Schorndorf

Corona - eine Katastophe für Existenzgründer: Wie Weltklasse-Tänzer mitten in der Pandemie eine Tanz-Akademie in Schorndorf eröffnen

Romanova
Exotisch in diesen Tagen: Erfolgreicher Tanz vor echtem Publikum. © privat

Sie leben vom Publikum, vom Applaus, von der Dynamik, die zwischen den Menschen entsteht. Wer tanzt, der tanzt selten alleine. Und so war Corona für Anna Romanova und Dimitri Serre ein herber Schlag. Im April hätte das international erfolgreiche Turniertanzpaar eigentlich seine Tanzschule in Schorndorf eröffnen wollen. Dann erreichte die Pandemie das Land. Der Lockdown bremste sie aus. Ein Schock. Doch sie berappelten sich, schmiedeten neue Pläne. Im Juli war's dann endlich so weit, sie konnten eröffnen. Es klappte. Mehr und mehr Kunden kamen. Und jetzt? Der neue Versuch, die Schule zum Laufen zu bringen, ist schon wieder ausgebremst. Gerade erst hatten sich über den Sommer die ersten Kurse gefüllt, schon ist wieder Ruhe eingekehrt auf dem Tanzparkett an der Vorderen Ramsbachstraße.

Tanzsport: Gibt alles, was in stressigen Zeiten guttut

Ein Jammer. „Ich möchte den Menschen die Freude am Tanzen weitergeben“, erklärt Anna Romanova. Sie braucht den Kontakt mit Menschen, sie liebt es, Tanzpaare anzuleiten, Kindern in den Kursen für ganz Kleine den Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Dann fühlt sie sich gut. Dann kann sie kreativ sein. „Wir sind Schauspieler auf dem Parkett.“ Tanzen, das sei pure Lebensfreude, alle Gefühle des Lebens ließen sich in der Bewegung ausdrücken. Gleichzeitig sei Tanzen aber auch echter Sport. „Man powert sich so richtig aus, kann Stress abbauen.“ Alles das, was in den angespannten Zeiten einer Pandemie doch so dringend nötig wäre.

Neue Kunden sind solidarisch: Freuen sich auf echtes Training

Vorläufig versuchen sie und ihr Partner, die Teilnehmer über Online-Kurse zu unterrichten. Vor allem einzelne Details im Paartanzkurs vermitteln sie digital: Hüftbewegungen, Armhaltungen, solche Dinge. Was fehlt, das sei das Feedback. Denn was die Tanzpaare im heimischen Wohnzimmer aus der filmischen Anleitung machen, bleibt für die Profitänzer unsichtbar. Dafür, dass die erst zuletzt neu gewonnenen Kunden dabeibleiben wollen und weiter ihre Mitgliedsbeiträge zahlen, ist Anna Romanova dankbar. Das zeige ihr auch, dass sie mit ihrer Tanzschule auf dem richtigen Weg seien, die Mitglieder sich schon jetzt mit ihnen verbunden fühlten.

Paartanz mit Abstand

Also bleiben die beiden optimistisch. Sie hoffen sehr, dass es schon im Dezember wieder weitergehen kann. Auch die neue Verordnung für Musik- und Kunstschulen, die seit Anfang der Woche gilt und einen eingeschränkten Tanzschulbetrieb grundsätzlich möglich machen würde, macht ihnen Hoffnung. Vorläufig bleiben sie aber dabei und halten ihre Tanz-Akademie noch im November geschlossen. Dann aber – falls nicht bald wieder härtere Maßnahmen im Kampf gegen das Virus beschlossen werden – wollen sie ihre Schülerinnen und Schüler wieder auf dem Parkett begrüßen. Immerhin sind sie von den Hygienemaßnahmen, die sie in ihrer Tanzschule umsetzen, überzeugt. „Wenn wir uns durch den Raum bewegen, tragen wir natürlich einen Mundschutz.“ Die Paare bleiben unter sich, tanzen mit Abstand an den anderen Paaren vorbei. In den Kinderkursen ist für jedes Kind ein Platz markiert, so dass sich die kleinen Tänzer untereinander nicht zu nahe kommen. Und auch im Ladies-Latin-Club – der stark an Zumba erinnert – wird auf ausreichend Platz pro Person geachtet.

Auch finanziell trifft der zweite Lockdown das Paar. Sie arbeitet neben der Tanzschule noch als Trainerin für Tanz-Profipaare, er kocht zusätzlich in einem hochwertigen Lokal. Beides ist aktuell nur eingeschränkt möglich. Immerhin ist der Vermieter der Tanzschule kulant, sie müssen aktuell nichts zahlen, können aber den Raum als eigenen Trainingsraum nutzen. Das wiederum ist ein großes Glück. Als Profitänzer können sie es sich nicht leisten, mit dem Training aufzuhören, im Wohnzimmer aber reicht der Platz nicht. Denn eins ist klar, sobald das Virus unter Kontrolle gebracht ist, wollen auch die beiden wieder aufs internationale Tanzparkett.

Tanzkurs mit der Mutter, dann Profitänzer

Anna Romanova tanzt, seitdem sie neun Jahre alt ist. Einst hatte ihre Mutter sie in einer Tanzschule in Moskau angemeldet – durchaus mit dem Gedanken, dass die Tochter einmal in den Profisport einsteigen könnte, falls ausreichend Talent vorhanden wäre. Und das war es. Anna Romanova fing Feuer. Sie tanzte und trainierte beinahe täglich, schloss sich nach dem Umzug nach Deutschland letztendlich dem Casino-Club Cannstatt an.

Ihr Tanzpartner Dimitri Serre ist erst über einen späten Umweg zu dem Sport gekommen. Die Mutter des Franzosen hatte einen Gutschein für einen Tanzkurs gewonnen und den damals 14-jährigen Sohn davon überzeugt, diesen mit ihr zu besuchen. Womit damals keiner gerechnet hatte, passierte. Der junge Mann entdeckte eine neue Leidenschaft, stürzte sich in den Sport. So sehr, dass er heute erfolgreich auf internationalen Turnieren ist. Als Romanova und Serre zeitgleich auf der Suche nach einem neuen Tanzpartner waren, kamen sie in Kontakt, trainierten zusammen. Es passte, und Serre zog von Lyon nach Ludwigsburg. Seither machen sie auf dem Parkett gemeinsame Sache – und das sehr erfolgreich.

Info

Mehr über Kurse in der „Tanzsport-Akademie“ Romanova Serre an der Vorderen Ramsbachstraße in Schorndorf gibt es unter www.romanovaserre.de

Sie leben vom Publikum, vom Applaus, von der Dynamik, die zwischen den Menschen entsteht. Wer tanzt, der tanzt selten alleine. Und so war Corona für Anna Romanova und Dimitri Serre ein herber Schlag. Im April hätte das international erfolgreiche Turniertanzpaar eigentlich seine Tanzschule in Schorndorf eröffnen wollen. Dann erreichte die Pandemie das Land. Der Lockdown bremste sie aus. Ein Schock. Doch sie berappelten sich, schmiedeten neue Pläne. Im Juli war's dann endlich so weit, sie

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