Schorndorf

Cabrio in Schorndorf geschlossen: Warum Wolfgang Jakobus seinen Laden schweren Herzens aufgeben muss

Modehaus Cabrio
Steht bereits leer: Das Damenmodegeschäft Cabrio in der Johann-Philipp-Palm-Straße. © Gabriel Habermann

Das Modegeschäft Cabrio am westlichen Rand der Fußgängerzone hat seit Jahrzehnten zum Schorndorfer Stadtbild gehört. Nun hat der Laden, inmitten der Woche, für immer geschlossen. Die Geschäftsfläche wird bereits ausgeräumt. Für viele Schorndorferinnen und Schorndorfer kommt diese Entscheidung überraschend. Inhaber Wolfgang Jakobus erklärt, warum er seinen Laden schweren Herzens aufgeben muss.

Personalmangel: Problem vieler Einzelhändler

Erst am vergangenen Dienstag hat Wolfgang Jakobus entschieden, für immer einen Schlussstrich unter das Cabrio zu setzen. Zwei Männer laden deshalb schon am Dienstagvormittag Teile der Ladenausstattung in einen Transporter vor der Türe. Im Inneren stehen nur noch vereinzelte Schaufensterpuppen, Tische, Schränke und etwas Deko. „Es tut schon weh, wir waren gerne in Schorndorf“, sagt Wolfgang Jakobus wehmütig, während er den Blick über die Ladenfläche schweifen lässt.

Seit über 40 Jahren hat er Geschäfte in Schorndorf geführt. Früher noch unter anderem Namen am Unteren Marktplatz, später eröffnete er einen "Cabrio" dort, wo heute der Drogeriemarkt Müller ist. Seit gut 20 Jahren führte er das Damenmodegeschäft in der Johann-Philipp-Palm-Straße. Nun bleibt ihm und seiner Frau nur noch ihr Modegeschäft in Kirchheim. Das will das Ehepaar am liebsten noch ein paar Jahre weiterführen, erzählt er.

Eigentlich, so berichtet der Geschäftsmann, war noch ein Räumungsverkauf bis Ende des Jahres geplant. Doch die Krankheitswelle schlug um sich und erwischte seine Angestellten. Alle verbliebenen Mitarbeiter seien krank geworden. Deshalb findet man statt radikal heruntergesetzter Hosen und Blusen in der Johann-Philipp-Palm-Straße einen bereits halb leeren Laden vor. Personalprobleme sind einer von mehreren Gründen, warum Wolfgang Jakobus seinen Laden aufgibt. „Man findet keine Leute mehr, das hat sich seit Corona zugespitzt“, berichtet er.

Inhaber Wolfgang Jakobus hat keinen Nachfolger gefunden

Doch das ist nicht der Hauptgrund: „Wir hören altershalber auf“, sagt Wolfgang Jakobus. Eigentlich war geplant, dass seine Tochter das Geschäft übernimmt. Doch Corona, Preisexplosionen, Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die allgemeine Entwicklung im Einzelhandel haben sie dann doch davon abgehalten. Es traue sich heutzutage beinahe niemand mehr, einen Laden aufzumachen. Das sieht der Modehändler auch beim Verkauf seiner Ladeneinrichtung. Seit einiger Zeit bietet er diese im Internet an, findet aber keinen Abnehmer.

„Wenn das so weitergeht, werden die Innenstädte überall noch weiter ausbluten“, sagt Wolfgang Jakobus. Gerade in Schorndorf sehe er den Branchenmix in der Fußgängerzone bedroht. Ihm fehlen Läden mit Alleinstellungsmerkmal. „Es gibt zu viel vom Gleichen.“ Modegeschäfte werden seiner Erfahrung nach besonders vom Online-Handel bedroht. Warum das so ist, erschließt sich ihm nicht ganz. Mode muss man laut dem Unternehmer fühlen, anprobieren und erleben können. „Im Internet zu kaufen ist ein Unding bei Mode“, sagt er. Deshalb empfiehlt er den Leuten dringend, ihre Klamotten beim Einzelhändler zu kaufen.

Wolfgang Jakobus blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Cabrio-Zeit zurück: „Es tut uns wirklich leid. Wenn man über 40 Jahre in Schorndorf ist, ist man Remstäler geworden.“

Das Modegeschäft Cabrio am westlichen Rand der Fußgängerzone hat seit Jahrzehnten zum Schorndorfer Stadtbild gehört. Nun hat der Laden, inmitten der Woche, für immer geschlossen. Die Geschäftsfläche wird bereits ausgeräumt. Für viele Schorndorferinnen und Schorndorfer kommt diese Entscheidung überraschend. Inhaber Wolfgang Jakobus erklärt, warum er seinen Laden schweren Herzens aufgeben muss.

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Personalmangel: Problem vieler Einzelhändler

Erst am vergangenen Dienstag

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