Schorndorf

Bewegungskindergarten „Purzelbaum“ wurde mit Purzelbäumen und Reden eingeweiht

Purzelbaumkiga
Schorndorf-SG-Gelände Einweihung Kindergarten Purzelbaum -Bewegungskindergarten. © Gaby Schneider

Es bietet sich an, dass ein Bewegungskindergarten, zumal einer, der „Purzelbaum“ heißt, auch mit einem solchen eröffnet wird. Oberbürgermeister Matthias Klopfer, in selbstironischer Anspielung darauf, dass im Gartenschaujahr 2019 der geplante Eröffnungstermin mehrmals verschoben wurde und dann ganz geplatzt ist, im grünen Gartenschau-Shirt erschienen, machte mutig den Anfang. Harald Link, der Vize-Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, der in Vertretung des privat verhinderten Präsidenten Wolfgang Drexler gekommen war, tat es ihm gleich – mit seinem, wie er sagte, ersten Purzelbaum seit 32 Jahren.

Architekt Friedemann Backe riss sich geradezu darum, auch einen Purzelbaum auf die Matte im Gymnastikraum des Bewegungskindergartens legen zu dürfen, und nur Kinderhaus-Leiter Tim Schopf verweigerte die turnerische Einlage mit der (fadenscheinigen) Begründung, er habe wegen einer gerade laufenden Purzelbaum-Challenge in letzter Zeit schon genügend Purzelbäume gemacht. Für ihn in die Bresche sprangen ein paar Kinder aus der Einrichtung, die sich nach ein paar Bewegungsübungen ebenfalls an einen Purzelbaum, richtigerweise an mehrere Purzelbäume wagten und dafür viel Beifall der coronakonform im Raum verteilten Gäste erhielten.

Ein Mehrzweckgebäude mit Hallen und Umkleideräumen

In Betrieb ist der Bewegungskindergarten seit Anfang des Jahres, nachdem die Umsetzung der ins Jahr 2015/16 zurückreichenden Idee des Oberbürgermeisters durch verschiedene konzeptionelle Änderungen, aber vor allem durch bauliche Gründe immer wieder ins Stocken geraten ist. Zuletzt war es ein größerer Wasserschaden gewesen, der die Inbetriebnahme bis in dieses Jahr hinein verzögert hat.

Und je länger sich die Baumaßnahme hingezogen hat, desto teurer ist sie geworden. Mit 6,8 Millionen ist das Projekt an den Start gegangen, wenn endgültig abgerechnet ist, wird auf jeden Fall eine Acht vor dem Komma stehen, was nach Rechnung von Matthias Klopfer einer 20- bis 30-prozentigen Kostensteigerung entspricht. Andererseits aber relativierten sich zwei Millionen Euro Mehrkosten auch wieder, wenn man bedenke, dass es sich um ein Projekt für die nächsten 50 Jahre handle, und sich vorstelle, wie viele Kinder in dieser Zeit eine unbeschwerte Kinderzeit erleben könnten.

Für Architekt Friedemann Backe ist die Kostenentwicklung – von der zunächst einmal nicht eingeplanten Pfahlgründung einmal abgesehen – schon deshalb eine „marktübliche“, weil es sich ja eigentlich um zwei Gebäude handle, die da ineinander verschmolzen seien: zum einen um den sechsgruppigen Bewegungskindergarten um ein auch den Vereinen zur Verfügung stehendes Mehrzweckgebäude mit zwei Hallen samt Umkleidegebäuden, die auch von den im Stadion kickenden Fußballern genutzt werden.

Bei den beiden Hallen handelt es sich um einen Gymnastikraum mit Spiegelwand, die also auch fürs Tanzen geeignet ist, und um eine mit Bungee-Lounge, kleiner Boulderwand, Bodentrampolin und Schnitzelgrube ausgestattete Bewegungswelt. Kindergarten und Mehrzweckgebäude erstrecken sich jeweils über etwa 1250 Quadratmeter Fläche. Und wenn den Kindergartenkindern das an Bewegungsmöglichkeiten nicht ausreicht, finden sie weitere Angebote im großzügig angelegten Außenspielbereich.

