Schorndorf

Betrunken in Dönerbude randaliert

Amtsgericht7_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf. Weil er betrunken in einem Döner-Imbiss randalierte, ein Messer geworfen, die Besitzerin bedroht und in Angst und Schrecken versetzt hatte, ist ein 51-Jähriger jetzt vom Amtsgericht Schorndorf wegen Hausfriedensbruchs, Bedrohung, Beleidigung und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt worden.

Im Amtsgericht ist der 51-Jährige schon ein guter Bekannter. „Er ist ein Netter – wenn er nüchtern ist“, sagte Richterin Petra Freier, die den Angeklagten aus früheren Verhandlungen kennt. Und tatsächlich zeigte sich dieser nun sehr reumütig und bemüht, sein Leben zu ändern.

Die verängstigten Zeugen erlebten jedoch eine ganz andere als die „nette Seite“ des Angeklagten, als dieser an einem Abend im vergangenen November in stark alkoholisiertem Zustand einen Döner-Imbiss in der Schorndorfer Innenstadt betreten hatte. Schnell fühlte er sich provoziert und begann, die Inhaberin verbal zu bedrohen. Als diese ihn aufforderte, ihr Geschäft zu verlassen, weigerte er sich und begann zu randalieren. „Ich bring euch alle um“, hatte er laut Zeugenaussagen geschrien. Eine Essigflasche, ein Wasserkocher und sogar ein Messer flogen durch die Luft. Einen benachbarten Eisdielenbesitzer, der versuchte, schlichtend einzugreifen, ohrfeigte der 51-Jährige und beschimpfte ihn als „Wichser“. Als die Polizei kam, bedrohte er einen der Beamten.

Immer wieder straffällig geworden

Von dem aggressiven Verhalten des Angeklagten – im Gericht keine Spur mehr. „Ich möchte mich nochmals bei Ihnen entschuldigen“, sagte er einzeln zu allen Zeugen. Einen Teil des angerichteten Schadens hatte er bereits in Eigeninitiative zurückgezahlt und ist seit zwei Wochen wieder trocken. „Ich habe mich verleiten lassen“, sagte der ehemalige Masseur über seinen Alkoholkonsum an jenem Abend. Seinen Rückfall begründete der Alkoholiker mit verschiedenen Schicksalsschlägen, darunter eine schwere gesundheitliche Diagnose.

Obwohl er Verständnis für die Lebenssituation des Angeklagten hatte, sah der Staatsanwalt keinen Grund für mildernde Umstände. Vor allem, weil der 51-Jährige seit fast 30 Jahren immer wieder straffällig geworden ist. Einige Monate hat er bereits im Gefängnis verbracht und gerade ist er auf Bewährung. An die Tat kann er sich aufgrund seines Rauschzustands an jenem Abend kaum noch erinnern.

Aufs Dönerfleisch gespuckt

Ganz im Gegenteil zu den vorgeladenen Zeuginnen, die aufgewühlt von dem Vorfall berichteten. „Die Kunden hatten Angst“, sagte die aus der Türkei stammende Besitzerin der Dönerbude, die von dem fliegenden Messer leicht gestreift, zum Glück aber nicht verletzt worden war. Nach dem Vorfall habe sie das Dönerfleisch und das Brot aus ihrem Imbiss wegwerfen müssen, da der 51-Jährige darauf gespuckt habe. Seit dem Vorfall habe sie Angst, abends alleine im Imbiss zu bleiben, berichtet die Schorndorferin. Auch wenn sie bereits einen Teil des auf 300 Euro geschätzten Sachschadens erstattet bekommen hat, ist ihr und ihrer Mitarbeiterin nur eines wichtig: Sie möchten den Angeklagten in ihrem Imbiss (selbst wenn er nüchtern ist) nie mehr als Kunden haben. Dem 51-Jährigen tat sein Verhalten inzwischen leid. Er versprach, dass so etwas nicht mehr vorkommen werde. Richterin Petra Freier erkannte das an, wollte jedoch mehr als nur „ein Lippenbekenntnis“.

Beim nächsten Tropfen Alkohol muss er ins Gefängnis

Letztendlich hatte sie die neunmonatige Freiheitsstrafe doch noch einmal zur Bewährung ausgesetzt und gab dem 51-Jährigen damit, wie sie mehrfach betonte, eine allerletzte Chance. Der Verurteilte wirkte erleichtert. Er hat nun die Möglichkeit, eine Therapie zu machen. Aber zu seinen Bewährungsauflagen zählt unter anderem auch der ausnahmslose Verzicht auf Alkohol. Beim nächsten Tropfen Alkohol muss er ins Gefängnis. Die Bewährungszeit ist auf vier Jahre festgelegt.