Schorndorf

Breiters nächste Bierdusche

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Straßenfest
Straßenfest Remshalden Geradstetten Foto: Buettner © ZVW
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Straßenfest Remshalden Geradstetten Foto: Buettner © ZVW

Remshalden. „Des Stroßenfescht steht vor d’ Türe, du kannsch die nied scho wieda blamiere“, habe Werner Beck ihm vor Fassanstich mit auf den Weg gegeben, reimte Bürgermeister Stefan Breiter bei der Eröffnung des Remshaldener Straßenfests, „sonsch bisch bald weg!“ Mit Argusaugen haben die Festgäste am Samstag Breiters Bemühungen beobachtet. Der Festreim vom Schultes war spritzig. Der Fassanstich ebenfalls. Breiter hat eine gute Erklärung dafür.

Was wäre denn, wenn der Fassanstich jedes Mal wie aus dem Bilderbuch ablaufen würde? Wenn der perfekt geschwungene Schlegel den Zapfhahn fast zärtlich und doch bestimmt dazu bewegen könnte, elegant in das Holzfass einzudringen, ohne das auch nur ein Tropfen des Bieres verspritzt wird. Das wäre doch langweilig! Sympathisches Scheitern ist angebracht, über das man spotten kann, ohne je in die Verlegenheit zu kommen, das eigene Geschick selbst unter Beweis stellen zu müssen. Wenn der Schultes sich blamiert, „do hond Leut a Freud und s’wird g’lacht, s’wird gschwätzt und sich Gedanke g’macht. Dann isch d’ Stimmung gut und s’wird luschtig! S’got nimma lang, und Leut wern hungrig und durschtig!“ Der feuchte Fassanstich ist demnach Taktik: „Und jetzt will ich euch ein Geheimnis verraten: Sollte der Fassanstich jetzt gleich wieder missraten, dann denkt drüber nach, denkt an meine Reime: Vielleicht opfert sich d’Schultes für seine Vereine!“, so Breiter mit einem Augenzwinkern. Ein Festbesucher hat eine andere Erklärung. Breiter lege es wohl darauf an, so lange im Amt zu bleiben, bis der Fassanstich irgendwann mal gelingt. Arbeitet er also an seiner Wiederwahl? Wahlkampf beim Anstechkrampf? Denn es blieb dabei: „Ich bin ein rabenschlechter Fassanstecher“, so Breiters übertrieben selbstkritisches Urteil.

Dabei hatte sich der Schultes extra einen eigenen Hammer gekauft, verriet Harald Mayerle, Vorsitzender des Musikvereins Harmonie Geradstetten. Nächstes Jahr müsse man dann wohl noch nach einem passenden Hahn gucken. Doch einige Beobachter spendeten dem Schultes Anstech-Absolution. Der Hahn sei schlecht gewesen! Die Brauerei müsse besseres Material liefern, sagt einer. Auch der Dichtungsring war defekt. Der kam dem Schultes nach ein, zwei Schlägen nämlich entgegen. Ihm folgten ein paar Liter Bier. Den Beweis liefert unserer Fotograf Benjamin Büttner. „Der erste Schlag war gut!“, sagt Stefan Breiter. Danach ging es um Schadensbegrenzung. Der Dichtungsring wurde wieder reingedrückt. Es wurde gezapft. Elf Schläge wie im vergangenen Jahr brauchte er nicht.

Aber genug gespottet. Zeit für eine Überleitung: Vielleicht sucht der Bürgermeister im nächsten Jahr auf dem Flohmarkt nach einem neuen Zapfhahn. Die Chance, dass er derlei rund ums Rathaus findet, scheint hoch zu sein, denn die Verkäufer hatten einiges im Angebot. Manche Kinder deuten das Ausmisten des Kinderzimmers als Symbol und Akt des Älterwerdens. „Mein Sohn hat gesagt, er sei jetzt groß und braucht die nicht mehr“, sagt eine Mutter, die gerade Hörspiel-CDs verkauft hat. Handeln war nicht drin: Ihr Sohn habe die CDs vorher noch getestet und festgestellt, dass keine Kratzer auf dem Tonträger sind. „2,50 Euro hat er gesagt. Ich kann nicht handeln!“, erklärt die Mutter. Machtlos gegen diese Argumente zückt der junge Mann seine Geldbörse und tauscht die Hörspiele gegen einen Schein und lässt den Jungen grüßen.