Klopfer: Es gib auch bei großen Häusern gute und schlechte

Er habe sich im Gegensatz zu dem, was immer wieder behauptet worden sei, mit dem Bewegungskindergarten keineswegs „selber verwirklichen“ wollen, sagte Matthias Klopfer. Vielmehr habe er sich schon sehr früh in seiner beruflichen Laufbahn mit nutzerangepassten Bewegungsräumen befasst, dass in Zukunft weniger die großen Sportflächen gefragt seien als vielmehr kleinere Plätze und Hallen.

Weil es den meisten, die sich sportlich betätigten, nicht um Leistungssport, sondern um Gesundheit, Prävention und Kommunikation gehe. Dazu komme mit Blick auf den Kindergarten und Kinder ganz allgemein, dass durch viele Studien nachgewiesen sei, dass es heutzutage nicht mehr selbstverständlich sei, dass Kinder rückwärtslaufen oder auf einem Bein stehen könnten. Zur Streitfrage, ob die Zukunft größeren oder kleineren Kinderhäusern gehören sollte, sagte der Oberbürgermeister: „Es gibt schlechte kleine und große Kindertagesstätten und es gibt gute kleine und große.“ Entscheidend seien letztendlich die Erzieherinnen und Erzieher, und da sieht Klopfer – Stichwort: Fachkräftemangel – neue größere Häuser bei der Personalgewinnung im Vorteil.

Spätestens Anfang 2021 soll das Kinderhaus voll sein

Im Kinderhaus „Purzelbaum“ sind insgesamt 22 Fachkräfte angestellt. Laut Tim Schopf sind derzeit 73 Kinder unter Vertrag, die den Bewegungskindergarten bislang im rollierenden System besucht haben, von Montag an dürfen aber alle wieder gleichzeitig im Haus sein. Und dann soll der Bewegungskindergarten nach und nach weiter aufgefüllt werden, so dass der Kinderhaus-Leiter davon ausgeht, dass das Haus bis spätestens Anfang 2021 mit dann 95 Kindern ausgelastet ist.

Turnerbund-Vizepräsident lobt das Engagement der Einrichtungen in Corona-Zeiten

Für den Vizepräsidenten des Schwäbischen Turnerbundes, Harald Link, ist Bewegungskindergarten ein Profil, das zunehmend nachgefragt wird. Wie überhaupt der Trend zu einer größeren Ausdifferenzierung der Kinderhäuser gehe.

Als Geschäftsführer der SV Böblingen, der in seiner Stadt schon in die Planung des zweiten Bewegungskindergartens eingebunden ist, nehme er den Betrag, der in Schorndorf investiert worden sei, etwas neidisch zur Kenntnis, betonte Link, der nicht nur die Kooperation des Kindergarten-Trägers Awo mit der SG Schorndorf lobte, sondern auch all das, was in den vergangenen Corona-Monaten in den einzelnen Einrichtungen und bei den Verwaltungen geleistet worden ist.

Es sei nicht selbstverständlich, wie da in vielen Fällen die Eltern und die Kinder mitgenommen worden seien, meinte der Vizepräsident des Turnerbundes, der Schopf ein von seinem Verein herausgegebenes Handbuch mit praktischen Empfehlungen zur motorischen Entwicklung mitgebracht hatte.

Es bietet sich an, dass ein Bewegungskindergarten, zumal einer, der „Purzelbaum“ heißt, auch mit einem solchen eröffnet wird. Oberbürgermeister Matthias Klopfer, in selbstironischer Anspielung darauf, dass im Gartenschaujahr 2019 der geplante Eröffnungstermin mehrmals verschoben wurde und dann ganz geplatzt ist, im grünen Gartenschau-Shirt erschienen, machte mutig den Anfang. Harald Link, der Vize-Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, der in Vertretung des privat verhinderten Präsidenten

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