Schorndorf

Blasmusikfestival zum Start der Plüderhäuser Festtage

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© Ramona Adolf

Plüderhausen. Die Leistungsschau Blasmusikfestival als Teil der Plüderhäuser Festtage, acht Kapellen, zwei Bühnen, 300 Musiker an einem Abend, fordert hörbar. Die Musikvereine antworten mit einem gehobenen Unterhaltungsprogramm. In den Repertoires finden sich mehr Internationales und Poppiges denn Polka und Marschmusik. Nach den Vorfällen auf der benachbarten SchoWo wurden die Sicherheitsvorkehrungen bei den Festtagen erhöht. Laut Polizeisprecher Ronald Krötz gab es in der Nacht zum Freitag aber keine besonderen Vorkommnisse.

Vielleicht liegt es auch daran: Der Musikverein Geradstetten und die Kollegen von Haubersbronn, die das mittlere Remstal vertraten, haben beide junge Stabführer vorne dran. Und allemal geschulte. Philipp Heidemann, bei den Haubersbronnern, macht gerade sein Referendariat fürs Gymnasium, holte sich nebenher sein Diplom bei der Dirigentenakademie in Memmingen. Es sei schon so, dass sie fürs Straßenfest auch die Noten für eine Polka oder einen Marsch auspacken können. Hier aber, bei diesem Kräftemessen in der Liga der eher konzertanten Blasmusik, durfte es Dixie sein, ein rockiger Opener, italienische Pop-Klassiker und immer wieder Gesang mit zwei jungen Stimmen, die zupackende Bühnenpräsenz ausstrahlen. Die Stimme ist eben doch das emotionalste Instrument. Mitgesungen wird doch etwas schneller als mitgeklatscht.

Ein gehobenes Programm

So wie hier bei diesem Festzelttermin mitten unter der Woche auch niemand ruckzuck auf den Bierbänken steht. Die Bereitschaft hinzuhören, die Leistung gelten zu lassen, ist groß. Und das führt zu dem, was man ein gehobenes Programm nennt. Ablesbar auch an der Performance des Musikvereins Geradstetten. Der startet mit Robbie Williams „Let me entertain you“. Oder dann: Rio Reisers „König von Deutschland“ ist ein Gassenhauer, bei dem viele automatisch ihre Lippen bewegen. Und bei „Es wird Nacht Seniorita“ ist viel mehr die Percussiongruppe gefragt als das sonst tonangebende Blech, das seine Sache eh souverän macht. Man muss halt die gewisse Rampensau im Ensemble haben. Bei den Geradstettenern ist es Martin Gradner, der Mann am Mikro.

Blasmusik geht neue Wege

Das ist der eine Weg, den die Blasmuisk geht, Richtung gehobene Stimmungsmusik, konzertantem Brass-Abend. Dann gibt es, die Bayern und die Österreicher machen es vor, junges Blech mit studierten Leuten, die bewusst auf Balkan-Power machen, hoch geschleunigte Hochzeitsmusik, Polka und gern gegen den Strich gebürstete Volksmusik. Beim Blechduell des SWR 1 ist viel davon zu hören von diesen neuen Ansätzen, erzählt Moderator Michael Branik am Rande des Plüderhäuser Zeltfestes.

In diesem wie im anderen Fall bekommt die Blasmusik den Anstrich von etwas Hippem. Deshalb hocken auch in Plüderhausen viele junge im Dirndl, weil es irgendwie cool ist, diese alpenländisch operettenhafte Verkleidung, auf den Bänken. Das hat sein Gutes.

Mehr Sicherheitsvorkehrungen nach SchoWo-Vorfällen

Auch die Plüderhäuser Festtage 2017 finden unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen statt, mehr Security, mehr Polizei. Besondere Vorkommnisse gab es in der ersten Nacht indes nicht. Wenn Festtage ein Thema haben, einen klaren Zuschnitte für jeden Abend, also donnerstags eine Blasmusikleistungschau, samstags eine Party-Band, sonntags, jetzt neu, mit Viara Blech „die Legenden des Woodstocks der Blasmusik“, dann wertet das die ganzen Tage auf. Es gibt auch höhere Bierzeltkultur. Und Kultur calmiert, beruhigt, will man gerne annehmen. Mal sehn.