Schorndorf

Brand in Gärtnerei Gropper: Verfahren eingestellt

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Schon wieder eine Scheibe kaputt und ein Reifen zerstochen, am vergangenen Wochenende hat wieder jemand an diesem Transporter von Gärtnerei-Inhaber Martin Gropper zugeschlagen – wie schon im Dezember 2018. © ZVW/Reinhold Manz
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Gropper
So sah es nach dem Brand vor bald einem Jahr in den Gewächshäusern der Gärtnerei Gropper aus, die Polizei hatte den Tatort für die Ermittlungen abgesperrt. © Gaby Schneider

Remshalden. Das Ermittlungsverfahren wegen des Brandes in den Gewächshäusern der Gärtnerei Gropper vom März 2018 gegen den Verpächter ist eingestellt. Dieser büßt derzeit eine Haftstrafe wegen Körperverletzung ab, hat aber immer noch Freigang. Martin Gropper, der sich von ihm seit Jahren terrorisiert sieht, hat jetzt genug.

Es ist eine Flucht, daran lässt Martin Gropper keinen Zweifel. „Wir haben hier alles, was menschlich und betrieblich zu ertragen ist, durchgemacht – jetzt ist einfach mal Schluss“, sagt er. Bei dem, was Martin Gropper und seine Frau Katrin Strotbek in den vergangenen zehn Jahren erlebt haben, muss man sich eher fragen, warum sie es überhaupt so lange ausgehalten haben.

Den neuesten Vorfall zeigt Martin Gropper im hinteren Bereich seiner Gewächshäuser. Hier hatte er übers Wochenende seinen blauen VW-Transporter abgestellt. Hinten links hat jemand die Scheibe eingeschlagen und den Reifen zerstochen. Der Gärtnerei-Betreiber deutet auf die Überwachungskameras, die er angebracht hat, weil solche Dinge ständig passieren. Doch sie haben nichts aufgezeichnet, weil sie keinen Strom haben. „Den hat er seit Monaten abgeschaltet“, sagt Martin Gropper.

„Er“, das ist Thomas Mayer, von dem Gropper die Gärtnerei gepachtet hat. Dass sein Name in der Zeitung steht, damit hat er kein Problem. Er habe nichts zu verbergen, sagt er. Alle Vorwürfe – Sachbeschädigung, Bedrohung, Körperverletzung – streitet er ab. Dass er den Strom abstellt, leugnet er dagegen nicht. Das habe nach dem Brand die Polizei verlangt, behauptet er.

Der Brand im März 2018 brachte die jahrelangen Vorgänge rund um die Gärtnerei Gropper ans Licht der Öffentlichkeit. Es ist ein Fall, der auch für erfahrene Anwälte, die damit zu tun haben, beispiellos ist. Das Feuer zerstörte einen großen Teil der Gewächshäuser am Kelterwiesenbach in Geradstetten. Sehr schnell danach ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Thomas Mayer. Das Verfahren ist nun allerdings eingestellt.

„Man konnte trotz bestimmter Verdachtsmomente nicht mit einem hinreichenden Grad der Wahrscheinlichkeit den Tatnachweis führen“, sagt Heiner Römhild, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Das heißt aber nicht, dass die Sache für immer zu den Akten gelegt ist: „Wenn in der Zukunft neue Beweise auftauchen sollten, dann könnte man das Verfahren jederzeit wieder aufnehmen.“

Zum jetzigen Zeitpunkt muss man also klar sagen: Wer das Feuer gelegt hat, ist völlig offen. Die Überzeugung von Martin Gropper, dass Thomas Mayer dahintersteckt, reicht nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung, ein wichtiges Prinzip des Rechtsstaats. Doch den Glauben an den Rechtsstaat haben Martin Gropper und Katrin Strotbek mittlerweile verloren. Mehr als 20-mal, zählt er auf, sei er gegen Thomas Mayer vor Gericht gewesen. Aber: „Er hält sich an kein Urteil, an keine Vereinbarung, er macht, was er will.“

Der Strom ist ein Beispiel: Gropper hat Gerichtsurteile, die ihm bestätigen, dass er als Pächter Zugang zu den Sicherungen haben muss, wenn der Strom ausfällt. Doch Mayer verweigert ihm das bis heute. Durch den seit Monaten fehlenden Strom hat Martin Gropper kein richtiges Licht und keine Heizung in den Sozialräumen seiner Mitarbeiter, Fax und Telefon funktionieren nur über lange Verlängerungskabel.

51 000 Euro schulde Mayer ihm inzwischen, auch das habe er gerichtlich bestätigt. Der Betrag umfasst Reparaturen sowie Anwalts- und Gerichtskosten. Aber Mayer lache im Gerichtssaal über solche Urteile, sagt Gropper. Die Forderungen erkennt er nicht an.

