Schorndorf

"Bufdi" im Waldkindergarten: Schorndorfer Waldwichtel suchen Unterstützung

Waldwichtel
Die „Waldwichtel“ suchen Unterstützung. © Alexandra Palmizi

Nach dem Abi ein Jahr als Au-pair-Mädchen nach Paris oder Work and Travel in Australien? Wegen der Corona-Krise ist das gerade schwer möglich. Wer Helfer aus dem Bundesfreiwilligendienst (Bufdis) sucht, sollte derzeit also freie Auswahl haben.  Das Gegenteil ist der Fall. Händeringend sucht der Waldkindergarten in Weiler junge Leute, die mit den Kindergartenkindern im Wald Pfützen erkunden, kleine Krabbeltiere untersuchen Lägerle bauen und die Erzieherinnen bei der täglichen Arbeit unterstützen wollen. Kinderlieb sollte ein Bufdi im Waldkindergarten natürlich sein. Spaß an einer Arbeit im Freien sollte er haben. Und ein Weichei sollte er auch nicht gerade sein. Denn auch bei klirrenden Temperaturen unter null gehen die Kleinen zwischen zwei und sechs Jahren fast jeden Tag zu ihren Lieblingsplätzen in den Wald.

Warm eingepackt auch bei Minusgraden im Wald

Morgens um 9 Uhr am Waldrand bei den Schorndorfer Waldwichteln. Die fahle Wintersonne hängt über den Bäumen. Minus 5 Grad zeigt das Thermometer im Auto an, doch eine Gruppe kleiner Waldwichtel am Wegrand stapft warm eingepackt vorbei in Richtung Wiese. Wo früher die Kleintierzüchter aus Weiler ihre Hasen gezüchtet und Tauben aufgezogen haben, ist der Waldkindergarten Waldwichtel untergekommen. Bauwagen stehen für die Kinder bereit, die ehemalige Halle der Kleintierzüchter haben sie bei deren Auflösung übernommen, sie dient nun als Rückzugsort. Das allerdings nur in Zeiten, in denen das Wetter besonders unangenehm ist. „Wenn es draußen stürmt, nasskalt ist oder auch in den Übergangszeiten“, erklärt Kindergartenleiterin Raphaela Flor. „Normalerweise sind wir aber draußen.“

52 Kinder in drei Gruppen

Seit Beginn leitet sie den 2003 gegründeten Waldkindergarten, der damals aus einer Elterninitiative raus entstanden war. Heute werden bei den Waldwichteln 52 Kinder aus allen Stadtteilen in drei Gruppen betreut:  In zwei Ü-3-Gruppen gibt es Platz für jeweils 20 Kinder, in einer Kleinkind-Gruppe Platz für zwölf Kinder ab zwei Jahren.  Kita-Zeit ist von 7.30 bis 14 Uhr. Wie in anderen Kindergärten gibt es einen Morgenkreis, bei dem die Kinder begrüßt werden, wo über den Tag gesprochen wird und Lieder gesungen werden. Danach sind die Kinder bis 12.30 Uhr im Wald unterwegs.

Im Waldkindergarten ist auch der Weg das Ziel

Wovon viele Eltern von Laufmuffeln nur träumen können: Jeden Tag gehen die Waldkita-Kinder zwischen 20 Minuten und einer Stunde durch den Wald, berichtet Raphaela Flor. Jede Gruppe extra. „Wir haben verschiedene Plätze, und der Weg dorthin dauert unterschiedlich lang.“ Doch der Weg ist auch das Ziel: Dieser Satz gilt im Waldkindergarten ganz besonders. Schon unterwegs fangen die Kinder an zu spielen, werfen mit Stöckchen, matschen in Pfützen oder schlittern über eisige Stellen. Auf einer Waldlichtung oder einer Wiese legen sie dann ihre Rucksäcke ab, der Beach-Rolli mit der Erste-Hilfe-Ausstattung, anderen Utensilien und dem Fenster kommt an den Rand, dann wird gespielt. „Das ist die wertvollste Zeit“, erklärt Raphaela Flor. Auch gefeiert wird im Wald, Bücher werden vorgelesen und die Sprachfähigkeit wird nach Aussagen der Erzieherin schon deshalb ständig trainiert, weil sich die Kinder bei ihren Spielen untereinander absprechen müssten. „Eine tolle Geschichte“, findet Alexis Inotay, zweifacher Vater und ehrenamtlicher Vorstand des Vereins „Schorndorfer Waldwichtel“. Bei seinen knapp fünfjährigen Zwillingen habe der Waldkindergarten dazu geführt, dass er mit den beiden wandern gehen könne.

Im Waldkindergarten geht es viel ruhiger zu als in anderen Kitas

Einer der größten Unterschiede zu einem herkömmlichen Kindergarten ist für Raphaela Flor allerdings die Lautstärke. „Es ist viel ruhiger als in einem Raum.“ Die Kinder fänden Platz zum Spielen, könnten ausweichen und auch alleine spielen. Dazu kommt das Erlebnis, den Jahreskreislauf hautnah spüren zu können und natürlich die ständige Bewegung. „Die ist megacool“, sagt die Erzieherin. „Die Kinder entwickeln Biss, kommen auch mal an ihre Grenzen.“

Mit dabei sind pro Gruppe immer zwei Erzieherinnen und eine weitere Betreuungskraft, die normalerweise Bufdis sind. „Die Bufdis sind bei allem dabei, übernehmen kleinere Arbeiten, nehmen den Rolli und unterstützen die Erzieherinnen“, sagt Raphaela Flor. Weil es keine Krankheitsreserve gibt, werden die Bufdis auch als Vertretung gebraucht. „Sie sind wichtig, um bei personellen Engpässen eingreifen zu können“, sagt Alexis Inotay.

Die Stellen werden ausgeschrieben, zudem macht der Waldkindergarten Werbung in Schulen und setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Gleichwohl konnten in diesem Jahr statt vier nur zwei Bufdis eingestellt werden. Der Engpass wird aktuell durch eine Aushilfskraft aufgefangen, junge Leute werden aber weiter gesucht und sind willkommen. Der Job ist bis zum Ende des Kindergartens befristet, kann aber verlängert werden. Bei Interesse: info@schorndorfer-waldwichtel.de.

Nach dem Abi ein Jahr als Au-pair-Mädchen nach Paris oder Work and Travel in Australien? Wegen der Corona-Krise ist das gerade schwer möglich. Wer Helfer aus dem Bundesfreiwilligendienst (Bufdis) sucht, sollte derzeit also freie Auswahl haben.  Das Gegenteil ist der Fall. Händeringend sucht der Waldkindergarten in Weiler junge Leute, die mit den Kindergartenkindern im Wald Pfützen erkunden, kleine Krabbeltiere untersuchen Lägerle bauen und die Erzieherinnen bei der täglichen Arbeit

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