Schorndorf

Corona-Lage an Schorndorfer Schulen: Ist die Belastungsgrenze bald erreicht?

Schulleben
Das Tragen von Masken im Unterricht bleibt vorerst Pflicht. © Alexandra Palmizi

Die Corona-Pandemie macht sich in fast allen Lebensbereichen bemerkbar. Doch die Jüngsten unter uns trifft es besonders hart: die Schülerinnen und Schüler. In Zeiten von Fernunterricht, Klassen-Trennung, Maskentragen und Schnelltesten haben es Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung schwer. Doch auch die Schulen müssen sich täglich den Corona-Herausforderungen stellen und stoßen dabei nicht selten an ihre Grenzen. Wir haben mit Dr. Karin Fehrenbach, geschäftsführende Schulleiterin der Grund- und Realschulen, und Markus Wasserfall, Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums, über die Corona-Lage an den Schorndorfer Schulen gesprochen.

Zunächst die gute Nachricht vorneweg: Meldungen über die Schließung einer Schulklasse wird es in absehbarer Zeit nicht mehr so schnell geben. Der Grund: Das Landesgesundheitsamt hat am 1. Februar einen neuen Handlungsleitfaden an Schulen und Kitas verschickt, konkret geht es um eine Abschwächung der Quarantäne-Regeln. Bisher war es so, dass die gesamte Klasse bei einem relevanten Ausbruchsgeschehen in Quarantäne geschickt wurde. Sprich: Haben sich 20 Prozent der Klasse innerhalb von zehn Tagen mit dem Coronavirus infiziert (oder mindestens fünf Fälle), müssen alle Schüler in den Fernunterricht. Das soll es ab sofort nicht mehr geben, die fünftägige Testpflicht für alle Schüler bleibt aber bestehen.

Corona-Quarantäne für ganze Klassen hat den Schülern nicht gutgetan

Hört man sich an den Schorndorfer Schulen um, stoßen die Änderungen bei der Quarantäne-Regel auf breite Zustimmung. „Ich bin froh und finde es besser, dass ab sofort nur die Kinder in Quarantäne geschickt werden, die positiv sind oder als Kontaktperson gelten“, sagt Dr. Karin Fehrenbach. Die Rektorin der Miedelsbacher Otfried-Preußler-Schule ist geschäftsführende Schulleiterin. Es sei gut, dass die Kinder, die gesund sind, weiter am Unterricht teilnehmen können.

„Für die Schüler war es teilweise katastrophal, wenn die ganze Klasse in Quarantäne musste.“ Dieses Ausgrenzen aus der Schule, wie es Fehrenbach nennt, habe zu Defiziten bei den Kindern geführt. „Nicht nur im Hinblick auf Lernschwächen, sondern auch auf die Psyche.“ Fälle von Adipositas würden zunehmen, auch Verhaltensauffälligkeiten oder sogar Depressionen. „Den Kindern fehlte im Fernunterricht das soziale Umfeld.“ Sie habe sich auch bei den anderen Schulleitern umgehört, auch diese seien „froh, dass sie nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne schicken müssen“.

So sieht es auch Markus Wasserfall, Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums. „Die Schüler und Eltern des MPG sind überwiegend sehr zufrieden damit, dass wir im Präsenzunterricht bleiben. Die Zeiten im Fernunterricht haben gezeigt, dass die soziale Isolation der Jugendlichen gar nicht gut war.“ Fehrenbach betont aber: „In ganz besonders schwierigen Einzelfällen können wir als Schulleitungen aber weiterhin entscheiden, dass einzelne Klassen in Quarantäne müssen.“ Dieser Entscheidungsspielraum müsse aber mit großer Vorsicht genossen werden.

„Die Schließung einer Klasse muss das allerletzte Mittel sein“

„Das ist etwas ganz Neues, wir erproben das erst noch“, so die geschäftsführende Schulleiterin zur aktuellen Lage. Außerdem wüsste sie gar nicht, in welchem Fall sie eine Klasse schließen sollte. „Das müsste schon ein extrem hohes Risiko sein, dass sich andere Kinder anstecken.“ Durch Hygienemaßnahmen, Maskentragen und Trennung der Schulklassen könne dies verhindert werden. „Das klappt bei uns ganz gut, so dass wir hoffentlich nicht in diese Situation kommen. Die Schließung einer ganzen Klasse ist wirklich das allerletzte Mittel.“

