Schorndorf

Chor Buhlbronn und Schorndorfer Kantorei: Weshalb es viel Hoffnung bei den Proben braucht

chorbuhlbronn
Endlich wieder aus voller Kehle singen – die Buhlbronner Sängerinnen und Sänger sind begeistert. © Kölbl

Glockengleiches Gluckern schallt aus dem Alt, ein dröhnendes Lachen aus dem Bass. Die Freude bei den Sängerinnen und Sängern war an diesem Abend in der Kelter Buhlbronn deutlich zu spüren. Endlich, ja endlich können die Sangesfreunde wieder miteinander proben, singen und natürlich auch ganz viel miteinander quatschen. „Das hat jetzt allen schon sehr gefehlt“, weiß die Vorsitzende des Chores, Gabriele Kauß.

Chorleben war ein halbes Jahr lang eingefroren

Schließlich sei so eine Übstunde mehr als nur das Absingen korrekter Noten. „Keiner geht so aus dem Chor raus, wie er reingekommen ist.“ Wer vorher schlecht gelaunt war, ist hinterher unter Garantie bestens aufgelegt. „Außerdem sind wir auch gern beinander.“ Das allerdings ging nun beinahe ein halbes Jahr lang nicht. Vom ersten Lockdown im März 2020 an bis zum Oktober vergangenen Jahres haben die Sängerinnen und Sänger in Vierer-Gruppen geprobt. Das beliebte Salzkuchenfest fand als „To go“- Version statt. Mindestens 300 der Backstücke haben sie aus dem Fenster heraus verkauft. „Das war eine super Sache“, erinnert sich Gabriele Kauß.

„Krafthaltung“ annehmen und loslegen

Ab Herbst ging dann aber probenmäßig gar nichts mehr. Online-Proben gab es keine. Vize-Chorleiter Ulrich Wand, der zusammen mit seiner Frau Polina Jakovleva den Chor leitet, erklärt: „Das, was wir da machen wollen, kommt über den Bildschirm nicht rüber.“ Und klar: Das von ihm begleitete Einsingen hat schon was von Sport und Schauspieltraining gleichzeitig: Vorüberbeugen, ausatmen, tief neue Luft schöpfen und aufrichten. „Das ist unsere Krafthaltung“, ruft er. Im Chor kichert’s. Aber sie machen mit. Und tatsächlich stehen sie nun da, wie auf einer Bühne, strahlen Präsenz und Selbstbewusstsein aus. Da steht plötzlich ein ganz anderer Chor. Der ausgebildete Opernsänger und seine Frau Polina Jakovleva haben einfach Ahnung.

Endlich keine Testpflicht mehr

Seit Juni proben die Buhlbronner wieder, zunächst Männer und Frauen getrennt, jetzt dürfen wieder alle kommen, sogar die Testpflicht ist entfallen. Die Abstände müssen aber penibel eingehalten werden und so dirigiert Ulrich Wand die Sängerinnen und Sänger zu Beginn erst mal durch die alte Kelter. Die Akustik darin ist einmalig und die vielen Schlitze zwischen den Holzbalken sorgen für eine coronafreundliche Belüftungssituation.

Allerdings: Gabriele Kauß weiß, dass einige der Chormitglieder noch auf Nummer sicher gehen wollen und deshalb erst nach den Sommerferien wieder zu den Proben kommen mögen, falls dann die Corona-Inzidenzzahlen weiterhin so niedrig sind wie derzeit. So lange übt nun der kleinere Chor mit rund 15 statt 35 Singenden tapfer weiter. Ende Juli lädt der Chor vor der Kirche zu einer kleinen Sommerserenade ein. Lieder von Mendelssohn Bartholdy gibt’s dann zu hören, anspruchsvolle Kanons und Stücke aus dem Repertoire. Die Zeit zur Vorbereitung ist kurz, aber alle freuen sich riesig darauf.

Kantorei probt mit immerhin rund 50 Sängerinnen und Sängern

Auch Bezirkskantorin Hannelore Hinderer ist froh darüber, endlich wieder mit all ihren Chören proben zu können: Wichtelchor, Kinderchor, die Jugendkantorei und die Kantorei, alle sind sie wieder am Start. Rings um jeden Sänger sind bei jeder Probe zwei Meter Abstand Pflicht, die Kantorei probt dafür in der Stadtkirche, die jüngeren Chöre im Luthersaal. Alle Gruppen sind durch Corona geschrumpft, das liege aber auch daran, dass Hannelore Hinderer zuletzt keine Werbung für ihre Chöre gemacht hatte. Das will sie erst dann wieder tun, wenn auch die Abstandsregeln wegfallen.

Ganz behutsam fangen sie nun wieder an. In den jüngeren Chören sind‘s jeweils rund 15 Sängerinnen und Sänger, die Kantorei probt aktuell nicht mit 120, sondern mit 40 bis 50 Mitgliedern. Sie arbeitet grade an einem außergewöhnlichen Projekt, an dem Oratorium „Die letzten Dinge“ von Louis Spohr. Am 24. Oktober soll es in der Stadtkirche zu Gehör gebracht werden. „Das ist ein wahnsinnstolles Stück und wird gar nicht so oft aufgeführt.“ Dabei, so findet Hinderer, handle es sich keinesfalls um schlechtere Musik als bei einem Mendelssohn-Oratorium. In der Stadtkirche ist es noch nie aufgeführt worden.

Hoffnung auf Lockerungen zur Aufführungszeit

Allerdings probt die Kantorei aktuell mit viel Hoffnung im Rücken. Wenn das Stück nämlich tatsächlich aufgeführt werden soll, sind einige Solisten sowie Musikerinnen und Musiker nötig. „Wir können nur hoffen, dass die Ausführenden und das Publikum dann wieder enger zusammenrücken dürfen.“ Schließlich braucht’s eine gewisse Menge an Publikum, um die Honorare der Solistinnen und Musiker zahlen zu können.

Übrigens: Auch wenn erheblich weniger Sänger während der Corona-Pandemie unter Hinderers Leitung geprobt haben: Weniger beschäftigt war die Bezirkskantorin deshalb nicht. „Ich durfte ja immer mit einigen Sängern etwas für die Gottesdienste einstudieren.“ Ab und an haben Mitglieder der Jugendkantorei sonntags gesungen, auch Mitglieder der Kantorei. Und so gab es immer mindestens eine Probe im Vorgriff auf den jeweiligen Auftritt. Auch der Kinderchor hat für das weihnachtliche Krippenspiel mit Abstand geprobt. Nur die ganz kleinen Sängerinnen und Sänger bis Klasse zwei hatte Hannelore Hinderer seit März 2020 gar nicht mehr getroffen. „Ich war wirklich hocherfreut, als die wiedergekommen sind, für so kleine Kinder ist es schon eine sehr lange Zeit gewesen.“

Glockengleiches Gluckern schallt aus dem Alt, ein dröhnendes Lachen aus dem Bass. Die Freude bei den Sängerinnen und Sängern war an diesem Abend in der Kelter Buhlbronn deutlich zu spüren. Endlich, ja endlich können die Sangesfreunde wieder miteinander proben, singen und natürlich auch ganz viel miteinander quatschen. „Das hat jetzt allen schon sehr gefehlt“, weiß die Vorsitzende des Chores, Gabriele Kauß.

Chorleben war ein halbes Jahr lang eingefroren

Schließlich sei so eine

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper