewegungen prüfen

Vielleicht hätte er von sich aus die Abhebung gar nicht bemerkt, doch die Commerzbank kontaktierte ihn und fragte, ob er in Indien gewesen sei und die Abhebung von ihm stammt. Er verneinte. „Die Commerzbank hat offenbar ein internes Warnsystem, das bei verdächtigen Kontobewegungen in fremden Währungen und auch bei kleineren Beträgen anschlägt. Die konnten mich aufgrund der Zeitverschiebung bereits informieren, bevor die Buchung bei mir auf meinem Konto erschien.“ Mathias B. sperrte sofort seine Karte, bekommt jetzt eine neue, freilich anders codierte. Und es sieht so aus, als würde er nur auf den im indischen Goa entstandenen Gebühren der Währungsumrechnung sitzenbleiben. „Den Geldbetrag aber, den bekomme ich wieder, haben sie mir versprochen.“

Sorgen macht B. jetzt nur noch die Ungewissheit, wie, wann und wo die Betrüger seine Kartendaten abgreifen konnten. „Man kann nur an die Leute appellieren, zum einen ihre Kontobewegungen regelmäßig zu prüfen, damit ihnen nichts entgeht. Zum anderen jetzt im Weihnachtsgedrängel in den Fußgängerzonen, beim Einkauf und am Geldautomaten vorsichtig zu sein.“

Automatische Betrugs-Erkennung?

Eine Sprecherin der Commerzbank bestätigt: „Wir haben eine eigene interne Abteilung, die durch Verarbeitung und Analyse große Datenmengen für unser Geschäft nutzbar macht. Allein dadurch haben wir allein im Jahr 2017 über 100 Millionen Euro an betrügerischen Überweisungen für unsere Kunden erkennen und zurückholen können.“ Unlogische Zahlungsverkehrs-Transaktionen seien zum Beispiel auch erkennbar, wenn eine Commerzbank-Karte an einem Automaten einer anderen Bank geskimmt wurde. „Auch dann werden wir aktiv.“ Fazit der Commerzbank-Sprecherin: „Wir haben eine Vielzahl von Automatismen, die sofort greifen und Schäden verhindern. Unsere Berater gehen dann mit den Kunden ins Gespräch. An unseren SB-Geräten können wir Skimming durch wirksame Maßnahmen derzeit ausschließen.“

Die Kreissparkasse Waiblingen setzt ebenso auf Betrugswarnsysteme, „um Auffälligkeiten erkennen und beurteilen zu können und so Kunden vor nichtautorisierten Zahlungen zu schützen“, sagt Pressesprecher Axel Kröninger. „Aufgrund der erforderlichen Vertraulichkeit und um diesen Schutz nicht zu gefährden, kann keine Auskunft zum Umfang und zur Funktionsweise dieser Systeme gegeben werden.“ Jedenfalls sei in Deutschland und der EU „Skimming“ (Kartendaten-Diebstahl) aufgrund neuer Kartentechnologien inzwischen stark rückläufig.

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen rät Kröninger Bankkunden, regelmäßig die Umsätze auf dem Konto im Auge zu behalten und jede Abbuchung zu prüfen. Bei Unstimmigkeiten sollte man sich direkt an die Sparkasse wenden. Weitere Sicherheit biete das Festlegen eines Tageslimits für Transaktionen im Online-Banking.