Schorndorf

Blühende Hingucker auf dem Wochenmarkt

1/3
blankenhorn
Judith Blankenhorn schafft herrliche Blumensträuße – die Ehre gebührt für sie aber einem anderen. © Büttner / ZVW
2/3
markt-herrlichkeiten
Seitdem samstags auf dem Oberen Marktplatz Marktbrunch ist, gibt’s die „Herrlichkeiten“ direkt vor dem Rathaus. © Palmizi / ZVW
3/3
blankenhorn
Ebenfalls im Angebot: Bio-Kräuter. © Büttner / ZVW

Schorndorf-Schornbach. Rosen mit Löwenmäulchen, Schneeballen und Steineicheblättern im Strauß, alte Suppen- und Nachttöpfe als Pflanzschalen. Ohne je das Floristen-Handwerk gelernt zu haben, gelingen Judith Blankenhorn florale Hingucker. „Ich mach’ es so, wie mir’s gefällt“, sagt die 52-Jährige, die seit acht Jahren mit ihren „Herrlichkeiten“ auf den Schorndorfer Wochenmarkt kommt. Erst lockte sie Blumenliebhaberinnen und -liebhaber auf den Oberen Marktplatz, jetzt direkt vors Rathaus.

Video: Judith Blankehorn zeigt, wie sie ihre Sträuße für den Schorndorfer Wochenmarkt bindet.

Wie die Blumensträuße und Pflanzschalen aussehen, mit denen sie samstags auf den Wochenmarkt kommt, weiß Judith Blankenhorn Mitte der Woche noch nicht. Donnerstags fährt sie auf den Großmarkt nach Stuttgart und lässt sich inspirieren: Was ist im Angebot, was passt zusammen und wie lassen sich Blumen und Grünzeug aus dem eigenen Garten mit einbinden. Als gelernte Zierpflanzengärtnerin hat sie das Blumenbinden eigentlich gar nicht gelernt – und ist vielleicht gerade deshalb so kreativ: Judith Blankenhorn bindet Sträuße, die sie sich auch selbst ins Wohnzimmer stellen würde. Und sie weiß, was ankommt: In der Wilhelma hat sie ihre Ausbildung gemacht, vier Jahre lang arbeitete sie in einer Gärtnerei, hat schon als Teenager und junge Mutter immer wieder auf dem Wochenmarkt gejobbt.

Arbeiten im Freien: Beim Binden und beim Verkaufen auf dem Markt

Freitags, wenn es das Wetter zulässt, schafft sie an ihrem Gartentisch auf der heimischen Terrasse. Sie bindet Blumensträuße aller Art und Kränze. Sie bepflanzt Gefäße und verwendet als Pflanzschalen alte Suppenterrinen und Nachttöpfe aus Porzellan, für die sie bis ins Bayerische auf Flohmärkte fährt. Ist es zu kalt oder nass, weicht sie zum Blumenbinden in den engen Kellerraum aus, den sie sich in ihrem Schornbacher Haus eigentlich als dunkles, kaltes Blumenstraußlager freigeräumt hat. Doch schöner ist’s, wenn sie im Freien arbeiten kann – in Kontakt mit der Natur. Sie nimmt jede Blume in die Hand, wägt ab. „Ich lauf’ dann mit den Sträußen durch den Garten und schau, was dazu passen könnte.“ Mittlerweile weiß sie, wie viele Sträuße sie verkaufen kann, vor Ostern-, Muttertag, Allerheiligen und Weihnachten kalkuliert sie eine größere Nachfrage ein. Auf den Punkt, wenn’s geht: Mehr als ein, zwei Sträuße will sie eigentlich nicht wieder mit nach Hause nehmen. Doch sie bindet auch auf Bestellung, für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen.

Der Transport zum Markt ist aufwändig

Freitagabends räumt Judith Blankenhorn dann gemeinsam mit ihrem Mann das Marktauto voll: Und obwohl der alte Ford-Granada ein echtes Raumwunder ist, an Samstagen sind dann doch zwei bis drei Fuhren von Schornbach auf den Wochenmarkt nötig. Da sie alle Sträuße in mit Wasser gefüllten Gläsern und Holzkisten transportiert, „ist es sehr aufwendig“, sagt die 52-Jährige und steht an Markttagen in der Früh um 5 Uhr auf, damit sie spätestens um 7 Uhr für die Marktkunden bereit ist.

Jeden Tag im Laden stehen wäre nicht ihr Ding

Für Judith Blankenhorn ist der Marktstand eine Möglichkeit, in überschaubarem Rahmen selbstständig zu sein. Jeden Tag im Blumenladen stehen, das wäre nicht ihr Ding. Sie lebt mit drei Generationen unter einem Dach. Sie hat zwei Söhne, drei Enkelkinder und will Zeit für ihre Familie haben. Und sie genießt die Freiheit, die sie auch zum Kreativsein hat. Außerdem könnte sie mit eigenem Laden nicht mehr nach Lust und Laune auf Flohmärkte fahren, um schöne Gefäße für ihre „Herrlichkeiten“ zu entdecken.

Sie schätzt "das Persönliche" auf dem Markt

Dass sie ihrem Stand, den sie gebraucht bei Ebay aufgetan hat, ausgerechnet diesen Namen gegeben hat, ist für sie auch ein Bekenntnis: Zu Gott als Schöpfer all der Herrlichkeiten, mit denen sie Sträußen binden oder Gefäße bepflanzen kann. Nicht ihre Leistung will sie damit in Vordergrund stellen, für sie gebührt „Gott alle Ehre“. Schließlich gibt es „so viel schöne Blumen“: Mohn, Anemonen, Pflingstrosen, ja sogar Nelken in der richtigen Kombination. Wenn’s geht von regionalen Anbietern. Dazu kommt, dass sie die Stunden auf dem Markt genießt, zumindest im Frühjahr und im Sommer, wenn die Leute mit Lust und Laune über den Wochenmarkt flanieren. Sie mag den Kontakt mit den Marktgängern, „das Persönliche“. Und nur, weil’s im Winter manchmal gar zu grauslich ist, bleibt sie nach Weihnachten ein paar Wochen zu Hause, so wie im August und am SchoWo-Samstag auch. Ansonsten aber ist sie Marktliebhaberin – aus Überzeugung: „Wenn die Marktbeschicker nicht da wären“, sagt Judith Blankenhorn, „wäre die Innenstadt samstags genauso leer wie unter der Woche“.