Schorndorf

Biergartenchef: Wetter-Apps machen nur nervös

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Schorndorf. Der Kies knirscht unter Frank Zienickes Füßen, die Sonne scheint auf seine Stirn. Der Betriebsleiter des Biergartens an der Hahn’schen Mühle wirkt entspannt. Allerdings: Das Gegenteil ist der Fall. Von morgens 9 Uhr bis abends spät ist er im Dienst. Meist sieben Tage die Woche. Ausgeruht wird sich im Winter. Aber auch da gilt: Nach der Saison ist vor der Saison.

Video: Sommerjob im Biergarten in Schorndorf.

Seit sechs Jahren leitet Frank Zienicke den Schorndorfer Biergarten an der Hahn’schen Mühle. Während seine Arbeitszeiten für andere einer immerwährenden Sommertretmühle gleichkämen, war’s für ihn ein Befreiungsschlag. Der gelernte Metzgermeister war lange Jahre Filialleiter in einem Fleischereibetrieb. Jeden Tag musste er dafür stundenlang im Auto sitzen. Zunehmend wurde das zur Belastung, er wollte näher an Weiler arbeiten. „Irgendwann hab ich einen Schnitt gemacht“, berichtet er.

Junge Leute, Feiernjobber, Studenten

Die Arbeit im Biergarten, das sei ein ganz anderes Geschäft. Hier arbeitet er beinahe ausschließlich mit 450-Euro-Kräften. Viele junge Leute, viele Ferienjobber und Studenten sind im saisonal sich neu formierenden Team. Für so manchen jungen Mitarbeiter sei der Job eine kleine Haushaltsschule. „Man merkt den jungen Leuten an, wenn sie zu Hause nichts machen müssen“, verrät der Chef lächelnd. Andererseits gebe es auch viele, denen man den heimischen Einsatz anmerke, die vom ersten Tag an bestens zulangten. Trotz der hohen Fluktuation bei den Saisonarbeitskräften sei das gemeinsame Arbeiten richtig toll. Die 65 Mitarbeiter seien ein super Team. Natürlich erfordere der große Personaleinsatz eine Menge Organisation, aber genau das liegt dem Weilermer. Beinahe am liebsten ist es ihm, wenn es irgendwo klemmt und er ein Problem zu lösen hat. Dann läuft er zur Hochform auf, berichtet er.

Schnitzel als Biergarten-Klassiker, Cocktails für die Jugend

Seine Herkunft aus dem Metzgerfach, die verleugnet er keineswegs. Im Gegenteil bietet er jeden Tag in seinem Biergarten ein anderes frisch gekochtes Tagesessen an, inzwischen essen etliche Stammgäste bei Zienicke zu Mittag. Da gibt’s auch mal im Hochsommer bei 35 Grad Entenbrust mit Rotkohl und Klößen. Aufs typische Biergartenessen muss bei allem Hang zum handwerklich gut Gekochten aber keiner verzichten. Natürlich hat der Chef auch Schnitzel und Wurstsalat im Angebot. Gekocht wird in den meisten Fällen selbst, das ist ihm wichtig. Für die jüngere Generation gibt’s auch mal Cocktails im Biergarten. Soll sich ja jeder wohlfühlen.

Gelingen hängt vom Wetter ab

Auch wenn es anstrengend ist, morgens um 9 Uhr die ersten Lieferungen anzunehmen, vormittags zu kochen und abends zusammenzupacken, Zienicke mag seinen Job. „Ich bin zufrieden, wenn ein Tag gut gelaufen ist.“ Ob das gelingt, hängt aber auch vom Wetter ab. Drum geht Zienickes erster Blick am Morgen aus dem Fenster. Sein Mobiltelefon beherbergt gleich vier oder fünf verschiedene Wetter-Apps. Die befragt er aber erst nach der ersten Tasse Kaffee. Irgendeine widerspricht den anderen eigentlich immer, berichtet er. „Ich richte mich deshalb grundsätzlich nach dem, was sich sehe.“ Wenn’s düster am Himmel wird, sei noch Zeit genug, sich Sorgen zu machen. Wenn’s trocken ist, schließt er die Theke auf. Basta. Radarbeobachtungen, wie sie andere Kollegen betreiben, kommen ihm gar nicht in die Tüte. Verrückt machen will sich der Chef nämlich nicht. Schließlich zieht auch so manches Wetter an der Daimlerstadt vorbei. Kommen aus der Waiblinger Ecke dunkle Wolken, ruft er den Kollegen vom Schwanen-Biergarten, der ebenfalls zur Fidel Gastro GmbH gehört, an. Geht bei dem gerade gefühlt die Welt unter, packt Zienicke zusammen. „Der Juli war überhaupt nicht gut“, berichtet er. Vorplanen sei beinahe unmöglich gewesen. Zu oft war’s kalt und regnerisch. Und da ist es im Biergarten-Business ganz ähnlich wie im Schwimmbad-Leben. Die Gäste brauchen wärmemäßig eine gewisse Anlaufzeit, bevor sie sich in den Garten wagen. Dann aber kommen sie zuhauf. Wenn die aktuellen Vorhersagen, die sich überraschend einhellig geben, stimmen, steht dann wohl ein optimales Wochenende bevor.