Schorndorf

Blumen und Gemüse: Marke Eigenbau

1/4
Damm_0
Axel Damm an seinem Stand auf dem Schorndorfer Wochenmarkt – so kennen Marktgänger den 45-Jährige. © Ramona Adolf
2/4
ff548d13-758c-409e-9cd6-98ee703ef9aa.jpg_1
Anja Damm (rechts) und ihre Mitarbeiter binden Blumensträuße eimerweise. © Schneider / ZVW
3/4
d3e7116b-61ce-41ac-adde-6477568e8b01.jpg_2
Irgendwas blüht in den Gewächshäusern oder im Freien immer. In diesem Fall: Levkojen. © Schneider / ZVW
4/4
92e81f6a-9b44-4879-9369-eb54791dbed6.jpg_3
Im Folienhaus wächst das Gemüse, das die Gärtnerei Damm aber nur in Schorndorf verkauft. © Schneider / ZVW

Schorndorf/Lorch-Rattenharz. Axel Damms Stand auf dem Wochenmarkt misst acht auf vier Meter. Mehr ist in Schorndorf nicht drin. Doch hinter der Verkaufsfläche, die er und seine Frau mit den Mitarbeitern jeden Dienstag und Samstag auf dem Marktplatz aufbauen, steht ein großer Gärtnereibetrieb in Rattenharz. Eigentlich auf Topf- und Schnittblumen spezialisiert, wird dort aber extra für die Schorndorfer Kundschaft Gemüse angepflanzt.

Dienstags in Schorndorf, in der Stuttgarter Innenstadt und auf dem Großmarkt, mittwochs in Gmünd, donnerstags noch mal Stuttgart, freitags in Murrhardt und Sillenbuch und samstags in Schorndorf, in Gmünd und auf dem Großmarkt. Die Masse an Topf- und Schnittblumen, die die Gärtnerei Damm im Laufe der Woche bis nach Tübingen verkauft, wächst nicht irgendwo, sie wächst in Rattenharz: in einem 2500-Quadratmeter-Gewächshaus, in einem Folienhaus, einem 500 Quadratmeter großen Rosenhaus und auf zwei Hektar Freifläche. Ist im Winter auf den Gewächshaustischen Platz, wird dort auch Feld- und Pflücksalat gezogen. Und im Sommer auf den Tulpenbeeten im Freien und den abgeernteten Reihen in den Gewächshäusern Gemüse – für die Schorndorfer Kundschaft.

„Das hat mein Vater schon angefangen“, sagt Damm und will den Gemüsebau, an dem er selbst großen Spaß hat, nicht seinlassen, selbst wenn’s im Grunde nicht mehr als ein Hobby ist. Und weil die Pflanzen noch in richtig gutem Boden wachsen, weil er den Pflanzenschutz klein hält, Unkraut vor allem mit verrottbaren Maisstärke-Folien über dem Boden bekämpft und lieber mit Hornmehl und Mist als mit Chemie düngt, sehen seine Gurken, seine Tomaten, Bohnen, Paprika, Auberginen und Zucchini nicht nur gut aus, sie schmecken auch nach was. Seine leckeren Cocktailtomaten verkauft er im Sommer gleich tütenweise. Regional ja, bio fast – doch zertifiziert sind sie nicht, „weil vorher Tulpen auf der Fläche gestanden sind“. Und ohne Fungizide, also Pilzvernichter, kommt der Gärtner bei den Blumen nicht aus, und ganz ohne den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat auch nicht. Auch, weil er nicht zusehen will, wie Schädlinge die Pflanzen wegputzen, die er monatelang hochgezogen hat.

Im Jahr 2000 hat Axel Damm die Gärtnerei am Rattenharzer Ortsrand von seinem Vater übernommen und nach und nach modernisiert – mit Klimacomputern in den Gewächshäusern und automatischer Bewässerung drinnen und draußen. Um Kosten zu sparen, wird das Regenwasser gesammelt und recycelt. Und Rosen im Winter – das gibt es bei ihm nicht. Nach dem Winterschlaf treiben die Stöcke, die zum Teil noch sein Vater gepflanzt hat, im Februar das erste Mal aus – „und auf Muttertag gibt es dann die erste deutsche Rose“, sagt Damm, an dessen Marktständen aber vor allem die bunten, jahreszeitlichen Sträuße mit Pfingstrosen, Zinien, Löwenmäulern, Levkojen, Ringelblumen und Bartnelken ins Auge stechen, die Damms Frau Anja und Floristin Nicole Hess mit Tesafilm zusammenbinden. „Ich finde“, sagt der 45-Jährige, „Blumen muss man nicht 20 000 Kilometer durch die Gegend fliegen.“

Und so gibt Damm auch die Jungpflanzenproduktion nicht aus der Hand, zieht allein 20 000 Löwenmäuler und 40 000 Sommerastern aus Samen hoch. Einzig die Tulpenzwiebeln kauft er in Holland. Doch die 45 000 Tulpen, die in diesem Frühjahr in den Verkauf gingen, sind in Rattenharzer Erde gewachsen. 2017 sollen’s sogar 50 000 werden. „Wir haben einen hohen Durchlauf“, sagt Damm und versichert, dass an seinen Marktständen nur frische Ware in den Verkauf kommt, zum zweiten Mal wird der Kundschaft nichts angeboten.

Urlaub nur über Weihnachten – „ansonsten fulltime“

Unter den Schorndorfer Marktbeschickern, die selbst produzieren, ist Damm sicher einer der größten. Und obwohl er als Gärtnermeister auch in einem großen Schnittblumenbetrieb in Dortmund etwas hätte werden können, er hat sich der Region und dem Vater verpflichtet gefühlt. Mit aller Konsequenz: Urlaub ist nur über die Weihnachtszeit drin – aber auch nur, weil er auf Allerheiligen- und Adventsgestecke verzichtet. Eine Sechs-, wenn nicht Sieben-Tage-Woche ist Standard: „Die Blumen kennen keinen Feiertag.“ Zweimal die Woche, wenn er um halb vier beim ersten Kunden sein muss, steht Damm um zwei Uhr nachts auf. Geht’s freitags und samstags auf die Wochenmärkte, klingelt um vier der Wecker, montags und mittwochs um sieben – und sonntags in der Saison um acht. Dabei ist vor sechs, sieben Uhr abends eigentlich nie Schluss. Ohne sechs Saisonarbeiter, die die vier Festangestellten unterstützen, würde es nicht gehen. Doch die Saisonkräfte kommen zum Teil seit mehr als zehn Jahren aus Polen nach Rattenharz, wohnen in Damms Haus unterm Dach – und spielt bei der Fußball-EM Deutschland gegen Polen, wird bestimmt wieder gemeinsam geguckt.

Doch so anstrengend die Arbeit auch sein mag: Damm ist Gärtner durch und durch. „Das ist alles Handarbeit“, sagt er nicht ohne Stolz. Und das Verkaufen auf dem Wochenmarkt hat es ihm sowieso angetan: „Das ist was total Schönes.“ Der direkte Kontakt zu den Kunden, das familiäre Verhältnis zu den anderen Beschickern, selbst wenn man im Wettbewerb steht: „Jeder weiß“, sagt Damm, der auch Sprecher der Schorndorfer Beschicker ist, „nur mit den anderen funktioniert’s.“