Schorndorf

Burg-Gymnasium im Soll, Unterführung strittig

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Unglaublich, wie schnell das neue Burg-Gymnasium aus dem Boden und in die Höhe gewachsen ist. Das Projekt ist, wie jetzt im Ausschuss zu hören war, im Zeit- und Kostenplan. © Habermann / ZVW
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Umgestalten oder auffüllen – das ist die Frage, die sich für die Unterführung Burgstraße und für den Zu- und Abgangsbereich beim Burg-Gymnasium stellt. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Eigentlich sollte der Technische Ausschuss über den Stand der Dinge beim Neubau des Burg-Gymnasiums informiert werden, doch dann konzentrierte sich die Diskussion mehr und mehr auf die Unterführung unter der Burgstraße, die das Gymnasium mit der Innenstadt verbindet. Auslöser: der überraschende Vorschlag des Oberbürgermeisters, die Unterführung zuzuschütten und sie durch einen sicheren Übergang über die vielbefahrene Burgstraße zu ersetzen.

„Wie schnell das Gebäude aus dem Dreck gekommen ist“, stellte der Leiter des Fachbereichs Gebäudemanagement, Steffen Schultheiß, im Technischen Ausschuss anerkennend fest und berichtete denen, die nicht selber regelmäßig an der Großbaustelle vorbeikommen, dass jetzt schon an den vertikalen Aufbauten fürs zweite Obergeschoss gearbeitet werde und dass das Gebäude auch schon im Innern Form annehme, zum Beispiel durch die bereits betonierte große Freitreppe.

„Wir sind ganz gut im Zeitplan"

„Wir sind ganz gut im Zeitplan, die Firma Rommel gibt richtig Gas“, sagte Schultheiß. Und bei den Kosten sehe es bislang, da 60 Prozent des Auftragsvolumens vergeben seien und da noch in diesem Monat das nächste größere Vergabepaket geschnürt werde, so aus, dass leichte Submissionsgewinne zu verzeichnen seien. Und die, so Schultheiß, könnten dafür verwendet werden, den Auf- und Abgang zur Unterführung neu zu gestalten und so auch eine Vorplatzsituation im Übergang zum Burg-Gymnasium zu schaffen.

Eingegriffen werden müsse in diesen Unterführungsauf- und -abgangsbereich ohnehin, weil in den nächsten Wochen Kanalarbeiten durchgeführt werden müssten, sagte Schultheiß, der sich die anschließende Umgestaltung so vorstellt, dass die Umfassungsmauern aufgebrochen, dass der Bereich großzügig aufgeweitet und die Tiefenlage durch eine neue Freitreppe überspielt wird, und dass diese Treppenanlage direkt auf den Hauptzugang des Burg-Gymnasiums zuführt.

Klopfer: Heute würden wir definitiv keine Unterführung mehr bauen

Eine ganz andere und viel weitergehende Idee hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer: „Würden wir heute das Burg-Gymnasium an dieser Stelle ganz neu bauen, würden wir definitiv keine Unterführung mehr bauen“, gab Klopfer zu bedenken und machte – zur Überraschung zumindest der Fraktionen – den Vorschlag, die Unterführung dichtzumachen, was zusätzlich Raum für eine Platzsituation vor der Schule schaffen würde, und einen Übergang über die Burgstraße zu schaffen.

Was natürlich, so der Oberbürgermeister, nicht zuletzt mit Blick auf die Schüler der Schlosswall-Grundschule, die ja außer der jenseits der Burgstraße liegenden Burgturnhalle künftig auch die Mensa im neuen Burg-Gymnasium nutzen, nur mit einer Tempo-30-Regelung in der Burgstraße ginge.

Diese Unterführung jedenfalls sei das Relikt einer Verkehrsplanung der 1970er Jahre, meinte Matthias Klopfer, und fragte in die Runde, ob so ein dunkler Schlund, der jetzt schon zu bestimmten Zeiten auch von vielen Erwachsenen gemieden werde, die richtige städtebauliche Ergänzung sei zu einem Projekt wie dem Neubau des Burg-Gymnasiums. Eine Antwort darauf verspricht sich der Oberbürgermeister vor allem von einer Stellungnahme des Gestaltungsbeirats, den er vor einer endgültigen Entscheidung, die spätestens im Februar fallen müsste, genauso befragen will wie die Polizei.

Härer und Schneider sind dafür, dass die Unterführung offen bleibt

Wenn sich der Oberbürgermeister mit seinem Vorschlag durchsetzen will, dann muss er noch einige Vorbehalte überwinden – in der eigenen Verwaltung offensichtlich genauso wie im Gemeinderat. Im Technischen Ausschuss jedenfalls hielt sich die spontane Begeisterung für die Klopfer-Idee in Grenzen. Er persönlich hält nicht viel davon, eine gut funktionierende Unterführung aufzugeben und die Menschen, und dabei natürlich vor allem die Schüler, dazu bringen zu wollen, eine vielbefahrene Straße zu überqueren.

Besser wäre es, die Fußgänger und Radfahrer dazu zu bringen, dass sie die Unterführung tatsächlich benutzen, reagierte Härer auf den Hinweis von SPD-Stadtrat Martin Thomä, dass schon jetzt viele Menschen die Überquerung der Straße dem Gang durch die Unterführung vorzögen. „Prüfen ist immer gut“, zeigte sich Thomä offen für eine weitere Beschäftigung mit dem Vorschlag von Matthias Klopfer. „Prüfen ist okay“, meinte auch Grünen-Stadtrat Andreas Schneider, der persönlich aber auch dafür ist, die Unterführung offen zu lassen – wohlwissend, dass es immer wieder zu kritischen Situationen kommt, wenn Fußgänger und Radler, die sich nicht ans Absteigegebot halten, zusammentreffen.

Auf jeden Fall müsse auch mit der Schlosswallschule gesprochen werden, betonte FDP/FW-Stadtrat Kurt Mächtlen und wies beiläufig darauf hin, dass die Unterführung damals ja auch nicht ganz billig gewesen sei. Der Oberbürgermeister war am Ende der Diskussion trotz dieser Vorbehalte nicht ganz unzufrieden: „Der Impuls ist gesetzt“, stellt er fest und erinnerte daran, dass auch die Künkelinschüler regelmäßig die Burgstraße queren müssten.

Der Zeitplan

  • Bis Mitte Februar soll der Rohbau stehen, bis Mitte Mai soll das Gebäude dicht sein, für den 18. Mai ist das Richtfest geplant, danach beginnt der Innenausbau.
  • Die Innenausstattung, so Steffen Schultheiß, solle mit Bedacht ausgewählt werden, voraussichtlich im Juli kommenden Jahres solle anhand eines exemplarisch eingerichteten Klassenzimmers gezeigt werden, wie das aussehen könnte.
  • Zum Schuljahresbeginn 2018/19 soll das neue Burg-Gymnasium bezugsfertig sein, dann stehen bis Ende des Jahres 2018 noch der Rückbau der Container-Schule und die Gestaltung der Außenanlagen an.