Schorndorf

Carsharing: Die Nachfrage wächst

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Heinz-Peter Ulrichskötter und Bettina Beißwenger sind Wagenwart und Ansprechpartner für die Remshaldener Stadtmobil-Autos, die am Bahnhof in Grunbach stehen und derzeit von 20 Remshaldenern genutzt werden. © Schneider / ZVW

Remshalden. Im Internet buchen, zur Station gehen, losfahren. So einfach können Nutzer von Stadtmobil Carsharing in der ganzen Region in einem Gemeinschaftsauto unterwegs sein. In Remshalden haben sich die Nutzerzahlen für das geteilte Auto innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Es bleibt aber insgesamt noch viel Luft nach oben.

Video: Am Bahnhof Grunbach gibt es nun ein zweites Carsharing-Auto. Bettina Beißwenger erklärt, wie das funktioniert.

Bettina Beißwenger zieht eine Chipkarte aus ihrer Tasche und hält sie an einen Sensor, der von innen hinter der Windschutzscheibe des dunkelroten Toyota Yaris befestigt ist. Mit einem Klack öffnen sich die Türen. Drinnen zieht Beißwenger ein Gerät in Form eines größeren Taschenrechners aus dem Handschuhfach, gibt einen Code ein und zieht den Zündschlüssel aus dem Gerät heraus – und los geht’s. Fast lautlos schnurrt das Fahrzeug vom Parkplatz. Es ist ein Hybrid-Auto, das heißt, es fährt mit Strom und Benzin.

Seit kurzem steht der Yaris als zweiter Stadtmobil-Wagen am Grunbacher Bahnhof neben einem Opel Astra Kombi. Weil die Nachfrage in Remshalden gestiegen ist, hat die dortige Filiale des Carsharing-Vereins diese Verstärkung bekommen.

Steigende, aber immer noch geringe Nutzung

Zehn Remshaldener Stadtmobil-Nutzer gab es vor fünf Jahren, als das Angebot zum ersten Mal auch in Grunbach mit einem Auto am Bahnhof verfügbar war. Mittlerweile sind es 20. Wenn man es positiv sieht, dann kann man feststellen: Die Zahl hat sich verdoppelt. Gemessen an der Gesamtzahl der potenziellen Nutzer, die eine 14 000-Einwohner-Gemeinde wie Remshalden hat, ist es jedoch immer noch nicht besonders viel. „Es ist ein Minibruchteil der Bevölkerung, der sich vorstellen kann, ein Auto zu teilen“, sagt Bettina Beißwenger. Sie ist die ehrenamtliche Filialleiterin für den Stadtmobil-Verein in Remshalden. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Heinz-Peter Ulrichskötter, der sich um die Wartung der Autos kümmert, hat sie das Angebot in Remshalden vorangetrieben.

Selbst seien sie beide schon seit 2006 „begeisterte Nutzer“. Die beiden haben kein Auto, sondern fahren ein Twike, ein Leichtelektromobil, das auf den ersten Blick wie ein luxuriöseres Liegefahrrad mit geschlossener Fahrerkabine daherkommt. Es hat insofern auch etwas von Fahrrad, als dass Fahrer und Beifahrer über Pedale Energie für den Akku erzeugen können. 100 Kilometer Reichweite hat das Gefährt. Beißwenger und Ulrichskötter sind damit schon längere Strecken in den Urlaub gefahren, bis in die Dolomiten oder nach Barcelona.

