Schorndorf

Bundesweite Aktionswoche: Schorndorfer Suchtberatungsstelle bietet spezielle Kinder- und Elterngruppen an

Kita Kind Schuh Symbol
Ein Kind bindet sich den Schuh. © congerdesign/Pixabay

In der Suchtberatungsstelle in Schorndorf hören die Mitarbeiter oft genug den Satz: „Mein Kind bekommt das alles nicht so mit.“ Dabei wissen die Fachleute: Kinder bekommen mehr mit, als man denkt. Egal ob die Erwachsenen versuchen, heimlich Drogen zu konsumieren oder auch zu verstecken, Kinder haben ein so feines Gespür, dass sie gut registrieren, wenn etwas mit den Eltern nicht stimmt und es den Eltern schlechtgeht.

In Deutschland leben etwa drei Millionen Kinder mit mindestens einem suchtbelasteten Elternteil. Damit verbringt jedes sechste Kind seinen Alltag in einem suchtbelasteten Familienumfeld. Im Rahmen der Aktionswoche wollen Nacoa Deutschland, die Interessenvertretung für Kinder aus suchtbelasteten Familien (www.coa-aktionswoche.de), und die Initiative Sucht- und Wendepunkt durch bundesweite Aktionen auf diese Kinder und ihre Schicksale aufmerksam machen.

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, stellt fest: „Die Sucht im Elternhaus ist für viele Kinder eine existenzielle Belastung: Dauerstress, Verunsicherung und Scham bestimmen ihren Alltag. All das bleibt nicht ohne Folgen. Zwei von drei Kindern aus suchtbelasteten Familien werden später selbst suchtkrank oder leiden unter anderen psychischen Erkrankungen.“ Nacoa ergänzt dazu: „ … diese Kinder sind auch extrem widerstandsfähig, haben vielfältige Begabungen und Kompetenzen. Mit der richtigen Art von Unterstützung können sie sich zu gesunden, lebenstüchtigen Erwachsenen entwickeln. Kinder suchtkranker Eltern brauchen Zuwendung von vertrauenswürdigen Erwachsenen außerhalb ihrer Kernfamilie.“

Aus diesem Grund gibt es in der Suchtberatungsstelle des Kreisdiakonieverbandes Rems-Murr-Kreis Gruppenangebote für Kinder suchtkranker Eltern. Während die Eltern Flucht und Betäubung in ihrer Abhängigkeit finden, sind die Kinder ständigen Auseinandersetzungen, Enttäuschungen, oft genug auch Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch ausgesetzt.

Der Familienalltag orientiert sich nicht ausreichend nach den Bedürfnissen der Kinder, sondern ist durch den Suchtmittelkonsum geprägt. Aus dieser Einsicht heraus besteht schon lange bei der Psychosozialen Beratungsstelle Schorndorf ein Angebot für Kinder, die aus Familien mit Suchtproblemen stammen.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Kind selbst mit all seinen Bedürfnissen, seinen Gefühlen, seinen Interessen und Fähigkeiten. Bei Spiel, Spaß und positiven Erlebnissen können die Kinder ihre eigene Wertschätzung, Selbstliebe und Selbstvertrauen aufbauen. Vergrabenes Potenzial soll entdeckt und neu mobilisiert werden.

Die Gruppe ist auch ein Ort, an dem die Kinder mit ihrer Scham und ihren Schuldgefühlen über die Problematik in ihren Familien angenommen werden; sie erfahren Verständnis und erhalten Unterstützung.

Das Angebot findet einmal wöchentlich an einem Nachmittag statt. Geleitet werden die Gruppen von zwei erfahrenen Fachkräften. Für eine gelingende Gruppenarbeit ist die Zusammenarbeit mit den Eltern gewünscht.

Nicht nur dem Kind selbst, sondern auch den Eltern sollen Hilfen für die Bewältigung ihrer Lebenssituation angeboten werden. Es geht um die Stärkung ihrer Erziehungskompetenz und darum, sie in ihrer elterlichen Verantwortung zu unterstützen. Es finden deshalb regelmäßige Elterngespräche statt.

Ein spezielles Präventionsprojekt für Eltern aus Familien mit Suchtproblemen bietet darüber hinaus die Elterngruppe „SALTO“. In der Elterngruppe werden Angehörige und von Sucht betroffene Eltern begleitet, damit sich die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz sicher fühlen und ihre Kinder besser unterstützen können.

An den insgesamt sechs Gruppenabenden werden Themen besprochen wie: Was bedeutet eine Suchterkrankung für die Familie? Welche Gefühle haben wir Eltern? Wie geht es meinem Kind mit einer Suchterkrankung in der Familie?

Die Teilnahme an der Elterngruppe ist kostenfrei. Es bedarf aber einer vorherigen Anmeldung. Für interessierte Personen ist am Mittwoch, 24. Februar, eine Informations- und Fragerunde per Video geplant.

Weitere Informationen zu den Kindergruppen und der Elterngruppe gibt es bei Dorothea Dietewich in der Suchtberatungsstelle des Kreisdiakonieverbandes in Schorndorf, Arnoldstraße 5, unter0 71 81/4 82 96-0 oder d.dietewich@kdv-rmk.de.