26 Monate Haft wegen Körperverletzung

Gegenüber unserer Zeitung sagt Thomas Mayer: Für die Sachbeschädigungen sei der Gärtnerei-Betreiber selbst verantwortlich. Außerdem gingen auch die zerstochenen Reifen am Auto von Mayers Lebensgefährtin und Schmierereien an den auf seinem Grundstück abgestellten Wohnwagen auf dessen Konto. Bei anderer Gelegenheit meint Thomas Mayer zu den Schäden an Groppers Transporter: „Ich weiß, wer es war, aber ich sag’ nichts.“

Er musste sich mehrfach in Strafprozessen vor Gericht verantworten. Nach einer Reihe von Geld- und Bewährungsstrafen wegen verschiedener Delikte von Freiheitsberaubung bis Körperverletzung musste Mayer im Sommer 2018 eine Haftstrafe antreten: 16 Monate wegen Körperverletzung. Er war einem Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts, den Martin Gropper engagiert hatte, mit einer Eisenstange zu Leibe gerückt. Währenddessen wurde ein zweites Urteil rechtskräftig: zehn Monate wegen Körperverletzung. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass er seinen damaligen Wohnungsmieter gewürgt hat. Auch all das bestreitet Thomas Mayer nach wie vor.

Martin Groppers Hoffnung, durch die Haft würde Ruhe einkehren, erwies sich als trügerisch. Es dauerte nicht lange, da bekam Thomas Mayer Freigang. Nach eigener Aussage geht er täglich seiner Arbeit bei einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb nach und muss nur zum Schlafen ins Freigängerheim nach Ludwigsburg. Am Wochenende ist er ganz zu Hause. Zuvor, in der Justizvollzuganstalt Ulm, habe er „wie im Schullandheim“ gelebt.

Es sind solche Aussagen und die immer weiter andauernden Sachbeschädigungen und Schikanen durch den abgestellten Strom, die Martin Gropper zu dem Fazit bringen: „Man sieht, dass Gewalt und Terror siegen. Kein Anwalt, kein Richter, kein Urteil und auch keine Polizei werden mit ihm fertig. Ich bin schutzlos ausgeliefert.“

Umzug nach Beinstein zum Betrieb von Bruder Thomas Gropper

Nach zehn Jahren in Remshalden tut er nun das, was ihm alle schon immer nahegelegt haben: „Wir werden jetzt, so schmerzvoll, wie es ist, einen Schlussstrich ziehen“, sagt er. Mit seiner Gärtnerei und der Blumen-Markthalle zieht er um nach Beinstein und tut sich mit seinem Bruder Thomas zusammen, der dort den elterlichen Betrieb „Stauden Gropper“ führt. Noch in diesem Jahr soll der Umzug über die Bühne gehen.

Warum hat er diesen scheinbar naheliegenden Schritt eigentlich nicht schon früher getan? „Weil es wehtut, so eine Entscheidung zu treffen“, sagt er. Er und Katrin Strotbek hätten nicht nur viel Geld, sondern auch Herzblut in den Aufbau des Betriebs gesteckt. Und: „Wir hatten immer die Hoffnung, dass das alles mal aufhört.“

Offener Vollzug und Freigang

Ist die Justizvollzugsanstalt Ulm ein „Schullandheim“, wie Thomas Mayer sagt? Anstaltsleiter Ulrich Schiefelbein entgegnet auf Anfrage ganz ruhig und offen, dass diese Beschreibung durchaus zutreffend sei. Die Wohngruppen des offenen Vollzugs könnten durchaus an eine Jugendherberge erinnern.

Offener Vollzug heißt, wie Schiefelbein erklärt: Dieser Bereich ist „gegen Entweichen nicht besonders gesichert“. Die Hafträume, also die Zellen, seien nicht abgeschlossen, es gebe keine Gitter vor den Fenstern. Offener Vollzug sei für einen Häftling zum Beispiel dann möglich, wenn man nicht von einer Fluchtgefahr ausgehe.

Wenn jemand sich gut führe, dann könne er nach einer Zeit außerdem Freigang bekommen, besonders dann, wenn er einen Job habe. „Die Prämisse, den Arbeitsplatz zu erhalten, ist sehr hoch“, sagt Ulrich Schiefelbein. „Das versucht man unter allen Umständen.“ Dahinter steckt der Gedanke der Resozialisierung.

Ob jemand vor Gericht Reue zeigt und seine Taten einräumt, spielt dabei keine Rolle. Heiner Römhild, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, meint dazu: „Ich habe im Strafverfahren das Recht zu leugnen, bis sich die Balken biegen.“ Für eine vorzeitige Entlassung aus der Haft sei entscheidend, wie man sich darin verhalte. Aber: „Wenn einer nach wie vor alles leugnet und meint, nichts Unrechtes getan zu haben, dann kommt er auch nicht früher raus“, so Römhild.