Mit dem Carsharing-Auto in den Urlaub

Ansonsten nutzen sie für längere Strecken auch eines der Autos, die am Remshaldener Bahnhof fürs Carsharing bereitstehen. Auch wenn sie mehr zu transportieren haben, als ins Twike passt, buchen sie sich das Gemeinschaftsfahrzeug. Heinz-Peter Ulrichskötter zeigt an seinem Tablet, wie es geht. Einfach auf der Seite oder in der App von Stadtmobil Stuttgart den passenden Ort anwählen, um sich die verfügbaren Fahrzeuge anzeigen zu lassen, buchen, fertig. Meist stehen die Autos in der Nähe von Bahnhöfen. Ulrichskötter sieht auch die Autos in Endersbach und zeigt: Ein Opel ist dort über mehrere Tage rot, das heißt, er ist ausgebucht. „Da ist vielleicht jemand damit beim Skifahren“, vermutet er. „Das haben wir auch schon gemacht.“

Stadtmobil: Carsharing lohnt sich bei weniger als 12 000 Kilometer im Jahr

Wenn man weniger als 12 000 Kilometer im Jahr fahre, dann lohnt sicht laut Stadtmobil das Carsharing finanziell gegenüber der Anschaffung und Unterhaltung eines eigenen Autos. Kraftstoff, Steuer und Versicherung sind in den Tarifen enthalten, man bezahlt nur für die Dauer der Nutzung und die gefahrenen Kilometer. Außerdem hat man keine Arbeit mit dem Auto, weil es mit Heinz-Peter Ulrichskötter einen Wagenwart gibt, der sich um alles kümmert. Die „wirtschaftliche und ökologische Mobilität der Zukunft“, so bewirbt Stadtmobil das Angebot.

Aus Bettina Beißwengers Erfahrung sind es meist Leute, die sich für das Carsharing interessieren, die ohnehin schon mit Alternativen zum eigenen Auto wie öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad unterwegs waren. Dazu ist das Gemeinschaftsauto eine gute Ergänzung. Andere nutzen das Angebot allerdings auch als Zweit- oder Drittwagen. Oder sie schaffen ihr Auto ganz ab. „Wir kennen zwei Familien mit Kindern in Grunbach, die gar keins mehr haben“, sagt Bettina Beißwenger.

Carsharing ist noch ein Nischenangebot. Aber während die B 29 immer verstopfter wird und die Luft im Stuttgarter Kessel und drumrum immer verpesteter, muss man ganz einfach froh sein über jeden, der den Schritt macht und aufhört, mit einem eigenen Auto einen Beitrag zur weiteren Verstopfung und Verpestung zu leisten.

Carsharing – geteilte Autos

Mehr als 500 Gemeinschaftsautos von Stadtmobil Carsharing Stuttgart stehen in der ganzen Region Stuttgart, verteilt auf mehr als 220 Stationen. Wer Nutzer wird, hat nicht nur Zugriff auf die Autos an seinem Wohnort, sondern auf alle. Auf der Rems-Bahn-Schiene stehen bis Schorndorf Carsharing-Wagen an fast allen Bahnhöfen und S-Bahn-Stationen.

Stadtmobil ist einerseits als Aktiengesellschaft, andererseits als Verein organisiert. In Stuttgart und im Remstal bis Waiblingen werden die Carsharing-Autos von der AG betreut. Weiter auf dem Land kümmert sich der Stadtmobil-Verein um die Fahrzeuge.

In Remshalden ist Bettina Beißwenger die Filialleiterin und damit Ansprechpartnerin für alle Interessenten. Sie ist unter 0 71 51/99 46 61 oder per E-Mail an remshalden@stadtmobil-ev.de zu erreichen. Weitere Infos gibt es im Internet auf www.stadtmobil-ev.de.

Wer das Angebot nutzen will, der muss eine einmalige Aufnahmegebühr von 50 Euro und dann einen festen Monatsbeitrag bezahlen. Es gibt einen Basis-Tarif für Leute, die seltener ein Auto brauchen, mit einer Monatsgebühr von vier Euro und einen Tarif für Vielfahrer mit einer Monatsgebühr von 9,50 Euro, der dafür dann geringere Kosten für die gefahrene Zeit und die Kilometer beinhaltet.

Reserviert werden die Autos ganz einfach im Internet, es gibt dazu auch Apps für Handy und Tablet. Mit der Nutzerkarte öffnet man die Autos und muss sie dann nach Ablauf der Nutzungsdauer wieder an ihren angestammten Platz zurückbringen.