Ein Autogramm von Martin Harnik

„Die Eltern wollen ihr Haus aufräumen und fangen dabei immer in den Kinderzimmern an“, frotzelt Besucherin Kathrin. Das Fan-Sammelalbum vom VfB erweckt nicht ihre Aufmerksamkeit. Fraglich, ob die Familie dieses Heft auch beim Ligaverbleib angeboten hätte. Wird hier schon die emotionale Trennung vom VfB eingeläutet? Auch VfB-Trikots werden verkauft. Für zehn Euro hat ein Mann ein Trikot erworben. Erst später merkt er, dass ein Autogramm das Oberteil ziert: Martin Harnik! Der Käufer sollte abwarten, wie sich der Österreicher bei der EM verkauft. Vielleicht steigt der Marktwert? Böse Fußballfans spotten ja, Harnik trete im Trikot der Alpenkicker beherzter auf als im Dress der Schwaben. Abwarten.

Langsam zieht es die Flohmarkt-Besucher zum Festbereich, vorbei an der Spielstraße, am Zuckerwattestand und dem Stand der Schachspieler. 21 Vereine machen beim Straßenfest mit, freuen sich die Veranstalter um Jasmin Lehner. Fünf mehr als im vergangenen Jahr. Breiter hatte den Festausschuss in seiner Rede gelobt. Ohne diese wenigen Organisatoren könnten die vielen Besucher nicht feiern. Professionell, kompetent und mit Spaß laufe die Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Helfern und Rathaus ab, machte Breiter deutlich. Auch dafür überreichte er Jasmin Lehner einen Gutschein fürs Oskar-Frech-Seebad.

Papp-Boot-Regatta wird fortgesetzt

Auf den Flohmarkt am Samstag folgte am Sonntag der Kunstmarkt der Hobbyfreunde Remshalden. Vorab fand auf der Bühne ein ökumenischer Gottesdienst statt. Geselligkeit und Musik prägten den zweiten Festtag in Geradstetten. Dort fanden die Feierlichkeiten erneut statt, weil der Ortsteil sein 725-jähriges Jubiläum begeht. Vielleicht waren auch deshalb 48 Franzosen aus Gournay-en-Bray im Remstal, die Stefan Breiter – „bienvenue“ – in ihrer Landessprache begrüßte und über deren zahlreiches Erscheinen sich nicht nur Walter Kern, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees, freute, sondern auch die Besucher, denn es gab Leckereien aus der Normandie.

Eine schöne Erweiterung des Programms war den vorangegangenen Wetterkapriolen geschuldet: Bei der Rems Total musste die Papp-Boot-Regatta vertagt werden. Ein paar Boote gingen am Sonntag an den Start. Es musste das schnellste Exemplar gekürt werden. Schnelle Beine mussten einige Besucher haben, denn nahe Parkplätze waren Mangelware. Dafür gab’s den Shuttlebus. Auch die Mitarbeiter vom Ordnungsamt waren im Dienst. Die mussten sich aber eher um Parksünder kümmern, denn auf dem Fest blieb es friedlich, so Jasmin Lehner. Sie ist zufrieden. Wegen des Wetters war es aber nicht ganz so voll. Stefan Breiter hatte seine Pflicht jedenfalls erfüllt. Er hatte für Gesprächsstoff gesorgt.

Remshalden. „Des Stroßenfescht steht vor d’ Türe, du kannsch die nied scho wieda blamiere“, habe Werner Beck ihm vor Fassanstich mit auf den Weg gegeben, reimte Bürgermeister Stefan Breiter bei der Eröffnung des Remshaldener Straßenfests, „sonsch bisch bald weg!“ Mit Argusaugen haben die Festgäste am Samstag Breiters Bemühungen beobachtet. Der Festreim vom Schultes war spritzig. Der Fassanstich ebenfalls. Breiter hat eine gute Erklärung dafür.

Was wäre denn, wenn der

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