Was Karin Fehrenbach nur bedingt beeinflussen kann, ist die dünne Personallage. „Wenn uns erst mal ein paar Lehrer mit Corona ausfallen, wird es ganz schwierig.“ Dann habe man einfach nicht das Personal, um eine Vertretung zu finden. „Dann müssen wir die Klasse schließen. Wir haben einfach zu wenig Lehrkräfte.“ Auch MPG-Schulleiter Markus Wasserfall treibt die Situation, in der seine Lehrer aktuell stecken, um. „Für unsere Lehrkräfte ist die fünfte Welle extrem kräftezehrend.“

Lehrkräfte leisten doppelte Arbeit

Der Grund: Durch viele Quarantänefälle müssten in fast der Hälfte der Klassen neben dem Präsenzunterricht auch Materialien fürs Home-Schooling bereitgestellt werden. Kinder, die sich in häuslicher Isolation befinden, sollen so am Unterricht beteiligt werden. „Man kann also die Leistung der Lehrkräfte aufgrund dieser Doppelbelastung derzeit gar nicht hoch genug einschätzen.“ Glücklicherweise seien an seiner Schule bisher nur sehr wenige Lehrkräfte durch Omikron ausgefallen.

Während das Max-Planck-Gymnasium mit der Lernplattform „Moodle“ zusammenarbeitet, bekommen die Schüler der Otfried-Preußler-Grundschule den Lernstoff nach Hause gebracht. „Die Kinder können sich zwar nicht zum Unterricht dazuschalten, wir bereiten aber Lernpakete vor.“ Diese bekommen die Kinder dann von Mitschülern oder den Lehrkräften nach Hause gebracht, so Fehrenbach. Außerdem stehe man mit den Schülern auch im Online-Austausch.

Das sei eine ähnliche Situation wie bei Kindern, die mit einer Erkältung zu Hause bleiben müssen. „Auch diese Kinder fehlen ja zeitweise im Unterricht und kommen dann nach fünf Tagen wieder zurück.“ Wichtig sei nur, dass die Eltern mitziehen. „Wir können ja nicht bei den Schülern im Haushalt unterrichten.“ Sollte das Kind trotzdem mit Lernlücken zurückkommen, stehen drei „Rückenwind-Kräfte“ bereit, um die Kinder individuell zu unterstützen.

Elternbriefe, Konferenzen und neue Regeln: Riesiger Verwaltungsaufwand

Am meisten Bauchschmerzen bereite Karin Fehrenbach aber der enorme Verwaltungsaufwand. Egal ob Elternbriefe, Konferenzen oder die Aktualisierung der Homepage: „Die Verwaltung ist in der Corona-Pandemie immens groß geworden. Jede Änderung und jede neue Regel muss ja den Eltern mitgeteilt werden.“ Außerdem würde man sich mehr Vorlaufzeit bei neuen Verordnungen oder Corona-Regeln wünschen. „Die letzte Änderung hat mich am Dienstagnachmittag erreicht, am nächsten Morgen sollte diese umgesetzt werden. Da frage ich mich: Wie sollen wir das machen?“

Was in der aktuellen Omikron-Welle noch alles auf die Schulen zurollt? Schwierig zu sagen, meint Karin Fehrenbach. „Die Zahlen steigen überall. Alleine an unserer Schule sind es inzwischen deutlich mehr Corona-Fälle.“ Es gehe dabei nicht mal unbedingt um infizierte Schüler, sondern um Kontaktpersonen.

„Wenn es bei einer fünfköpfigen Familie einen Infizierten gibt, muss der Schüler in Quarantäne.“ Solche Fälle kommen aktuell immer öfter vor. „Wir haben auch schon oft erlebt, dass sich das Kind dann über die coronakranke Person in der Familie ansteckt“, erklärt die Rektorin. Wenn es so weitergeht, sei die Belastungsgrenze für Schulleiter, Lehrer und Eltern bald erreicht. „Wir hoffen einfach, dass es irgendwann vorbei ist.“

Die Corona-Pandemie macht sich in fast allen Lebensbereichen bemerkbar. Doch die Jüngsten unter uns trifft es besonders hart: die Schülerinnen und Schüler. In Zeiten von Fernunterricht, Klassen-Trennung, Maskentragen und Schnelltesten haben es Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung schwer. Doch auch die Schulen müssen sich täglich den Corona-Herausforderungen stellen und stoßen dabei nicht selten an ihre Grenzen. Wir haben mit Dr. Karin Fehrenbach, geschäftsführende Schulleiterin der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper