Schorndorf

Corona: Der Tafelladen in Schorndorf macht vorübergehend dicht

Tafelladencorona
Renate Frank im Tafelladen in der Grabenstraße. © Gaby Schneider

Noch am letzten Tag vor der Corona-Pause stehen die Kunden Schlange vor dem Tafelladen in der Grabenstraße. Kein Zweifel: Diese Einrichtung wird gebraucht. Trotzdem haben sich die Verantwortlichen schweren Herzens zu einer vorübergehenden Schließung entschlossen: „Wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitern“, sagt Tafel-Leiterin Renate Frank. Die meisten der rund 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter seien zwischen 60 und 80 Jahre alt. Trotz des Hygienekonzepts – ein Risiko bleibt. „Ich würde mir ewig Vorwürfe machen, wenn sich einer der Mitarbeiter ansteckt“, sagt die Leiterin der Tafel. Dazu kommt, dass mit den Menschenansammlungen vor der Ladentür nur noch schwer umzugehen sei. „Die Leute haben Masken auf“, erklärt Renate Frank. „Aber sie sitzen zusammen, rauchen und das dann ohne Maske.“ Der Platz am Tafelladen und vor dem Kleiderladen Querbeet sei für viele auch ein Treffpunkt. „Da haben wir normalerweise auch nichts dagegen.“ Doch was in normalen Zeiten gut sein kann, ist es in der Corona-Krise noch lange nicht.

Die Kunden sind traurig

Jetzt also ist erst mal bis Ende November geschlossen. Am Montag haben Renate Frank und Helmut Topfstedt als Leiter der Schorndorfer Tafel die Corona-Pause beschlossen. Und sich darin nach den erneut gestiegenen Infektionszahlen am letzten Öffnungstag voll bestätigt gesehen. „Mein Bestreben ist es, so schnell wie möglich wieder zu öffnen“, sagt Renate Frank. Vergangenen Dienstag wurde am Laden ein Aushang angebracht, auf dem über die Schließung informiert wurde. Sofort seien Fragen gekommen, wie „wie lange dauert die Schließung, wann macht ihr wieder auf?“ Fragen, die Renate Frank nicht beantworten konnte, weil alles vom Infektionsgeschehen abhängt. Sie weiß: „Die Kunden sind traurig.“

Bitter vor allem für Kinder

Eine Alternative zur Tafel wird es nicht geben für die bedürftigen Menschen, die für den Einkauf einen Berechtigungsschein brauchen. Viele Kunden sind vor der Schließung deshalb nochmals gekommen, um sich einzudecken. Auch eine ältere Frau, die gerade mit einem vollbepackte Einkaufswagen an der Kasse steht. Sie überlege noch, wo sie im November einkaufen werde, sagt sie, „wahrscheinlich bei Aldi oder Lidl". Schon jetzt weiß sie aber: Es wird „nur das Nötigste“ sein. Normalerweise kauft sie einmal in der Woche im Tafelladen ein, seit klar war, dass geschlossen wird, sei sie täglich gekommen, um ein wenig Vorrat anzulegen. „Das Brot friere ich ein“, sagt sie. „Ich brauche kein Frisches. Ich kann es getoastet essen.“ Ist die Schließung bitter für sie? „Ach“, sagt sie. „Ich bin allein. Wo Kinder sind, ist es viel bitterer.“ Dann packt sie ihre Sachen ein und wünscht Renate Frank „viel Kraft, dass ihr bald wieder aufmachen könnt.“

Derzeit wird statt Waren Geld gespendet

Bald wieder aufmachen zu können, das wünscht sich auch Renate Frank. Die Arbeit wird ihr während der Schließung nicht ausgehen. Bevor das Geschäft runtergefahren wurde, mussten mehr als 20 Supermärkte und Bäckereien darüber informiert werden, dass die Waren fürs erste nicht mehr abgeholt werden. Nun ist der Tafelladen leer, eine gute Zeit für Büroarbeiten wie neue Preislisten schreiben oder Spendenbescheinigungen ausstellen. Dass die Spendenbereitschaft in Schorndorf trotz der Corona-Krise sehr gut ist, freut Renate Frank sehr. Statt Waren, die die Menschen selbst besorgen, spenden die Leute zurzeit aber eher Geld. „Die Leute wollen nicht zwei Stunden im Supermarkt rumrennen und die Waren kaufen“, sagt die Tafelmacherin. Die Tafel freut sich über beides. Zwar dürfen die Tafeln mit dem gespendeten Geld selbst keine Lebensmittel einkaufen, das Geld aber für die Unkosten wie Miete und andere Ausgaben verwenden.

Arbeit im Tafelgarten

Dass Renate Frank nicht langweilig werden wird, liegt nicht zuletzt auch am Tafelgarten, den sie fast allein bearbeitet. Während der Gartenschau hat sie im Bürgergarten einen 70 Quadratmeter großen Gemüsegarten angelegt, um das frische Gemüse im Tafelladen verkaufen zu können. „Da gibt’s jetzt viel zu tun.“ Spinat und Mangold müssen geerntet werden. Noch weiß Renate Frank nicht, wie sie das Gemüse zu den Menschen bringt. Doch eine Lösung wird sie finden – keine Frage.

Noch am letzten Tag vor der Corona-Pause stehen die Kunden Schlange vor dem Tafelladen in der Grabenstraße. Kein Zweifel: Diese Einrichtung wird gebraucht. Trotzdem haben sich die Verantwortlichen schweren Herzens zu einer vorübergehenden Schließung entschlossen: „Wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitern“, sagt Tafel-Leiterin Renate Frank. Die meisten der rund 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter seien zwischen 60 und 80 Jahre alt. Trotz des Hygienekonzepts – ein Risiko bleibt.

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