Schorndorf

Bilder und Puppenhäuser: Letzte Ausstellung bei "Feuer & Flamme" in Schorndorf

Ausstellung Barbara Ernst und Renate Busse
Alex Schenk hat sie in seiner Laden-Galerie zusammengebracht: Barbara Ernst (Mitte) und die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse. Auch wenn sie – wie ihre Miniaturen und Bilder – ganz unterschiedlich sind, die beiden Damen haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind gleich alt und sehr kreativ. © ALEXANDRA PALMIZI

Sehnsuchtsorte gibt es im Kleinen genauso wie in der großen, weiten Welt – und sie laden zu Entdeckungsreisen ein, die in der neuesten und zugleich letzten Ausstellung der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“ unternommen werden können. Zum Ende des Jahres gibt Alex Schenk die Räumlichkeiten in der Gottlieb-Daimler-Straße ab. Doch bevor er sich neuen Projekten widmet, ist es ihm noch einmal gelungen, scheinbar Gegensätzliches zu vereinen: die kleine Welt, die Barbara Ernst in ihren Miniaturen zeigt, und die weite Welt in Renate Busses Ölbildern und Zeichnungen.

Von 1992 bis 2010 hatte Barbara Ernst in eben diesen Räumen ein Fachgeschäft für Miniaturen, ausgefallene Puppenstuben, Zubehör und Teddybären und im Gewölbekeller sogar ein Museum eingerichtet. Mittlerweile führt sie die Geschäfte in ihrem Privathaus in der Schlachthofstraße 16/2 fort. Mit den Räumen in der Gottlieb-Daimler-Straße ist aber auch die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse eng verbunden: Sie stellt, seitdem Schenk seine Laden-Galerie vor vier Jahren eröffnet hat, hier schon zum dritten Mal aus.

Alex Schenk, daran hat Mario Zoppelletto in seinen einführenden Worten zur Eröffnung der Ausstellung am Samstag erinnert, ist es in bestimmt 20 Ausstellungen gelungen, „Großes auch in kleinen Räumen zu präsentieren und Kleinem zu unerwarteter Größe zu verhelfen“. Und so ist es auch dieses Mal wieder: Zwei Corona-Jahre lang, erzählt Renate Busse, hat sie Reisen nur im Kopf unternommen. Entstanden ist eine ganze Serie von Sehnsuchtsbildern mit wohlklingenden Namen wie „Amalfi“, „Allegria“, „Palmenmorgen“ und „Madeira oder so ...“. Die Zeichnungen, die im Gang zwischen den beiden Ausstellungsräumen zu sehen sind, stammen aus ihrem Skizzenblock, der sie auf ihren Reisen begleitet. Ansonsten hat sie mit Pinsel und Farben Fantasiewelten geschaffen, die sich Kunstfreunde nicht nur mit den Bildern in die gute Stube holen können, sondern auch mit Sofa-Kissen, genäht von der Cannstatter Modedesignerin Sandra Riegert – in vier Größen aus Renate Busses neuestem „Garden City“-Stoff. Gratis dazu, auf einem rosafarbenen Etikett, gibt es den alten Postkartenspruch der Künstlerin: „Ein ganz normaler Tag kann auch sehr schön sein.“

„Barbaras kleine Welt“: Erinnerung an einen Sehnsuchtsort

„Barbaras kleine Welt“, so hat Barbara Ernst ihren Miniaturen-Laden vor 30 Jahren genannt, der  Schorndorf-Kennern auch als Bärenladen bekannt sein dürfte. Als die 81-Jährige vor einem Jahr in die Laden-Galerie gekommen ist, um zu sehen, was aus ihrem Geschäft geworden ist, ist die Idee entstanden, hier noch einmal ein paar ihrer detailgetreuen Miniaturen auszustellen. Und jetzt ist, gleich im Schaufenster, im Maßstab 1:12, in einem Atelier unterm Glasdach ein Künstler mit einem Aktmodell zu entdecken, daneben eine Sammlung von Miniaturen, die Barbara Ernst für Puppenstuben-Liebhaber gebastelt hat. Drinnen geht die Entdeckungsreise weiter: In einem Mini-Geigenkasten musizieren ein Pianist am Flügel und ein Violinist. In einem alten Mini-Radio ruht ein Sofa-Schläfer, in einem Holzkasten ist eine ganze Bibliothek untergebracht und es gibt in der Ausstellung nicht nur ein französisches Vier-Sterne-Café, sondern auch eine Bar, in der sich die Betrachter gerne verlieren – und feststellen dürfen: Alles, was es in groß gibt, gibt es hier auch im Kleinen.

Von den Eltern in eine kaufmännische Lehre gedrängt, konnte Barbara Ernst ihre künstlerische Ader erst spät ausleben: Zunächst hat sie als Münzkundlerin Ausstellungen gemacht und eine ganze Reihe von Fachbüchern geschrieben. So kam sie übers Badische ins Schwäbische und schließlich nach Schorndorf. Ihre Liebe zu Miniaturen aber hat sie beim Reisen entdeckt: In London ist sie in eine Miniaturen-Messe geraten – und war „total geflasht“. Bis auf fünf Pfund, erzählt sie, habe sie damals ihr gesamtes Geld ausgegeben. Und dann war kein Halten mehr: In ihrem Gästezimmer hat sie gebaut und gebaut. Ihre ersten Puppenstuben hat sie in Altenheimen gezeigt. Als sich dann 1992 die Gelegenheit ergab, in Schorndorf einen eigenen Laden zu eröffnen, hat sie sich in das Abenteuer gestürzt, ist auf Messen gegangen, ist selbst kreativ geworden und hat mit mehr als 84.000 Einzelteilen Deutschlands größtes Fachgeschäft für Miniaturen aufgebaut.

Eine Welt, in der Renate Busse nicht wirklich zu Hause ist. Auch wenn sie kleine Dinge liebt – „mit Puppenstuben“, sagt sie, „hab ich’s nicht so“. Doch Alex Schenk hat es gereizt, in einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Kontrast zwischen der kleinen und der weiten Welt zu spielen, von der Renate Busses Bilder erzählen. Und wer sich auf die Entdeckungsreise einlässt, kann sich in den Bildern und in den Puppenstuben tatsächlich verlieren. Dabei zeigt sich: Die kleine und die weite Welt passen, wie Puzzleteile, ganz wunderbar zusammen.

Info

Die Ausstellung „Kleine Welt, weite Welt“ ist noch bis Ende des Jahres in der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“, Gottlieb-Daimler-Straße 30, zu sehen, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Zum Stadtmarkt am Sonntag, 30. Oktober, 12 Uhr, führen Renate Busse und Alex Schenk durch die Ausstellung. Am Dienstag, 8. November, 19 Uhr, dreht sich im Hinterzimmer alles um Renate Busses Stoff. Außerdem ist Modedesignerin Sandra Riegert mit ihren Headpieces dabei.

Sehnsuchtsorte gibt es im Kleinen genauso wie in der großen, weiten Welt – und sie laden zu Entdeckungsreisen ein, die in der neuesten und zugleich letzten Ausstellung der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“ unternommen werden können. Zum Ende des Jahres gibt Alex Schenk die Räumlichkeiten in der Gottlieb-Daimler-Straße ab. Doch bevor er sich neuen Projekten widmet, ist es ihm noch einmal gelungen, scheinbar Gegensätzliches zu vereinen: die kleine Welt, die Barbara Ernst in ihren Miniaturen

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